Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 62 (4.8.1884)
- Date
- 1884-08-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2446951-2449406-2449465--20581-2510118- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1028 genossen auf den Berghohen und in den Waldungen. Auch in Kleidung und Sprache gleichen sie ihnen; mir ein geübtes Auge erkennt sie als Juden. Wahrlich, erhebend ist cs, zu sehen, wie sic vom Felde mit Hacke oder Sense in ihre prachtvolle große Synagoge zum Minchagebet eilen. Die ganze (Gemeinde ist anwesend. Wer das Beten im Sidur erlernt hat, betet andächtig, und die Alten, die cs nicht erlernen konnten, hören und rczitireu n*7D rhü2 das Schma und SchmoNa-Esre - Gebet, daß der Baal Tesillah laut vortragcn muß, nach. Andächtig und würdevoll ist ihr Benehmen in der Synagoge während des Betens und der Krias- Hatora'— kein Wort wechselt Einer mit dem Andern. Der Ban der Synagoge und des Badhauses, mpc, wurde von der Wohtthätigkcit unsrer Glaubensgenossen in Ungarn und Siebenbürgen hergestellt. Die Großwardeiner und Tcmcsvarer Gemeinden spendeten jede eine prachtvolle min iqd. In der Nähe befindliche Gemeinden statteten die neuen Brüder mit Gcbctmänteln, Philaktcrien und Gebetbüchern ans. Die Gemeinde vergrößert sich tagtäglich, die Seelenzahl wird größer, aber die geistige Entwickelung im wahren Geiste des Judenthums stagnirt; Verwahrlosung herrscht bei den Gcrim in Schule und Haus. Die zum Jndcnthnmc übergetretenen Sabbatäer waren für die Reinheit des jüd. Glaubens beseelt. Mit ihrer begeisterten, festen lleberzeugung und ihrem märtyrerhaften Mnthe waren sie den Satzungen und Eeremonicn treu und ergeben, aber durch die rasche Vernachlässigung seitens unsrer Glaubensgenossen ist der religiöse Sinn in eine Art Lethargie gesunken. Durch Ministerialerlass wurde cs verboten, für die Gemeinde - Institutionen Spenden zu sammeln. Dadurch ist eine große Vernachlässigung ciugctreten. Zwar befinden sich unter ihnen gut sitnirtc Landwirthe; allein, der edle Sinn der Barmherzigkeit ist ihnen nicht eigen, noch sind sie nicht würdig, sich D'jcm '12 cicm zu nennen, und darum können sie die Anfrechterhaltnng der Gemeinde nicht fortsetzcn; von jeher gewohnt, daß der Pfarrer, Schulmeister und andere .Kirchenfnnktionäre von den zur Gemeinde gehörigen Grundstücken ihr Einkommen beziehen, während die Gemciudcangchörigcn nur kleine Beiträge beisteuern, fällt es ihnen schwer, die neue Wendung der Dinge zu berücksichtigen. Gcldopfer auf die Altäre der Religion zu bringen, ist ihnen fremd. Auch durch ihre Lebensweise, da sie fast Vegetarianer sind, ist es erklärlich, daß das Einkommen eines Schächters sehr gering ist. Andere Einnahmen, wie jährliche Geldbeiträge und Tagelohn von jedem Wirthe zur Bestellung einiger Keinen (Grundstücke werden den Funktionären geleistet. Die größeren Grundstücke wurden ihnen, obzwar sie fast die Majorität im Dorfe waren, bei ihrem Austritt von Staat und Kirche confiscirt. Darum sind sie auch nicht im Stande, einen ordentlichen nVon und ntmn miD zu erhalten. Gleich nach dem Uebertritte zur jüd. Religion war del' Emir zugleich Lehrer, der sie aneiferte für die heilige Religion. Durch die kümmerliche und mangelhafte Anfrechthaltungihrcs Gemekndelebens, istJndiyerentismns ekngetreten. Die vormalige Begeisterung bei Jung und Alt wankt und schwankt. Menschen, die nie ein anneifcrndcs Wort von einen Rabbiner zn Horen bekommen, und besonders solche Individuen, die vormals die Predigt als zur religiösen Anfrcchthattung des .Kirchengottcsdienst angesehen habenwenn sie auch dessen verlustig sind, so kann kn ihnen sehr leicht der Glaubensfunke erlöschen. Der Bez.- Rabbkncr Herr B. Lohn in Erbst Szt. György ist zwar mit vollem Eifer bestrebt, die Belebung ihres erschlafften Geistes zu fördern, er kann aber aus oben angeführten Gründen, und aus Nnkenntniß der Landessprache, — da die Gerim nur das Ungarische sprechen — nichts Ersprießliches wirken. — Schreiber dieses hatte Gelegenheit mit den „Alten" zu verkehren, und hat ihnen den gerechten Vorwurf gemacht: Da sie schon diesen erhabenen Schritt gemacht haben, warum sie nicht bestrebt sind, im Lichte Gottes fortzuschreiten, sich zu assimiliren? Den» die Assimilirung und Vermengung kann nur ansgeführt werden, wenn sie ihre Kinder in der Thora unterrichten lassen. Ich erklärte ihnen die Talmundstelle „NNOO2 ^fcnir^ q'hj ntrp". Wir kennen drei Stützen des Jndenthums; Rabbi Akiba, Rabbi Meier und Onkolos oder Akilas vergl. [p^rpy rAyntr n"D '0 'c D mrj/ tmö nsn Q^pi'iKi] diese Männer, die mit ihrem erhabenen Geist Israel erleuchtet habe», verdienen wirklich nicht diese Schande und Schmach nnöDr i"ii c'-a verglichen zn werden? Unsere Weisen lehren am '»in nmra poipn 2 roer») Die Gerim sind bei uns hochgeachtet, wenn sie sich mitJsrael assimilkreu, einigen und verbinden und dies kann nur durch das Lerne» der hnti mm, geschehen, wenn sie aber Gerim, Fremde, bleiben lind nicht näher mit ihren neue» Brüder» und heiligen Satzungen in Fühlung treten, fo sind sie