Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 62 (4.8.1884)
- Date
- 1884-08-04
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1030 „Die Fragen sind leicht beantwortet!" — erwiderte Burow gelassener. — „Ich war bei dem Amtsrichter» dessen Absteigequartier ich mit großer Muhe erfahren, traf ihn aber nicht zu Hause." — „Und was wolltest Du von ihm?" frug Martha weiter. „Das. ist eigentlich eine Frage mehr, als Du beantwortet haben wolltest," versetzte Burow. — „Ich will es Dir dennoch sagen. Ich wollte von ihm Deine Ehescheidung erzwingen, damit unserer Vereinigung Nichts inehr im Wege stehe!" — Burow machte eine Gebährde, als wollte er sie an seine Brust ziehen, sie wich geschickt zurück. — „Dann ist es bester, daß Du ihn nicht antrafest," — lachte Martha grell auf. — „Er hätte Dich mit schneidigem Hohn empfangen; denn ich habe schon die Klage wegen unserer Ehescheidung erhoben und habe auch ihm mitgetheilt, daß ich mich zu verheirathen beabsichtige!" „Ach, Du liebe gute Martha!" — rief Burow begeistert und machte abermals einen Versuch, sie mit seinen Armen zu umschlingen, und wiederum wich sie geschickt aus. „Werde nicht albern und leichtgläubig, Burow!" - sagte sie mit beißendem Hohn — „Du glaubst doch nicht etwa, daß ich Deinetwegen ein jährliches Einkommen von 50t» Thalern opfere?" — „Nun, wem sonst zu Liebe würdest Du ein solches Opfer bringen?" — fragte Burow mit selbstbewußtem Lächeln. „Deine Eitelkeit steigt wirklich über die Grenze des Natürlichen!" — lachte Martha boshaft. — „Nein, mein Lieber, Deinetlvegen ein solches Opfer zu bringen, wäre Unbesonnenheit, denn was vermagst Du mir, ein abgedankter Lieutenant zu bieten?" — „Du weißt ja, liebe Martha" — versetzte Burow etwas zaghaft — „daß ich durch Dich übermäßige Schulden gemacht und aus diesem Grunde um meine Entlassung einkommen mußte!" „Ginerlei" — entgegnete Martha. — „Eine Vereinigung mit Dir wäre unvernünftig und daher habe ich mich mit dem Banquicr Reichmann verlobt und werde Jüdin!" Wie vom Blitze getroffen, zuckte Burow zu-, sanuuen und blieb ganz erstarrt stehe». Die Dame drehte ihm den Rücken und näherte sich .»nit stolz erhobenem Haupte der Thüre, durch! »velche sie in den Garten gelangte.! Rahel sah ein Gesicht von bestrickender Schönheit und dämonleuchtenden Augen. — „Gute Nacht, Burow!" — sagte das herzlose Weib mit spöttischem Lächeln. — „Nimm es Dir nicht sehr zu Herzen!" Sie nickte mit dem Haupte und wollte ekntreten. Da löste sich die Spannung seines Wesens. „Nein, Martha," — rief Burow in einem Tone ans, ivelcher das lauschende Mädchen erbeben machte mrd sprang auf Martha zu und erfaßte sie beim Arm. — „Nicht von der Stelle, bis Du mir gesagt, daß es ein Scherz fei!" „Laß' »nich los, eitler Thor!" — schrie Martha vor Schuierz laut auf. — „Laß' mich los. Du befindest Dich auf dem Grund und Boden meines künftigen Gattcns, der ebenfalls kn diesem Haufe weilt!" — „Um so besser!" — höhnte Burow, aus dessen Augen »vilder Wahnsinn leuchtete. — „Dann will ich auch mit ihm reden und ihm sagen, was Du mir warst und bist!" „Das »virst Du »n'cht thnn, Unsinniger!" ries Martha zornig ans und stieß ihn n»it Kraft von sich. Der starke Mann taumelte,, aber faßte sich gleich und bevor sie die Thüre zuzumachen im Stande war, befand er sich schon bei ihr. Ein kurzes Ringen entstand, der von der Hausflur im Zimmer sich fortspann. -Rahel bebte und zitterte am ganzen Körper. Plötzlich vernahm sie einen laute», entsetzlichen Schrei. „Was hast Du ge»nacht. Wahnsinniger? Du hast die Lampe umgeworfen! Ach Alles steht im Brand! Auch mein Kleid hat Feuer gefangen!" „Hilfe Leute, Feuer, Mörder! — schrie dieselbe Stimme zum Fenster, das auf die Straße hinausgeht. „Ich gratulire zu der Verlobung, Jüdin!" schrie dazwischen die Stimine eines Mannes mit gräßlichem Hohn. Daun fiel ein Schuß und Rahel zuckte ohnmächtig zusammen. Das arme Mädchen, war Zeugin eines entsetzlichen Verbrechens. (Fortsetzung folgt.) -MF" Der Schluß der Erzählung „In Tagen der Prüfung" erscheint in der nächsten Nunnner. Hierzu zwei Beilagen. Perantworttiche Redaction: vr. Lehmann in Main;. -- Expedition des »Israelis gr. Bleiche 45. Drnck und Vertag von Oscar Lehmann in Mainz.