Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1884-08-11 · Heft 64 (11.8.1884) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 64 (11.8.1884)
Date
1884-08-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2449406-2449467--20637-2510176
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

es auch: "7 c*wi ne»« „Heil dem Mannc, der Gott fürchtet," *nmr;nn, zu einer Zeit, da Du ein kraftvoller Mann bist. Und so deuten auch unsere Weisen im heiligen Soharbuche den Ausspruch der heiligen Schrift: -p-frND nfcrn;pr nnm Dipn mni' 'jqö „Ehe Dein Haar bleicht, sollst Du Dich aufraffen, Gott zu fürchten; dann wirst Du Dein Alter ehren. „(3. B. M., <5L 19, V. 32.) Aber auch der Greis darf die kurze Spanne Zeit, die ihm noch auf Erden zu leben vergönnt ist, nicht .ungenützt dahinfließenlassen. „Wenn nicht jetzt, wann denn?" Diese Welt ist die Welt des Handelns und Wirkens; in der künftigen Welt kann nicht gut gemacht werden» was hienieden versäumt ist worden. ES gleicht die künftige Welt dem Sabbat, die Zeit nnsercsLebens hienieden aber den Werktagen. Wer die Woche hindurch gearbeitet hat, kann am Sabbat in Ruhe den Ertrag seines Fleißes genießen; wer in dieser Welt thä'tig war, der darf im Jenseits den Lohn erwarten, den Gott bestimmt hat für seine Frommen. Aber nicht nur der Greis, sondern auch der Jüngling und der Mann dürfen den Zeitpunkt einer gedeihlichen Thätigkeit nicht hinansschieben. Wenn Du das Heute nicht nützest, weißt Du, ob Du den Morgen noch erlebst? Wir sehen es ja, daß vom Tode oftmals die Menschen hinweggerafft werden in der zarten Jugend, in der Blüthe deS Lebens, in den Jahren der Kraft. Wie Mancher fühlt sich stark und gesund und trägt, dessen unbewußt, den Keim des Todes schon in sich, wie Mancher wird ahnungslos durch plötzlich eintretende Unglücksfällc hinweggerafft! Dcßhälb zögere niemals, das Gute und das Rechte zu thun, wann und wo sich Dir die Gelegenheit dazu bietet; sprich stets zu Dir: . vm* vccy «7 DN „Wenn nicht jetzt, wann denn?" Und wenn die jedem Menschen innewohnende Trägheit Dich bestimmen will, zu denken nnd zn sagen: Es hat ja noch Zeit! so sprich Du zu Dir selbst: Wer weiß, ob die spätere Zeit noch Dir gehört. Was Gutes nnd Rechtes Du gethan nnd vollbracht hast, das bleibt Dein Eigenthum für ewige Zeiten, das kann Dir Niemand 'rauben, das steht verzeichnet im Buche des -allwissenden Gottes und wird Dir gntgeschrieben für das jenseitige Leben. Noch eine ändere große Wahrheit liegt in den Worten des großen Weisen. Der allmächtige Gott hat den Menschen erschaffen zu Seiner Verherrlichung nnd uns Israeliten hat Er zu Seinem Dienste berufen; Er hat uns eine Lehre der Wahrheit gegeben und Satzungen der Liebe und des Wohlwollens, bcucu gemäß wir leben und wirken sollen. Der Jude dient seinem Gotte nicht zn bestimmten Zeiten» nicht nur im Gotteshansc, sondern zu allen Zeiten und an allen Orten. Wenn ich für meinen Lebeirsunterhalt sorge und für den von Frau und Kindern» so diene ich meinem Gotte, der uns die Selbsterhaltnng zu Pflicht gemacht hat. Selbst die gewöhnlichen Beschäftigungen müssen wir von diesem Gesichtspunkte aus betrachten. Wir müssen essen» trinken, schlafen und in anderer Weise uns erholen, nur zu dem Zwecke, um den Körper zn kräftigen für den Dienst unseres Gottes. Somit ist der Gottesdienst des Israeliten ein immerwährender, unddieZeit, diediefem ununterbrochenen Gottesdienst entzogen wird, ist unwiederbringlich verloren. Wenn Jemand seine Zeit „todtschlägt" mit unnützen Dingen, wenn er in Wirthshäusern sitzt nnd Karten spielt oder kn Gesellschaft mit Andern unnütze Reden führt oder gar seinen Nebenmenschen die Ehre abschneidet, so begeht er nicht allein ein großes Unrecht, er verliert auch die kostbare Zeit, die niemals wiederkehrt. Wer kann den unnütz oder schlecht verbrachten Augenblick zurückbringen? Aus diesen so rasch enteilenden Augenblicken setzt sich die Lebensdauer zusammen. Ein begangenes Unrecht kann vielleicht gutgemacht werden; unmöglich aber ist es, die verlorene Zeit zurückzubringen. Daher frage Dich stets: Wenn nicht jetzt, wann denn? Wenn Du nicht den heutigen Tag, die gegenwärtige Stunde durch nützliche Thätigkeit, durch geistige Vervollkommnung, durch zum Heile Deiner Mitmenschen vollbrachten Thaten im Dienste Gottes verwendest, so ist der heuttge Tag, so ist die gegenwärtige Stunde fiir Dich verloren, nnd was Du morgen thust, das kann nicht ersetzen,' was Du heute versäumt hast; denn der morgige Tag muß ja ohnehin der guten und nützlichen Thätigkeit geweiht sein. Daher nütze das Jetzt, ehe es unwiederbringlich zur Vergangenheit erstarrt; vielleicht gehört die Zukunft nicht mehr Dir, und wenn sie Dir gehört, so muß auch sie der Schaffung des Guten und Rechten gewidmet sein; sie hat ihre Aufgabe für sich wie all die Stunden und Minuten, aus denen unsre Lebenszeit besteht. Tritt selbst für Dich ei»; kein Anderer kan» es so, wie Du. Sei aber nicht selbstsüchtig, sondern widme Dich dem Wohle Deiner Mitmenschen; Niemand ist so arm und unglücklich, wie der Selbstsüchtige. Nütze Deine Zeit und schätze den dahin-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.