Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 60 (28.7.1884)
- Date
- 1884-07-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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995 kaufmännischen Vereinen verbundenen Stellen-Vermittelungsbureaus, zu schaffen, wage ich nicht zu entscheiden. Vielleicht gebe ich durch diese Zeilen Veranlassung, daß in diesen geschätzten Blättern noch ein weiterer Meinungsaustausch über diese Frage stattfindet. Jedenfalls würde ich mich freuen, wenn von der einen oder andern Seite diesem, schon früher angeregten Gegenstände aufs Neue näher treten würde. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Witten. Je weiter der bekannte antisemitische Wanderagitator im Westen vorzudringen sucht, um so reichlicher mehren sich die öffentlichen Gesammtproteste gegen sein Treiben. Interessant ist es, daß neben diesen Protesten jetzt auch einmal amtlich vor der Hetze gewarnt worden ist. In der Centralwerkstätte der Eisenbahn zu Witten ist, wie wir der „Rheinisch-Westfälischen Zeitung" entnehmen, folgender Anschlag angeheftet: „In den hiesigen Zeitungen wird von einem Comite zu einem Vortrage über die Judenfrage cingeladen. Dergleichen Vorträge sind darauf berechnet, die bisher in unserer Stadt zwischen den verschiedenen Religionsgemeinschaften stattgehabte Einträchtigkeit zu erschüttern und zwischen friedlich nebeneinander wohnenden Bürgern Haß und Zwietracht zu erregen. Ich nehme an, daß die mir unterstellten Arbeiter keinen Theil nehmen an den Bestrebungen solcher Leute, und daß sie sich auch im vorliegenden Falle so benehmen werden, wie es sich für Arbeiter geziemt, die in einer königlichen Eisenbahnwerkstatt beschäftigt sind. Ich ersuche daher sämmtliche Arbeiter, jenen Vortrag nicht zu besuchen, sich überhaupt morgen Abend von dem fraglichen Lokal fern zu halten und hierdurch zu bekunden, daß sie die Bestrebungen der qu. Comite-Mitglicder verachten. Der königliche Eisenbahn-Maschineninspektor." In derselben Stadt haben achtundvierzig Institute, Lehrer Beamte, Kauflente, Juristen, Mediciner rc. ebenfalls eine Erklärung gegen den Versuch eines Imports der Stöckerei veröffentlicht. Colberg, 19. Juli. Ihre Majestät, die Kaiserin-Königin geruhte, dem hiesigen jüdischen Kurhospital zu deffen lOjährigem Stiftungsfeste die Summe von 100 Mark zu übersenden. Außer diesem das jüdische Kurhospital so hoch ehrenden Gnadenbeweis Ihrer Maj. der Kaiserin, empfing daffelbe zu seinem 10. Stiftungsfeste auch sonst von höchster Stelle und Vertretern der hohen Behörden erfreuliche Beweise sympathischerTbeilnahme, die ganz dazu angethan sind, die Verwaltung zu ermuthigen, auf dem bisher betretenen Wege fortzuschreiten. Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit der Kronprinz geruhten ebenfalls, die Anstalt beglückwünschen zu lassen. Ferner liefen herzliche Glückwünsche ein von dem Herrn Justkzminister, von dem Herrn Oberpräsidenten von Pommern, dem Herrn Regierungspräsidenten in Cöslin, dem Medicinal- und Negierungsrath Herrn v. Massenbach in Cöslin, sowie von vielen Privatpersonen in Nah und Fern. Am Sonntag vormittags um 11 llhr wurde durch solennen Gottesdienst das zehnte Stiftungsfest im Betsaal der Anstalt in Anwesenheit des Herrn Landrath von Natzmer, Herrn Bürgermeister Kümmert und Herrn Stadtverordneten-Vorsteher Speck und unter zahlreicher Theilnahme hiesiger und fremder Personen begangen. Herr Rabbiner Dr. Goldschmidt hielt die Festpredigt an der Hand des Textwortes Jeremias 1, 18: „Siehe ich habe dich heute bestellt zu einer festen Burg, zu einer eisernen Säule und zu ehernen Mauern", — und fesselte in mehr als »/Mndiger Rede die Aufmerksamkeit der Festversammlung; die lithurgischen Gesänge wurden durch Kantor Zadikow, unterstützt vom hiesigen Synagogen- Gesang-Berein, ausgeführt. Gleiwitz, im Juli. Herr Dr. Wilhelm Münz, Sohn des Rabbiners Dr. L. Münz nt Kempen (Posen), ist am Anfang dieses Monats einstimmig zum Rabbiner unserer Gemeinde gewählt worden Es herrscht hier unter allen Schichten der jüdischen Bevölkerung die größte Zufriedenheit über diese Wahl; denn Herr Dr. W. Münz hat in unserer Gemeinde bereits zu verschiedenen Malen gesprochen und hat es verstanden, durch seine ebenso begeisterten als gedankenvollen Reden sich die Herzen aller zu gewinnen. . _ Wir hoffen, daß Herr Dr. Münz rn unserer Gemeinde, in der sich noch Sinn und Vcrstandmß für das echte unverfälschte Judenthum erhalten hat, eine segensreiche Wirksamkeit entfalten und durch Wort und Beispiel zur Belebung und Erhaltung des wahren jüdischen Geistes beitragen wird. Belgien. Brüssel. Man hofft, daß das neue Ministerium bald ein Gesetz über die Friedhöfe einbringcn wird, bei welchem auch die§gerechten Ansprüche der Israeliten gewahrt werden. Frankreich. Paris, 18. Juli. Bei Gelegenheit der Auszeichnungen für das Nationalfcst am 14. Juli, wurde