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Der Israelit · 1884-08-11 · Heft 64 (11.8.1884) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 64 (11.8.1884)
Date
1884-08-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1062 höchste Gut zu entreißen drohte, vertheidigt. Die Amsterdamer Juden damaliger Zeit waren fast alle spanisch-portugiesischer Abstammung, die entweder selbst den Kerkern der Inquisition entflohen oder deren Eltern auf den Scheiterhaufen Spaniens ihr Leben ansgchaucht haben oder mit Verlust von Hab und Gut, ihr Rabcnmutterland verließen, um in der Fremde ihrem Gotte treu bleiben zu können. Ist cs da zu verwundern, wenn sie dem Versuche desjenigen, der ihnen ihre Ucberzeugung rauben wollte, energisch entgegen traten und mit dem Aufgebote aller ihnen zu Gebote stehenden Mittel ihn daran zu verhindern suchten? Wahrlich, so betrachtet, wird jeder Billigdcnkende ihr Verfahren gerechtfertigt finden. mag er noch so sehr von der philosophischen Größe Spinozas, von der fesselnden Macht seines festgefügten Ideenganges eingenommen sein. Ist der philosophische Stundpnnkt gerechtfertigt, so ist es doch der religiöse nicht minder. Dies ist auch der Fehler in Änerbach's Roman „Spinoza", er hat der Philosophie zu viel Recht eingeräumt, er hat sie zu einseitig auf Kosten der Religion bevorzugt. Es ist erfreulich, daß er später diesen Fehler eingesehen und cs macht seiner Aufrichtigkeit Ehre, daß er dies offen eingestellt. »Ich muß noch einmal sagen," schreibt er an seinen Freund das. S. 672 „ich habe den portugiesischen Juden nicht das volle Recht in meinem Spinoza angedeihen lassen, freilich, ich hatte damals noch nicht Kraft dazu und auch nicht die reine Einsicht, es steckte noch zu viel Aufklärungstrieb in mir. Sonst hätte ich Spinoza einen wirklichen glanbensvollen Mann, etwa wie Menasse ben Israel, der ihm intellektuell ebenbürtig, wenn auch nicht compenial, mit gleicher Kraft und gleichem Gewicht entgcgenhalten müssen, mtb cs wäre auch das Höhere, die Philosophie nicht allein Sieger werden zu lassen, sondern jede Macht behauptet sich in ihrem Lager und auf ihrem Kampfgebiete." Das schreibt Anerbach, der seinerseits so viel zur Verhimmelung Spinozas beigetragen hat, und auch über die Rabbinen, die den Bann über ihn verhängt haben, hat er im Alter milder geurtheilt. Als er im Jahre 1878 auf einer Reise durch Holland nach Amsterdam kam, besuchte er auch die Stätten, wo Spinoza gelebt hat und die mit seiner Vernrtheilnng irgenwie in Berührung standen. Natürlich besichtigte er auch die Synagoge der portugiesischen Gemeinde und das dortige Gemeindehaus. Hier, wo er die Spuren jener großen Märtyrer vor Angen hatte, die still und ruhig für ihren Glauben duldeten und von deren Martyrium und Heldenmut!) keine Geschichte erzählt und keine Erinnerung im Andenken der Nachwelt haften blieb, trat ein solcher Umschwung in seinen Gesinnungen hervor, daß er segnen mußte dort, wo er früher nur Worte der Verdammung hatte. Es ging ihm wie Bileam, er wollte Zeugnisse sammeln fiir die Schuld der Rabbinen, und mußte durch das, was er gesehen, überwältigt, ihre Rechtfertigung aussprechen. Auch an ihm bewährte sich das Wort unserer Weisen im buchstäblichen Sinne: leipeV ny -psrt nrr pin Erst als er bcu Schauplatz der Ereignisse vor sich hatte, kam auch die richtige Erkenntniß für die Bcurthcilung derselben über ihn. Wie diese Wandlung seiner Gesinnung entstanden ist, das möge hier mitsseinen eigeiicn Worten mitgetheilt werden, wobei auch die höchst anziehende und meisterhafte Schilderung seines Besuches im Gemeindehaus zu Amsterdam das Interesse der Leser fesseln wird. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Borken i. Westfalen. Die Trauer gebietet zwar Schweigen; allein in unserer Zeit, die der wahrhaft Tugendhaften und Frommen tagtäglich weniger anfzuweiscn hat, darf man dem heranblühenden Geschlechte am allerwenigsten die Namen solcher Personen vorenthalten, die ihm als Muster dienen sollten und müßten. Am 25. Juli starb hier der Kaufmann Herr Benjamin Jonas im Alter von 94 Jahren. In dem Verklärten verloren wir einen Ehrenmann in des Wortes vollstem Sinne, einen wahrhaft Frommen, wie leider wenige heutzutage angetrosie» werden, dessen Andenken aber bei uns um so bleibender sein wird, da sein Wirken in engstem Zusammenhänge mit der Entwicklung und dem Leben unserer Gemeinde stand; denn 58 Jahre bekleidete er in ihr ununterbrochen das Amt eines ersten Vorstehers. Und wie verwaltete er dieses Amt! Ein wachrer uy, ganz anspruchslos und bescheiden wie er war, verstand er es die Mitglieder der Gemeinde kn tiefstem Frieden und innigster Freundschaft zusammcnzuhalten,^ verstand er es, jedem gerecht zu werden. Dabei verdiente er aber voll und ganz de» Namen, onro, den er führte, p onror“, so eiferte auch er für unseren heiligen Glauben, sorgte auch er fiir die Hekkighaltung der gottl. Satzungen und suchte er nns alle z» begeistern fiir alles Gute und Edle. Seine Bemühungen um das Wohl unserer Gemeinde und die Treue, mit welcher

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