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Der Israelit · 1884-07-31 · Heft 61 (31.7.1884) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 61 (31.7.1884)
Date
1884-07-31
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Entdeckung, daß nach Jer. Sota f. 16 d. R. Meier am Freitag Abend religiöse Vorträge Zehalten, also in einenr richtigen Vorgefühl der einstigen Größe, des einstigen Redacteurs der „Wochenschrift" .schon im Voraus den Vorschlag desselben, einen Sabbat-Vorabendgottesdienst mit Predigt einzurichten, gutgeheißen habe. Herr Rahmer ist vor Entzücken außer sich, er weiß gar nicht, wie voll er den Mund mit Schimpfwörtern nehmen soll; denn wenn er sich recht wohl fühlt, dann schimpft er aus allen Registern. Und nun bewirft er unsere arme Person mit Worten wie Acher, Am haarez, spricht von Verdrehungen u. s. w. Nur passen die Schimpfworte nicht ganz zusammen. Wir wollen annehmen, daß die talmudischen Kenntnisse des Herrn Rahmer so weit gehen, daß er auf den Acher kam, als man ihm die Entdeckung von dem Vortrag des R. Meier brachte, wir wollen annehmen, daß Herr Rahmer die Beziehungen der beiden Männer kennt. Aber Acher war doch kein Am haarez, wie kann Herr Rahmer denn nur so unsinnig schimpfen, er verfehlt ja vollständig seinen Zweck, aber die Freude hat's ihm angethan, bei ruhigem Blut kann er es viel besser. — Also, nachdem ihm ein getreuer Knappe mit einem Citat aus Jeruschalmi zur Seite gesprungen, sieht Herr Rahmer sich stolz ringsum und fragt, was nun der „Jsraelit- Am haarez" dazu sage, nun sei wohlR. Meier auch ein Breslauer gewesen. Mit Verlaub, Herr Rabbiner! Auf das Citat gestützt, nennen Sie mich Am haarez, wollen also sagen: „Der kennt nicht einmal die von meinem Freunde citirte Stelle in Jer. Sota, was muß das für ein Am haarez sein!" Das thut mir nun wirklich nicht weh, Sie dürfen mich für den größten Am haarez unter dem Himmel halten, aber um Ihretwillen thut mir das so vorschnell gesprochene Wort leid. Denn, wenn Sie die betreffende Stelle im Jer. gekannt hätten, so hätten Sie nicht erst gewartet, bis ein Freund Sie auf dieselbe aufmerksam gemacht hätte. Sie haben sie also nicht gekannt, nun nennen Sie aber einen Solchen, dem die Stelle, wie Sie glauben, unbekannt ist, einen Am haarez, folglich, also-— qu. e. d. Das haben Sie alles gesagt, nicht ich. Um aber zu begreifen, was das Cirat dem Vorschläge des Herrn R. nützen soll oder wie es diesen zu rechtfertigen im Stande sei, dazu reicht mein Verstand nicht aus. R. Meier hat am Freitag Abend Vorträge gehalten; gut! Hat irgend Einer geglaubt, daß Solches verboten sei, daß aus dem Jeruschalmi das Erlaubte dieser Handlungsweise bewiesen werden müßte? Hat aber R. Meier am Freitag »Abend deßhalb seine Vorträge gehalten, — so wollen wir die Frage stellen— damit seine Zuhörer desto ungestörter am Sabbat Morgen ihrem Geschäfte nachgehen könnten? Was soll also das Citat? Der Sand in den Augen der Leser ist auch etwas werth! denken gar viele Herren und Meister. Jvowrazlaw, 12. Juli. Wegen der am 17. Mai d. I. verübten Gräberschandung aus dem jüdischen Friedhofe standen gestern die Malergehülsen Marzewsky und Wittau vor der hiesigen Strafkammer. Die Verhandlungen ergaben erstere« als den Hauptübelthäter; er wurde mit Anwendung des höchsten Strafmaßes mit drei Jahren Gefängniß und Verlust der Ehrenrechte aus fernere drei Jahre, Wittau mit drei Monaten Gefängniß bestraft. Oest.-Ungar. Monarchie. Wien, 4. Juli. Professor Dr. Theodor Gomperz ist vom Profefforeu-Collegium der philosophischen Faculität der Wiener Universität für das Schuljahr 1884—5 zum Dekan gewählt worden. Frankreich. Paris. Ein Vorfall, der in gewissen Länder« schon oft vorgekommen, in Frankreich aber bis jetzt unerhört war, hat dahier allgemein großes Aufsehen erregt. Bei einer Schwurgerichtsverhandlung gegen einen Israeliten hat sich der Staatsprocurator zu dem Worte Hinreißen lassen, den Angeklagten als „elsässischen Juden" zu apostrophiren. Der Bertheidiger des Angeklagten, ebenfalls ein Jude, hat seiner Entrüstung über diesen im gehässigen Sinn gebrausten Ausdruck in beredten Worten Ansdruck verliehen, was seitens des Gerichts und des Publikums mit Genugthuung ausgenommen wurde. England. London, 23. Juli. Unser hochgeehrter Chief- Rabbi Dr. Adler '"2 trat in einen Briefwechsel mit der portugiesischen Gemeinde betreff des IW. Geburtstages von Sir Moses Montefiore (3. Cheschwan p&n 'n.) Es sollen nämlich sämmtliche Synagogen des britischen Reiches einen besonderen Dankgottesdienst nach dem nmo Gebete abhalten und die Organisation der Feierlichkeiten soll von der portugiesischen Gemeinde, welcher Sir Moses angehört, vorgenommen werden. — Rev. Dr. Hermann Adler, Vertreter seines ehrwürdigen Vaters, wird in der portugiesischen Synagoge (Bevis-Marks) eine Predigt abhalten. Es wäre wünschenswerth. daß das von Dr. Adler 'm eigens zu diesem Festtage verfaßte Gebet, auch in den „deutschen Synagogen»am Geburtstage des edlen Sir Moses verrichtet werde. London, 28. Juli. Der Rev. Raphtali Levy verfaßte einen volmuniösen Commentar zu iw no*» ds« äst — dieses elegant ausgestattete Werk verdient

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