Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 63 (7.8.1884)
- Date
- 1884-08-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1046 Mafien: Das Schächten ist und kann keine Thierqnälerei sein, insofern die Tödtung des Thieres einmal gestattet ist. Das mosaische Gesetz war ja das allererste, welches die Thierquälerei verbietet, und hätte das Schächten besondere oder unnütze Quälerei verursacht, so hätte das mosaische Gesetz diese TödtnngSart nicht geboten. Es ist nicht Thierschutz, welcher der Agitation gegen das Schächten zu Grunde liegt, es ist vielmehr Menschenquälcrei, welche unter der Maske des Thierschudes getrieben wird; das Streben dieser Thierschützlcr geht nur dahin, jede religiöse Einrichtung zu beseitigen. Das Schächten verursache durchaus keine weitere Qual, und jedenfalls sei ihm der Menschenschutz höher als der des Thieres.*) In diesem Sinne gab Dr. Melier damals sein Gutachten an die Regierung ab und die Sclmchtfrage hatte als solche aufgehört zu eristircn. Seitdem hört man im Aargan nichts mehr gegen das Schächten. B. Taube. R u m ä n i e n. Jassy. Einem Herrn Sigismund Simmel in Berlin von einem der angesehensten Glaubensgenossen Rumäniens zugeschickten Memorandum über die traurige Lage unserer rumänischen Mitbrüder entnehmen wir nachstehende Stelle: Da wir bisher vergebens auf eine Unterstützung unserer auswärtigen Brüder gehofft, so rafften wir uns selbst zusammen, gingen von Hans zu Haus, sammelten, was wir' vermochten, um wenigstens einem Theile unserer unglücklichen Mitbrüdcr zu helfen, «so ist es uns auch in Jassy gelungen, für nroo Seelen sorgen zu können, indem wir für 160 Familien Kühe anschafftcu zur Gründung von Molkereien re. 2N0 Personen beförderten wir nach Amerika. Andere 500 Personen stehen bereit, dorthin ausznwaudern. Seit acht Tagen ist das Gepäck nach Hamburg abgegangen. Dienstag den 29. Inli sollte der Transport befördert werden, als wir die unheilvolle Depesche bekamen, daß Amerika nur diejenigen Auswanderer einlasse, die ein Vermögen von loo Dollar resp. 500 Fr. ausweiscn können. Wir haben allen Muth verloren und sind in der verzweifeltsten Lage. Die Nachricht, das; seitens der Amerikanischen Negierung 50 Personen von den am 4. Inli Emigrirten nach Hamburg zurückgesandt wurden, hat unsere Nathlosigkeit noch erhöht. Ich habe damals diese Begebenheit im Hamagid Jahrgang »875 Nr. 15 vcrössentlicht. Unsere Kasse ist erschöpft. Materiell und moralisch gesunken, sehen wir trauernden Herzens dem Ausgange der Ealamität entgegen, und sollten unsere Mitbrüder im Auslände nicht bald Hülse bringen, so haben wir das Schrecklichste zu erwarten. Frankreich. Paris. Ein russischer Jude, welcher zur Hochzeit seines Bruders nach Paris reiste, wurde in der Nähe der Hauptstadt nach seinem Passe gefragt. Da er, der französischen Sprache vollständig unkundig, sich nicht schnell genug answeifen konnte, wurde er von dem ungeduldigen Polizeibeamten aufs schrecklichste mißhandelt und in ein finsteres Gesangniß gebracht, wo er einige Tage ohne Nahrung verblieb. Erst als der Bürgermeister davon Kunde bekam, wurde er aus seiner schrecklichen Lage befreit, nachdem sich heransgestellt, daß seine Papiere in Ordnung sind und seine Aussagen in Bezug auf den Zweck seiner Reise der Wahrheit entsprechen. Die Untersuchung gegen grausamen Beamten ist eingeleitet. Paris. Dem berühmten Bildhauer, Herrn E. Henanso wurde von der Akademie der Künste der Tremontpreis zuerkannt. Paris. Der Brigadegeneral Levi ist zum Obercommandanten des Geniecorps in Algerien und Tunis ernannt worden. Marseille. Nach einem Schreiben des Oberrabbiners Weil sind in Marseille sieben Inden an der Cholera gestorben. Unter diesenwaren fiinf, welche nicht nach den jüdischen Speifegefetzen gelebt haben. Der Oberrabbiner macht in diesem Schreiben darauf aufmerksam, daß die arme jüdische Bevölkerung, trotz der Wohlthätigkeit der reichen Israeliten, in großer Noth sich befindet und fordert die französischen Juden zur schleunigen Unterstützung derselben ans. Marseille. Bei feiner Anwesenheit in Marseille hat der Herzog von Chartres, welcher eine größere Summe für die Cholerakranken gespendet, auch dem Oberrabbiner 1000 Fr. für jüdische Arine gegeben. England. London. Die vereinigten Comites des Board of Deputier» und der Anglo Jewisk Association haben vor einiger Zeit an den persischen Prüfen Zil-us-Sultan, zweiten Sohn des Schahs, eine Dank-