Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 64 (11.8.1884)
- Date
- 1884-08-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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T / 1063 er seine Pflichten als Staatsbürger erfüllte, fanden auch seitens der hohen Regierung volle Anerkennung; denn bei Gelegenheit seines 50 jährigen Jubiläums als Vorsteher wurde ihm vom Kaiser ein Kronenorden verliehen. Gin leuchtendes, herrliches Vorbild war er stets Allen in religiöser Hinsicht sowohl, als im Verkehre mit der Welt. So lange sein Gesundheitszustand es erlaubte-- war er, selbst beim grössten Unwetter, jeden Morgen und jeden Abend, immer der erste und lebte im Gotteshanse und außerdem hielt er auch andere zum regelmäßigen Besuche des Gottesdienstes an. An ihm haben die Waisen einen Vater, die Wittwen eine Stube, die Armen und Nothleidenden einen Helfer, die des Trostes Bedürftigen aber endlich einen Mann verloren, der den heilsamen Balsam in die 'durch Schicksalsschläge hart getroffenen Herzen und Gemüther träufelte. Die große Betheiligung alter Konfessionen bei seiner Beerdigung ist das beste Zenguiß seiner Ehrenhaftigkeit, seines Biedersinnes, seiner allgemeinen Beliebtheit und seiner Rechtschaffenheit in all seinem Thun. Der Verstorbene erfreute sich einer Geistesstische bis zu seinem lebten Athemzuge, wie diese nur höchst selten in solch hohem Alter angetroffen wird, und was seine Körperkräfte anbelangt, so funktionirte er am verflossenen mirn trsn Feste noch ‘"dis 'ypin 7j;:f in herzerhebender Weise und mit heiligem Eifer. Mögen die trauernden Hinterbliebenen Trost finden in dem gesegneten Andenken, in welchem der Verklärte im Kreise seiner Bekannten und Freunde bleiben wird. O e st e r r. - U n g a r. M o n a r ch i e. Pesth. lieber den Prozeß von Zala-Egerseg wird nns geschrieben: Volle H) Tage saß der delegirte Senat des Bndapester Gerichtshofes in dem Eomitatssaale zu Egerseg in der sengenden Juli- Hitze, Tag für Tag mehrere Stunden, und mühte sich mit bewunderungswürdiger Geduld und Ausdauer ab, die Schuldigen zu suchen in der Angelegenheit des Aufruhrs, welcher in den lebten Augusttagen des vorigen Jahres in den Straßen von Zala-Egerseg geherrscht hat und mit Raub und Plünderung einhergeschritten ist. Doch, obgleich das Urtheil nahezu ein halbes Hundert Personen — Verführer und Verführte — getrosten, ein Urtheil, das so manche arme Familie in bittere Roth bringen wird, Einv war schon im Voraus klar und das Urtheil hat es vollauf bestätigt. Die wirklichen MisseLhäter, die gewissenlosen Heber, die das arme Volk bethört haben, die llrheber von Aufruhr, Raub und Plünderung, sie gehen straflos ans; denn sie sind rechtzeitig von der Bildfläche verschwunden, ehe sie der rächende Arm der Justiz erreichte. Dieser Prozeß hat überaus interessante und lehrreiche Erscheinungen zu Tage gefördert. Wir sehen eine fast endlose Reihe von' Bauern und Bäuerinnen ans der Umgebung der zu so trauriger Berühmtheit gelangten Stadt in den Schranken des Gerichtshofes, theils als Angeklagte, theils als Zeugen vorüberziehen. Die vier Hauptangeklagten, Werkzeuge in den Händen der unsichtbaren Leiter, haben wochenlang die Ilmgegend in der Absicht bereist, Bauern und Bäuerinnen gegen die Juden aufzuheben. Dabei leugnen die meisten, bei der ganzen Sache betheiligt gewesen, sondern mir als müßige Zuschauer dagewesen zu sein; ja auf einer Wiese vor der Stadt hat eine Versammlung, von jenen vier Hetzern arrangirt, stattgefuuden, in welcher offen eine förmliche Verschwörung geplant worden; dabei will Niemand den Andern gesehen haben, selbst Leute, die Anspruch auf Intelligenz machen, versichern auf ihr Ehrenwort Niemand erkannt zu haben. Ein Advokat behauptet sogar, daß eine Rauferei zwischen einem christlichen und einem jüdischen Knaben die Krawalle hervorgerufen habe, und die ganze Vertheidigerbauk fand den traurigen Math, die Richtbeeidiguug der jüdischen Zeugcn und Beschädigten zu beantragen. Auch hier wurde die Untersuchung erst ein halbes Jahr nach den Unruhen eingeleitet, was jedenfalls kein gutes Licht auf die ungarische Justiz wirft. Sowohl der Staatsanwalt als der Vertheidiger Lengiel wiesen auf die traurigen Ereignisse der letzten Jahre, auf dieRiederträchtigkeit der Hetzer hin, die unschuldige Menschen für ihre frechen und gesetzwidrigen Gelüste büßen ließen. Ergreifend in ihrer Wahrheit und Einfachheit waren die Schlußworte des Vertheidigers Lengiel: „Verzeihen Sie diesen Leuten, die nicht gewußt, was sie thun, verzeihen Sie ihnen umsomehr, als sie seit elf Monaten, ihren Familien entrissen in dumpfen Kerkern geschmachtet und schon genug gelitten haben. Gleichwie die kleinen Insekten sich im Gewebe der Spinne fangen, während die größeren es durchbrechen, so sind auch hier die größeren Hetzer entkommen, während das ärm e, b e th ö r teV o l k i m K e rker sch m a ch tet. Von den liS Angeklagten wurden 43 verurtheilt. Schnhmachergeselle Baly zu 4, Landwirth Gerentscher zu 5, der Schuster Schreiner zu 5 Jahren Zuchthaus, die Uebrigeu von 1 Jahr bis zu 3 Monaten Kerker. . In Sch im eg wurden ans dem jüdischen Friedhofe alle Grabsteine umgestürzt, mehrere Gräber