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Der Israelit · 1884-08-07 · Heft 63 (7.8.1884) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 63 (7.8.1884)
Date
1884-08-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1050 zu geben, in sein Haus zu locken; dann suchte er — doch nein," unterbrach sie sich, ihr Gesicht mit beiden Händen bedeckend, „ersparen Sie mir Ihnen mitzntheilen, wie er mit mir verfuhr. — Als er einsah, daß ich den Tod des Verhungerns der Schande vorzog, da machteer mich zum Mittel eines schändlichen Ameckes. Sicher war er es, der zuerst die Anklage formnlirtc, ich sei durch Gewaltthat aus dem Wege geschasst worden. Täglich kam er nach dem Kloster, täglich machte er von Neuem Versuche, meine Ehrenhaftigkeit zu erschüttern!" „Der Vater! Der Vater!" ries hell anfjanchzcnd der kleine Leo. — War der Mann, der da jetzt das Zimmer betrat, wirklich Simon Stroßky? Kaum der Schatten seiner selbst wankte er auf Ncbecka zu, die ihm mit lautem Jnbelrnfe entgegcneilte. Stumm lagen die Beiden einander in den Armen. — Auch die Kinder drängten sich an den Vater, ihn zu begrüßen; als er sich ihnen znwandte, war sein Antlitz von Thränen überströmt. „Es war eine schwere Prnfungszeit," sagte er, die Kinder segnend; „danken wir Gott, daß er das llnglnck von uns genommen!" Bald war, da sich das Gerücht verbreitete, daß die Stroßky'schen Eheleute in Freiheit seien, das Hans mit Freunden und Bekannten gefüllt, die ihrer Freude über die glückliche Wendung der Dinge Ansdruck geben wollten. Es schien als sei ein Alp von den Herzen Aller gewichen, denn obschon Niemand au Stroßky's Schuld geglaubt, fühlte Jeder, daß die ihm widerfahrene Verdächtigung eine Schmach für alle Glaubensgenossen sei. — „Es ist tief und schmerzlich zu beklagen," sagte der ehrwürdige Vorsteher Sanders, „daß in unserm erleuchteten Jahrhundert, da unsere Glaubensgenoffen mit Leben, Blut und Ehre dem Vaterlande dienen, an allen gemeinnützigen Bestrebungen lebhaften Antheil nehmen, Geld für humanitäre Anstalten mit vollen Händen ausstreuen, derartige Vorkommnisse noch möglich sind!" „Laßt uns keine Anklage erheben," sagte Simon Stroßky abwehrend, sondern Gott, dem Allmächtigen . vereint danken, daß er die Abschläge unserer Feinde zu Schanden gemacht!" Und Alle stimmten sie, als wären sie an geweihter Stätte, in die Dankeshymne ein, die Simon Stroßky jetzt intonirte. — Sie Alle dankten Gott aus vollem Herzen, mit ganzer Seele; die Frauen schluchzten, auch die Kinder konnten sich der Rührung kaum erwehren. Als die Andacht beendet, trat Simon Stroßky zu dem würdigen Gemeinde-Vorsteher und übergab ihm eine namhafte Summe zur Vertheilung an Arme. „Es lebt ein Gott in der Höh'," sagte er imt bewegter Stimme; „in den Tagen des Glückes vergessen wir nur zu oft, Seiner zu gedenken; in den Tagen des Unglücks erkennen wir Seine Allmacht. — Als ich inmitten dumpfer Kerkermanern war, da habe ich mir gelobt, am Tage meiner Befteiung meinen nothleidendeu Brüdern hilfreich zu sein und ich bitte Sie die Summe nach bestem Ermessen den Dürftigen zu vertheilen."— ' Auch Frau Rebecka und die Kinder steuerten bei, was sie erspart hatten. Es war Allen, als müßten sie, wie es die Väter ehemals gethan, Dank- und Sühnopfer darbringen; das höchste Glück fanden sie aber in der ungetrübten Wiedervereinigung, die ihnen nach den Tagen der schmerzreiche» Trennung, ungezählte Tage reinsten Glücks brachte. Neithfel. Mit Ehrfurcht werde ich genannt. In mir wohnt Einsicht, wohnt Verstand; Ich bin des Volkes feste Stütze, Ich bin der höchsten Berge Spitze, Ich bin des Menschen Pracht und Zier. Fast jedes Ding beginnt mit mir. Willst einen Bnchstad' Du mir nehmen. Bin ich nicht froh; muß oft mich schämen. .rauten. Adolph Oster. Auslösung erfolgt in Nr. Kl». Die Name» der richtig Lösenden werden» wenn «ns solche dis längstens Dienstag Vormittag den 12. Aligilst zugegangen, in der folgenden Nummer veröft fentlicht. Auflösung des Räthsels in Nr. kl: . npi — Hip M?" Die Fortsetzung der Erzählung „Aus dem Leben eines orthodoxen Rabbiners" erscheint m der nächsten Nummer. Hierzu zwei Beilagen.; Verantwortliche Redaktion: vr. Lehmann in Mainz. — Expedition große Bleiche Ar. 45. Druck und Verlag von Oscar Lehmann in Mainz.

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