Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 61 (31.7.1884)
- Date
- 1884-07-31
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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r 1011 erforderliche Ansblutung, wie sie das Schächten bewirkt, bei dem System Bruneau unmöglich ist. Das Blut, das überaus häufig der Träger von Krankheitskeimen ist, verbleibt bei Anwendung der Bouterole im thierischen Körper. Man kann von diesen und ähnlichen Momenten absehen, weil die angebliche Verbesserung in Wirklichkeit sich nicht einmal als solche bewährt hat. Ich habe aus Fachschriften und zuverlässigen Berichten persönlicher Beobachtung aus längster Zeit ansehnliches Material gesammelt, welches die Fragwürdigkeit dieser Verbesserung über allen Zweifel erhebt. Es wäre Pflicht der schweizerischen Israeliten jene erwähnten Gutachten zu sammeln und zu vervollständigen, die täglichen Erfahrungen über die Unzulänglichkeit der Bouterole mit Angabe des Orts und Dalums ebenfalls zusammenzustellen,von dieser wissenschaftlich werthvollen Sammlung eine Massenauflage zu veranstalten und diese überallhin zu verbreiten, wo sich eine Agitation gegen die Schechitah bemerkbar macht. Wer nach Kenntnißnahme dieser Gutachten noch ferner gegen das Schächten agitirt, hat die Pflicht sie zuerst zu widerlegen, sonst verräth er die Antipathie gegen die Juden als Quelle seiner Sympathie für bic Ochsen. Sollte diese Widerlegung gelingen, sollte eine Schlachtmethode erfunden werden, die in der That noch weniger schmerzlos, als die des Schächtens ist, dann wird es sich um die Beantwortung der Frage an der Spitze dieser Zeilen handeln. Soll man es Humanität oder nicht besser Animalität nen-. nen, zum vermeintlichen Schutz der Thicre menschliche Gewissen zu verletzend Ist der auf diese Weise gemilderte Thierschmerz größer als der Schmerz bedrängter Gewissen, ist er empfindlicher, als die über eine beträchtliche Anzahl von Staatsbürgern verhängte Notwendigkeit, sich dem Vegetarianismus auf Gnade und Ungnade zu ergebend Wenn dann selbst dieser Nachweis gelungen wäre, so bliebe immer noch die Frage offen, ob nicht selbst ein notorisch größerer Thierschmerz, einem geringen Menschenschmerz zu weichen habe und wenn auch dieses nicht der Fall wäre, ob es dann überhaupt statthaft ist, selbst auf die wenigst schmerzliche Weise Thiere zu tödten, oder es nicht den zartsinnigen Thierschutzvereins- Tendenzen gemäßer wäre, auf die antediluvianischen Zeiten zurück zu greifen und den Genuß des Fleisches überhaupt zu versagend Da schon Plutarch in zwei eingehenden Abhandlungen „Ueber das Fleischessen" letztere Frage bejaht hat, so haben strebsame Humanisten resp. Animalisten, indem sie die Fußtapfen des großen Denkers breiter treten, die Gefahr der Lächerlichkeit nicht zu fürchten, müssen dann aber allerdings auch auf den Ruf der Originalität verzichten. Daß es aber schwer fällt, in der Propaganda gegen die Schechitah eitel Schutz den Thieren und snicht auch etwas Trutz den Juden zu erblicken, jo lange man nicht obige Conscquenzen zieht, so lange noch Jagd und Sport von Thierschutzvereinen, Gensdarmen und Gemeinderäthen unbeanstandet floriren, so lange es nicht nur gesetzlich statthaft ist, sondern es sogar zum bon tön gerade der höheren und höchsten Gesellschaftsschichtcn gehört, harmlose Thiere zum bloßen Vergnügen nicderzuschießcn oder zu Tode zu Hetzen — das werden, wenn auch nicht die Thierschutz-, so doch die Mcnschcnschutzvcreine entschuldbar finden. Trier, 23. Juli. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. D e u t f ch l a n d. Aus Bayern. Ans der bayer. Lehrerzeitung Nr. 29 herausgeg. v. Lehrer Pfeifer in Fürth. An den. Absender der Manifeste (vieler Exemplare) zur Bekämpfung des Judenthums in München (lt. Poststempels)! Sie können sich die Mühe ersparen, mich für diese Bestrebungen als Nedkt. der bayr. L. Z. zu gewinnen u.zwar ans 5 Gründen: 1.) ist für mich der Antisemitismus ein Symptom auch der Reaction, die auf den Lehrerstand drückt, denselben gering schätzt und des Einzelnen Mannes- und Menschenwürde bei jeder Gelegenheit mißachtet 2.) geht der Antisemitismus von Parteigängern aus, deren letzte Ziele wir zu kennen vermeinen. 3.) bin ich zu human, als daß ich aus Vorurtheil Mitmenschen verdamme und mit Geringschätzung betrachte, weil sie mit vereinzelten Andern, denen man, geradeso wie bei den Christen mit Recht etwas vorwerfen kann, zufällig gleichen Volksstammes und gleicher Religion sind; 4.) ich halte den für einen Lehrer, der seinen Beruf verfehlt hat, welcher in den seiner Fürsorge unterstellten Kindern Juden, Katholiken, Protestanten statt kleiner Menschen sieht, die mit Vertrauen und Liebe zu ihm emporschauen und von ihm sich unparteiischer Behandlung versehen! 5.) ein Jude, der den letzten Pfennig an die Ausbildung seiner Kinder wendet, wird von mir als Mensch, Lehrer und Vater weit höher gewerthet als der Christ, der sagen kann: Ich habe nichts gelernt und meine Kinder brauchens auch nicht. Israeliten petitioniren nicht um Verkürzung der Schulzeit — nun, so müssen sichs gewisse Christen auch gefallen lassen, wenn ihnen aus ihrer Unwissenheit Nachtheile erwachsen, die ihnen nicht immer, nicht