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Der Israelit · 1884-07-28 · Heft 60 (28.7.1884) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 60 (28.7.1884)
Date
1884-07-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Dr. Braun gegen das Kohler'sche Projekt, die Sabbatfeier auf Sonntag zu verlegen, einzuwenden haben? Sollten sie so naiv fein zu glauben, Köhler wolle für den neuen Sonntag-Sabbat die alten Sabbat- Gesetze frisch in Kraft setzen? Weit gefehlt! Es soll ihnen an dem neuen Ruhetage ebenso gut gestattet sein, zu fahren, kochen zu lassen, ihre Cigarre zu schmauchen u. s. w. wie sie es bisher am Sabbat zu thun gewohnt waren. Nur die „Predigt," dieser Brennpunkt, in dem sich alle Strahlen des reformirten Judenthums vereinigen, diese großartige Schöpfung der Neuzeit, welche an Stelle des gesammten Religions-Gesetzes getreten ist, nur diese, da sonst ja nichts übrig geblieben, soll von Samstag auf Sonntag verlegt werden — und was das Judenthum dabei verliert, ist mir unbegreiflich. — Doch halt! eben fällts mir ein. Der. Selbsterhaltungstrieb ist der Sporn zur Opposition. Mit dem Sabbat fällt auch der Tempel und das Amt, denn am Sonntag kann man auch die Kirche besuchen und auch gutgeschulte Kanzelredner hören, nicht einstmalige Peddler und selbstgeprägte Doktoren und Reverends. Da liegt der Schwerpunkt; doch genug für heute. Wenn die geehrte Redaction gestattet*), werde ich s. G. w. es versuchen, in einer Reihe von Briefen den gesch. Lesern des „Israelit" die bedeutendern Gemeinden New-Aorks einzeln vorzuführen. Nev. G. Liebermann. gl r 11 i II e i o lt. Aus dem Leben eines orthodoren Rabbiners. Skizze von vr. Sta . .. (Fortsetzung.) Eine Stunde vor der beschriebenen Zeit, saß Rahel den Kopf auf beide Hände gestützt in ihrem Zimmer und schaute träumerisch durch das geöffnete Fenster. Draußen zwischen den wilden Reben, welche das Haus umrankten, flüsterte der kühle Nachtwind Liebesworte zu der Blume und trieb ihren Duft durch das offene Fenster in's Zimmer. Die Uhr im Rathausthurnl schlug zehn. Rahel seufzte und machte eine Gebährde, als wolle sie aufstehen, blieb aber wieder sitzen und träumte weiter. *) Wir bitten dämm. Red. Es war ein gar lauschiges Zimmer, in welchem sich das junge Mädchen befand. v Der Silberschein des Mondes, welcher mit zahllosen Sternen am nächtlich azurblauen Himmel erglänzte, erhellte das Gemach und siel auf wenige Gegenstände, die in geschmackvoller Gruppinmg darin aufgestellt waren und verlieh ihnen einen poetischen Reiz, einen idyllischen Zauber. Das Zimmer war nicht groß, auch war die Ausstattung desselben nicht sehr kostbar, aber die darin herrschende Sauberkeit und Ordnung übten einen gewaltigen Eindruck. „Ach wie schön! wie wunder schön!" — brach es unbewußt über die Lippen des Mädchens, während sie ihren Blick bewundernd auf das tiefblaue mit schimmernden Sternen gestickte Gewand des Himmels geleiten ließ. Rahel legte sich zum Fenster hinaus und schaute in den Garten hinab. Mit abwechselnden Empfindungen hat das Mädchen den Friedhof verlassen, wo sie von dem Grabe ihres Oheims, den sie während seiner Krankheit gepflegt und dessen Waisen sie mit sich schon Morgen in's Elternhaus mitzunehmen beschlossen, Abschied genommen. Sie wußte zwar, daß es Sitte ist, das Grab eines Verstorbenen vor Ablauf des Trauerjahres nicht zu besuchen, allein sie vermochte es nicht über sich zu gewinnen, zu gehen, ohne erst jene Stätte noch in Augenschein genommen zu haben. Zu Hanse angelangt, verrichtete das wackere Mädchen still ihre Arbeit und vollbrachte die übernommenen mütterlichen Pflichten an den Waisen. Jedoch war die Hand nicht so sicher wie sonst. Immerfort drängte sich eine Gestalt in den Kreis ihres Denkens, mit welcher sie herzlich Mitleid empfand. Sie brachte die Kinder zur Ruhe und begab sich in ihr Zimmer, um sich ebenfalls durch den Schlaf zu der Reise nach der Heimath. welche sie morgen mit dem ersten Zug anzutreten beabsichtigte, zu kräftigen. Aber so sehr sie sich auch bemühte, ihrem Gedankengang eine andere Wendung zu geben, so blieb dieser dennnoch an zwei leuchtenden Augen hängen und wieder mußte sie den Eigenthümer bemitleiden. Ein nie gekanntes Wonnegefühl erhob ihre Seele und die Luft, die sie einathmete, deuchte sie so frisch, so leicht und würzig, wie sie sie noch nie empfunden. Wie schade cs doch für diesen Mann ist, dachte sie, daß er durch einen Jrrthnm das kostbarste Gut unseres Volkes, seine Religion verlassen! Schlechtigkeit war es nicht — davon war Rahel überzeugt — die ihn zu jenem Schritt veranlaßt, denn sonst würde er ja jenen Schrittnicht so herzlich bereuen.

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