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Der Israelit · 1884-08-04 · Heft 62 (4.8.1884) · page 27

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 62 (4.8.1884)
Date
1884-08-04
Page
– (sequence 27)
Language
German
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Witzen ausserdem noch 240, andere 80 Donas; die unverheiratheten Leute haben Jeder nur 30 Donas. Die Colonie besitzt noch wenig Vieh: 24 Pferde, 6 Maulthiere, 2 Kühe, 1 Esel und 1 Ziege. Die Colonie gewahrt einen schonen Anblick und erfreut das Herz aller Besucher; denn die 23 Häuser, die schon errichtet sind und zum Theil aus einem Stockwerke bestehen, theils zweistöckig sind, stehen in zwei geraden parallelen Leihen, und die beiden Strassen sind auf beiden Seiten mit Bäumen bepflanzt Ausser diesen 23 Häusern giebt es 14 Pferdeställe (11 aus Stein, 3 aus Holz gebaut). Auch sind 2 Brunnen gegraben; der eine ist schon fertig und misst' bis zum Wasserspiegel 42 Meter; von dem anderen noch nicht vollendeten sind bis jetzt 28 Meter gegraben. In den letzten Lagen ist aus Paris eine Dampfmaschine angekommen, um das Wasser zu heben, aber sie arbeitet noch nicht Unter den Colonisten giebt es 4 Handwerker: 2 Schreiner, einen Spengler und einen Schmied; der lOffittf ist zugleich Rabbiner und Lehrer. Auch ist jetzt ein neuer jüdischer Aufseher «ingesetzt; seither war es ein Nichtjude. wfo*} -(S—- Die arabisch - jüdischen Flüchtlinge in Jerusalem.*) Es giebt gewiss auf dem ganzen Erdenrunde keine jüdische Gemeinde, die dergestalt von Hunger, Elend und Noth heimgesucht ist, wie die arabisch-jüdi sehe Gemeinde in Jerusalem. Schon bei der blossen Nennung des Namens dieser Niedergebeugten wird mein Herz von Kummer und Schmerz erfüllt, denn Niemand, der es nicht mit eigenen Augen sieht, macht sich einen annähernden Begriff von der Armuth und dem Hunger, denen diese Leute fort und fort ausgesetzt sind. So lange sie in ihrem Heimathlande wohnten, hatten sie ihr genügendes Auskommen, sie lebten meist vom Ackerbau. Allein der wilde Religionshass ihrer Nachbarn gestattete nicht, dass sie die Früchte ihrer Arbeit friedlich genossen, bereitete ihnen vielerlei Drangsale und Demüthigungen und zwang sie sogar manchmal zur Uebertretung der Vorschriften ihrer Religion. Als das Joch unerträglich geworden war, beschlossen sie auszuwandern und sich im heiligen Lande, im Lande ihrer Väter anzusiedeln; sie glaubten hierdurch den Fehler wieder gut zu machen, den ihre Vorfahren begangen, welche dem Rufe des Priesters Esra, wieder nach Kanaan zu kommen, nicht Folge geleistet hatten.**) Sie verkauften ihre Häuser und Aecker zu sehr geringem Preise und machten sich auf den Weg durch die Wüste, die Frauen und Kinder auf Karneolen und Eseln, die Männer zu Fuss, und gelangten nach wochenlanger Wanderung voll Leiden und Entbeerungen an die Meeresküste, von wo sie sich nach Jaffa einschifften. Abgehärmt, elend, mehr todt als lebendig, kamen sie endlich in Jerusalem an. Es sind nun drei Jahre, dass die erste Karavane eintraf; seit dieser Zeit sind noch andere eingetroffen, von denen manche zehn Monate unterwegs waren, da sie zwei oder drei Mal, jedesmal 45 Tage, auf der Quarantäne zurückgehalten worden waren. Diese Gemeinde wird jetzt vierhundert Personen betragen, von denen die Meisten Kenntnisse in der Torah besitzen. Alle sind höchst rechtschaffene und achtbare Menschen, würdige Nachkommen des Erzvaters Abraham, im wahren Sinne des Wortes. Alle aber leiden Hunger! Denn das Wenige, das sie besassen, ist fort; die geringen Habseligkeiten verschlingt die Miethe für die nicht menschenwürdigen Wohnungen, in denen sie ihr Dasein Listen. Ja es ist entsetzlich, die zuletzt angekommenen Familien müssen ausserhalb der Stadt in Hohlen wohnen, wohin kein Sonnenstrahl dringt; der nackte Boden ist ihr Bett! *) Aus der "rfMDTl,* **) Nach einer alten Sage.

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