Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 61 (31.7.1884)
- Date
- 1884-07-31
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1012 einmal vorzugsweise durch Juden Angehen. Wie Sie aus diesen wenigen Sätzen entnehmen, bin ich ein Manu mit humanen, wahrhaft-, nicht scheudochristUcheu Grundsätzen und kümmere mich nicht im mindesten darum, wenn mich wegen solcher „das Vaterland" den Redakteur einer wüthend kirchenfeindlichen Zeitung nennt. Traurig genug, wenn die Kirchenfreundlichkeit Intoleranz heißt. Berlin. Ueber die Affaire des Schuhmachers Masche, der aus dem sogenannten D. A. B. (Deutscher Antisemitenbund) feierlich ausgeschlossen wurde, erzählt der B. B-.C. weitere merkwürdige Einzelheiten. Zunächst glaubt das genannte Blatt bekennen zu müssen, daß es selbst dem Antijemiten-Bund nicht zu verdenken sei, wenn er Masche nicht länger in seiner Mitte dulden wollte. Masche hat — wie er behauptet — nicht mehr mit ansehen können, daß die meisteil Mitglieder des „D. A. B." die Organisation nur benutzten, um sich selbst zu bereichern. Vornehmlich war ihm ein Mitglied em Dorn im Auge, das, wie er behauptet, die Reden ausarbeitet, welche Pickenbach hält — ein Antisemit übrigens, der vor noch nicht sechs Monaten den fortschrittlichen Blättern seine Dienste anbot, weil auch er die „Schandwirthschaft" nicht mehr mit ansehen könne — ein Mann also, den er zu stürzen suchte, wobei er selbst siel. Masche ist derselbe Mann, der durch richterliches Erkcnntniß den Standesbeamten Herrn Klarstaedt zwang, seinen Sohn auf die Namen Henrici Onody Perzoni Jsioczy zu taufen. „Aber sagen Sie, Herr Masche," so wurde er gefragt, „wenn Sie nicht Antisemit von Herzen sind, warum lassen Sie Ihren Sohn auf die'e Namen taufen und wenn Sie andererseits ein so entschiedener Sozialdemokrat sind, wieso lassen Sie ihn dann überhaupt Laufen?" „Das ist sehr einfach", antwortete der Biedermann, „ich habe doch zuerst die Aufmerksamkeit auf die Geschichte gelenkt und dann alle die großen Lichter: Hertzog, Stöcker, Pickenbach u. s. w. zu Pathen geladen. Der Spaß hat mir all Geschenken wohl an 500 Mark eingedracht." Indessen würden uns die Privatanschauungen eines bisherigen Führers der Antisemiten nicht viel interessiren, wenn nicht einige Dinge von öffentlichem Interesse vorlägen. Herr Masche ist nämlich ein Mann der That. Auf Grund zuverlässiger Informationen können wir mittheilen, daß er in einer größeren „Führer-Versammlung" der Antisemiten vor längerer Zeit erklärt hat, „mit Reden und Beschlüffen könne man mit den Juden nicht fertig werden. Da müsse man schießen und Orstrri- Bomben werfen, die Bande müsse auf Einmal in die Luft gesprengt werden." Bei einer zweiten ähnlichen Gelegenheit zog er sogar demonstrativ ein Revolver aus der Tasche. Der Wahrheit gemäß müssen wir allerdings ksnstatiren, daß dem Redner in jener Versammlung sofort geantwortet wurde, wenn er noch einmal solche Aeußerungeu mache, so müsse er ausscheiden, denn der D. A. B. stehe auf gesetzlichem Boden. Aber man trennte sich doch nicht von ihm, sondern duldete ihn weiter. Der D. A. B. beümdete dami^ daß es ihm mit der Wahrung des gesetzlichen Standpunktes denn doch nicht so völliger Ernst ist. Die Thatfache, daß Masche nach solchen in vollem Ernst vorgebrachten Ansichten noch länger ein Mitglied des D. A. B. bleiben , durfte, macht den Bund trotz aller seiner gegentheiligen Erklärungen zu seinem Mitschuldigen. Wir haben erzählt, daß Herr Masche auf eine sehr eigenthümliche Weife um sein rechts Auge gekommen ist. Der Sachverhalt wird uns wie folgt geschildert. In einer der Neujahrsnachtk in denen der antisemitische Pöbel in der Friedrichstadt seinen Unfug trieb, sollte in der Masse dadurch Verwirrung hervorgerufen werden, daß em augeb» lich fallender Schuß, als von einem Juden herrwhrend, den Anlaß zu einer blutigen Hetze geben sollte. Ob der Plan in Mafches Kopf entständen, ob in einem anderen, ob er Mitwisser gehabt, wir wisse» es nicht. Thatfache ist es, daß das explodirende Pulver — eS war in eine Cigarrenhülse gesteckt — vorzeitig losging und Masche das Auge raubte. Unsere Information geht dahin, daß dieser Thatbestand damals ul 1' unbekannt blieb, aber, wie schon gemeldet, wurde er liebevoll unterdrückt, ja Masche wurde während seiner Krankheit von antisemitische» Parteigenossen unterstützt. So wunderbar auch diese Thatsachen sind, welche bis zu einem gewissen Grade auch Diejenigen schwer belasten, welche jetzt versuchen, ihn von ihrenRockfchößen abzuschütteln, einen Mann» den sie jetzt als Ausbund alles Schlechten hinzustellen versuchen, mit dem sie aber bis jetzt Kameradschaft hielten, so gibt es doch einen noch wundersameren Punkt in diesen Enthüllungen. Aus antisemitischen Kreisen wird uns mitgetheilt, daß Masche, der frühere ausgewiesene Sozialist, der mit Orstni- Bomben werfen und mit Revolvern schießen wollte, der in der That in einer überaus seltsamen Weise um sein Auge kam, daß dieser Mann einen poltzeilichcn Waffenschein besitzt. Wir haben die Name» der Zeugen, die den Waffenschein gesehen, notirt. Wir haben dieser Mittheilung Nichts hmzuzufüge». Sie ist so seltsam, daß eine amtliche Erklärung nicht ausbleiben kann. Hannover. Am 2. und 3. Juni fand im Sitzungssaale der hiesigen Synagogeu-Gemeiude die Jahres-Versammlung des Vereins jüdffcher Lchrer in der Provinz Hannover statt. Dem uns vorliegenden Protocoll entnehmen wir: Lchrer Gotthelf- Geestemünde hielt einen Vortrag über die materielle