Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 63 (7.8.1884)
- Date
- 1884-08-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Berlin. Nach dem Verwaltnngsbericht des Magistrats über das höhere Schulwesen in unserer Stadt ergab das erste Quartal l KS3 einen Schülcrbestand von 13288. Von diesen waren 1057s evangelisch, 366 katholisch, 2314 jüdisch und 50dissidentisch oder andersgläubig. Schweiz. Biel, 3. August. Die Nr. 61 Ihres gesch. Blattes bringt einen Artikel von Herrn Rabbiner Dr. Ehr mann—Trier, welcher die Agitation der freien, liberal sein wollenden Schweizer gegen die Schechita bespricht' und die schweizerischen Israeliten zur Gegenwehr anffordert. Ich kann nicht umhin den Ausführungen des Herrn Dr. Ehrmann Beifall zu zollen und seinem Vorschlag mich anznschließen. Leider aber ist eine Vertheidigung durch die Tagespresse in der Schweiz nicht gut möglich, da die schweizerische Presse fest an dem Satze ti:üd niryj "njEp p« hält und die Blätter, welche Klagen erheben, keine Alnvcisung oder Widerlegung anfnehmen wollen. Ich spreche aus Erfahrung. Als die Schächtftage neulich von Langenthalaus wieder frisch auftanchte, brachte der „Bund," eines der bedeutendsten Tagesblätter in der Schweiz, zwei Artikel über diese Frage, welche von verbissenem Judenhaß, Lächerlichkeiten und Unwahrheiten strotzten, so das; ich nicht den sonst liberalen „Bund," sondern ein spccicll antisemitisches Blatt zu lesen glaubte. Ich dachte dann, daß hier nzn1? ny wäre und richtete an die Redaction des „Bund" ein Schreiben, in welchem ich mein Erstaunen über die Ncubclebnng der Schächtftage überhaupt und ganz besonders über die Art und Weise, wie gegen das Schächten agitirt wird, ausdrückte. Insbesondere wies ich auf die in der von Herrn Dr. Engelbert—St.- Gallen herausgcgebenen Broschüre, „Das Schächten und die Bonterole" sich befindenden Gutachten der größten Autoritäten hin. Der „Bund" aber wollte eine Abweisung der gebrachten Angriffe nicht aufnchmen und beschränkte sich blos auf die Aufnahme einer Derichttgung seitens des Schlachthausinspcctors von Basel, welche die verbreitete Nachricht widerrief, wonach in Basel laut Negierungsbcschluß die Thiere, welche geschachtet werden sollen, zuerst durch die Schußmaske getödtet und erst nachher der Haksschnitt vom jüdischen Schächter vollzogen werde und die Iudcn von Basel nie dagegen prötest irt hätten. Auch ich hatte diese Nachricht als falsch und lügenhaft erklärt und zugleich darauf hingcwicscn, wie diese Leute, die gegen das Schächten agitiren, mit der Wahrheit umgehen; aber auch davon wurde keine Notiz genommen. Ganz ähnlich erging es mir mit der in der Herzogenbnchsee erscheinenden Berner „Bolkszeitnng." Diese brachte vor Kurzem einen Artikel zur Indenfrage, in welchem über die Inden in ganz gemeiner Art geschimpft und gehetzt wurde. Ich sandte der Berner „Bolkszcitnng" eine Entgegnung ein, in welcher ich die Grundlosigkeit und Falschheit der K lagen gegen die Inden auf's Deutlichste nachwieS. Aber auch diese Zeitung vertuschte meine Einsendung. Diese Haltung der Blätter ist zwar ein sprechender Beweis für die Nichtigkeit der Anklagen und llnhaltbarkeit der Angriffe, da sie nicht den Mnth haben, die Vertheidigung der Angegriffenen znr Kenntnis; des Publikums zu bringen, und dieselbe wennmöglich dann sachlich widerlegen und so ihre Anklagen um so fester anfrechthalten. Indes; ist dieser Beweis nur ein Trost für den Bertheidigcr der Sache selbst, ist aber damit nicht gedient. Dcßwegen nnterstütze ich den Antrag des Herrn Dr. Ehrmann von ganzem Herzen, das; in der Schechitah-Angelegenheit nicht ein Stillschweigen beobachtet werde, sondern das; die schwz. jüd. Gemeinden vereint in dieser Angelegenheit Vorgehen sollen und vor Allem die von Herrn Dr. Ehrmann notirten Gutachten sammeln und eine Massenauflage Herstellen lassen und jeder Gemeinde mehrere Exemplare derselben zustcllen. Es sei mir noch gestattet, zu den bereits bekannten Gutachten noch eine gutachtliche Aenßernng eines schweiz. Gelehrten znznfügen. Als im Jahre 1875 die Schächtftage in ihrer Blnthe stand, wollte die Regierung des Eantons Aargan dem Beispiel der von St. Gallen folgen und die Schechitah in ihrem Canto» untersagen. Infolge der von der Gemeinde Baden und andern bei der Regierung erhobenen Proteste, ersuchte letztere den damals in Bremgartcn lebenden eidgenössischen Stabsthierarzt Dr. Meyer, welcher als bedeutender und gewissenhafter Fachmann galt, das Schächten zu beobachten, um ein Gutachten abzngeben. Ich war zu jener Zeit Emir in Bremgartcn und erhielt von der Polizei Ordre, nicht zu schachten, ohne das; Dr. Meyer zngcgey sei. Diesem Befehle wurde ohne Anstand Folge geleistet. Herr Dr. Meyer beobachtete das Verfahren beim Schächten ganz genau. Ich erlaubte mir, ihn um seine Meinung zu fragen und äußerte er sich ungefähr folgender-