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Der Israelit · 1884-07-31 · Heft 61 (31.7.1884) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 61 (31.7.1884)
Date
1884-07-31
Page
– (sequence 8)
Language
German
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10 u gegen sie und so lebhaft sie auch ihre Unschuld beiheuerte, mgn wollte nicht an dieselbe glauben. — Ihr ehedem so prächtiges, dunkles Haar war im Verlaufe von wenigen Wochen gebleicht; ihre Wangen eingesunken, die Augen trübe. Wenn Metkoff sie jetzt sah, und er war oft beim Verhör zugegen, konnte sie keinen Reiz mehr auf ihn ausüben. Und dennoch war die Rache dieses Unmenschen noch nicht gestillt, — da er ihr einst bei einer Vernehmung mit Peitschenhieben drohen ließ, wenn sie nicht die Wahrheit sage, rief das in ihren heiligsten Gefühlen gekränkte Weib: Ja, die Wahrheit will ich sagen! Den Schändlichen will ich entlarven, der, weil ich mich ihm nicht hingeben wollte, die Jntriguen gegen mich angezettelt. Ist die Etfort verschwunden, so ist cs Oberst Metkoff, der sie beseitigt hat, er. — „Weib, bist Du von Sinnen?" rief Metkoff erbleichend; und ehe sie fortfahren konnte, gab er 2 Gefangcnen-Aufsehern Befehl, die freche Person in ihre Zelle znrückzuführen. — Am nächsten Tage hatte Nebecka ein Verhör vor dem Direktor der Anstalt zu bestehen. Hier gestand sie, daß Metkoff sie seit Monaten mit unehrenhaften Anträgen verfolgt, ihr noch kurz vor ihrer Verhaftung die glänzendsten Versprechungen gemacht, wenn sie mit ihm nach der Schweiz gehen wolle. Dies eine Wort „nach der Schweiz" schien den Direktor zu frappiren. Er Keß die Gefangene abführen und hatte noch am selben Tage eine Unterredung mit dem Polizeipräfekten. Ein hochstehender Beamter war seit- Monaten verdächtigt, Beziehungen zu den in Genf lebenden Nihilisten zu unterhalten. Vergeblich forschte man nach Anhaltspunkten; lag hier eme Spur vor? Man beschloß, ein wachsames Auge auf Metkoff zu richten. Es war kein Geheimniß, daß er zu den un Stillen Unzufriedenen zählte, da er sich mehrfach bei Beförderungen übergangen wähnte; Viele wollten auch wissen, daß er über bedeutende Mittel verfüge, deren Provenienz zweifelhaft war. Ohne, daß er es ahnte, war der allgewaltige Polizei-Beamte, dessen Willkür in Härte die jüdische Bevölkerung zeither zu fühlen hatte, unter polizeiliche Aufsicht gestellt. — Schon nach 3 Tagen hatte man in Erfahrung gebracht, daß er geheime Beziehungen zu einem entlegenen Kloster aufrecht erhielt. Die Oberin stand in dem Ruf ganz eigene moralische Grundsätze zu haben; fremden Mädchen eröffnet« sie gerne eine Zuflucht im Kloster; sie hatte auch nichts dagegen, daß deren ehemalige Beschützer sie besuchten und dem Kloster namhafte Summen zur Wege ihrer Schützlinge übergaben. Da man eine redselige Schwester, die über Alles, was im Kloster vorging, unterrichtet war, zum Sprechen gebracht, erfuhr man, daß Oberst Metkoff vor circa 4 Wochen ein bildhübsches junges Mädchen, eine Putzmacherin, die er Maria de Lorme nannte, hierhergesührt. Den Beamten' fielen die Schuppen von den Augen. — Noch am selben Tage warb im Kloster ein Protokoll ausgenommen; die Oberin gab vor» keine Sidonie Etfort zn kennen; sie ließ fämmtliche Nonnen der Reihe nach herbeikommen. Alle wurden um ihr Nationale befragt, keine bekannte fich zn jenem Namen, der recherchirende Beamte sah sich genöthkgt, eine Haussuchung anzustellen; das Ergebniß desselben war ein günstiges. In einem Dachkammerchen zwischen Stroh und Kästen versteckt, fand man die gesuchte Sidonie Etford. die flehentlich um ihre Befreiung aus dem Gefängniß bat, in das Oberst Metkoff sie, nachdem er sie 3 Tage in seinem Landhause gehalten, — geschleppt. — Einer der Beamten, der bei der Durchsuchung des Klosters amtirte, mochte wohl dem Oberst Metkoff Nachricht gegeben haben; denn als der Polizei- Chef 2 Stunden spater in dessen Wohnung kam, war dieselbe leer. — Metkoff war und blieb verschwunden. (Schluß folgt.) Räthsel. Den ersten, der sich frech empörte Gen den Prophet und was er lehrte. Den Führer und die rohe Schaar Verschlang der Staub, der fie gebar. Mit dem, was uns die Felder bringen. Such' ich dem Staub Dich abzuringen. Vertauschst Dn; ich kann helfen Dir, Doch kömmst Dn nicht fehr gern z« mir. Drohobycz. M. Pachtmann. Austosnng erfolgt in Nr. 83. Die Name» der richtig Lösenden werden, wenn uns solche bis längstens Dienstag Vormittag den 5 August zugegangen, in der folgende» Nummer veröffentlicht. Auflösung des Nathfels in Nr. 5S: MW — 2'yy Die Fortsetzung der Erzählung „Aus dem Leben eines orthodoxen Rabbiners" erscheint in der nächsten Nummer. Hierzu eine Beilage. ' Verantwortliche Redaktion: vr. Lehmann in Mainz. — Verlag und Expedition des .38röeUl* große Bleiche 45» I. (Soltgltben’fi Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger).

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