Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 60 (28.7.1884)
- Date
- 1884-07-28
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2446951-2449406-2449463--20550-2510085- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
v„ XXV. Jahrgang. Keilage zu Nr 60 -cs Israelit. Leitender Artikel. Literarischer Bericht. Targum Onkolos. Herausg. und erläutert von Dr. A. Berliner 2 Thle. Franks, a. M. (Kaufmann), Berlin. (Gorzelauczyk u. Co.), London (Nutt) 1884. 242 u. 266 S. gr. 8°. 8. Das Ansehen, das das Targum zum Pentateuch von je genoß und noch heute genießt, die Bedeutung, die dasselbe für die Exegese hat, ist männiglich bekannt^ und darum ist jede Forschung, die uns in das Wesen dieses Targum einen weitern Einblick eröffnet, die uns die Zeit erkennen läßt, in welcher diese von keiner uns bekannten Uebersetzung des Pentateuch erreichten Arbeit entstanden ist, die uns die Grundsätze nachweist, welche der oder die Uebersetzer in ihrer Thätigkeit angewendet haben, eine überaus dankeswerthe und verdienstvolle, wie auch eine nicht minder intereffante. Hiermit ist es aber nicht allein gethan; es ist vielmehr die Feststellung eines richtigen Textes ebensosehr die Voraussetzung einer richtigen auf diesem beruhenden Forschung, so daß es nicht gerathen ist, nach gewissen Prämissen, sondern nach sorgfältiger Vergleichung der verschiedenen Handschriften und Ausgaben, den Text festzustellen. Einen bis in seine Einzelheiten ganz sichern Text werden wir wohl niemals erhalten, die Verschiedenheiten der Handschriften und Ausgaben sind sehr groß. Es ist dies eine natürliche Folge der großen Verbreitnng, deren sich das Targum als gleichsam liturgisch gewordenen Buches — war ja Jedem das Lesen des Targum zu einer sich jeden Sabbat, wiederholenden Pflicht gemacht — erfreute, bei dem der Leser sich bisweilen Conjecturen erlaubte, oder in welches durch Abschreiber Fehler hineingetragen wurden. Doch wird es möglich sein, emen annähernd richtigen Text herzustellen, indem man einen als den verhältnißmäßig besten den Forschungen zu Grunde legt. Dieses angebahnt zu haben, ist das Verdienst des Verfassers vorliegenden Werkes, der den wenig gekannten aber weit berühmten Text der Ed. Sabioneta von: Jahre 1557 wieder von Neuem herausgegeben und diese Ausgabe mit einer trefflichen Arbeit, die alles bis jetzt über das Targum Veröffentlichte mit in Betracht zieht, begleitet hat. Herr Dr. Berliner hat sich die Aufgabe, die er sich gestellt, nicht leicht gemacht. Um seinen Forschungen eine gediegene Grundlage zu geben, hat er 120 Handschriften zur Vergleichung eingesehen und oft auch näher geprüft; die Angaben der wesentlichsten Varianten füllen 70 Seiten. Während nun der erste Theil den Text des Targum enthält, gibt uns der zweite Theil die wissenschaftliche Einleitung für denselben. Daß die Namen und identisch seien, will der Verf. zugeben, daß aber, wie Adler meint, der griech. Uebersetzer Akylas seine Uebersetzung ins Chaldäische später übertragen, bestreitet er; das Targum trage zu sehr den Stempel des Ursprünglichen und Selbstständigen, daß an die Annahme, wie sie Adler aufstellt, nicht zu denken.sei. Die sinngetreue einfache Uebersetzung des Akylas mag den Anstoß zu einer Wiederherstellung einer einfachen chaldäischen Uebersetzung gegeben haben. Denn die Einrichtung der Methurgamim sei eine sehr alte, die ersten hätten sich soviel wie möglich an den Text gehalten, später aber hätten die Einzelnen weitere Erklärungen, auch auf Zeitverhältnisse anspielende Erörterungen hereingezogen, so daß der einfache Wortsinn immer mehr zurückgetreten sei. Der Willkür, die sich immer mehr geltend machte, entgegenzutreten, habe man sich entschlossen zur alteit Einfachheit zurückzukehren und habe, gleichwie für die griechisch sprechenden Gemeinden das Targum des Akylas bestand, für die eigene Mitte ein solches in aramäischer Sprache geschaffen, das in gleicher Weise mehr dem einfachen Wortsinn entspreche, das aber auch, wo cs nöthig erscheint, kurz oder auch nur andeutungsweise, halachische oder haggadische Neminiscenzen biete." Dies scheine auch der Sinn in Megilla 3 zu sein: mm o»n:iar onD«. Nach gewissenhafter Untersuchung gelangt der Verfasser zu dem Resultat, daß das Targum ein hohes Alter habe, etwa der zweiten Hälfte des szweiten Jahrhunderts angehöre, und wahrscheinlich von R. Akiba angeregt und seinen Schülern ausgeführt worden sei. - Es ist uns nicht möglich, hier eingehend das reichhaltige Werk zu beleuchten und dem Verfasser Schritt auf Schritt in seinen interessanten und vielseitigen Erörterungen, die auch das Kleinste nicht außer Acht lassen, zu folgen. Wir können nur bemerken, daß das Werk des Studiums werth ist, daß es eine Fülle von Anregungen und Belehrungen gibt. Nur auf einige Punkte, die wir beim Durch-