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Der Israelit · 1884-07-28 · Heft 60 (28.7.1884) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 60 (28.7.1884)
Date
1884-07-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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L Möglichkeit, für seinen Sühn eine Stelle zu finden, oft in einer peinlichen Lage ist, in der er, der ja weiß, daß sein Glaube aus Schritt und Tritt von ihm Entsagung und Hingebung verlangt, natürlich lieber jedes Opfer bringt, als daß er auch nur im Entferntesten daran dächte, in eine Gesetzesentweihung Seitens seines Kindes zu willigen, so gestaltet sich die Sache noch ernster bei demjenigen, der aus alter Gewohnheit wohl fest am väterlichen Glauben hält, aber sich nicht zu der Höhe des Opfermuthes emporschwingen lann, daß der wahrhaft fromme Jude willig lieber Alles entbehrt, als daß er etwas von seinem Glauben preisgibt. Es ist in der That schwer zu begreifen, wie zuweilen Leute, die für sich wohl gewohnheitsmäßig alle Gesetze unserer Religion pünktlich erfüllen, wenn es ihnen schwer wird, für ihre Söhne ein am d"'i rate geschlossenes Geschäft zu finden, nicht davor zurückschrecken, ihr ganzes Leben Lügen zu strafen, indem sie schließlich einwilligen/ dieselben den Sabbat entweihen zu laffen. „Ich habe cs mit schwerem Hrrzen gethan," sagte mir jüngst ein solcher Vater, aber „ich mußte meine Einwilligung dazu geben, daß mein Sohn am Sabbat arbeitet, denn ich konnte nirgends eine passende Stelle für ihn finden." Mir that dabei das Herz weh, denn der Knabe war in der Schule sehr brav und gewissenhaft gewesen, und er hatte ein frommes Gemüth. Freilich wissen derartige Väter gewöhnlich nicht, daß .mim ra D”po i^w raten r» *Dtecn >2 rtra, daß di? Sabbatheiligung der Beobachtung des ganzen Gesetzes an Wichtigkeit gleichkommt, und daß eine Verletzung des Sabbatgebotes so schwer wiegt wie eine Nichtachtung der ganzen Lehre, bvnon bo r6o nmnn nra id'ro raten nst. Und wie schwer und verhängnißvoll sind die Folgen, die dieser entscheidende und unheilvolle Schritt für das ganze Leben und die Zukunft des Knaben mit sich bringt. Hat derselbe, dessen jugendliches Herz ja noch nicht genug erstarkt ist, um sich nur von festen Grundsätzen leiten zu lassen und so standhaft allen Verlockungen und Versuchungen widerstehen zu können, erst einmal mit der Entweihung des Sabbat den Anfang gemacht, so bestätigt sich bei ihm auch bald das Wort unserer Weisen ra rum n*ray myte »d nura 1nteyj wer es erst einmal vermocht, das, was ihm von jeher als heilig und göttlich erschien, zu übertreten, der wird auch alsbald jede Scheu und jedes Gelühl der Pietät für das Gottesgesetz verlieren. Und aus jenen in religiöser iFamilie ausgewachsenen Jünglingen, die den Sabbat durch die Arbeit entweihen, erwächst dann in. der Regel ein Geschlecht, das sich mit Gleichgiltigkeit und oft mit Frivolität über alle göttlichen Gesetze hinwegsetzt, und nicht selten werfen gerade solche junge Leute mit der Hebung der spezifisch jüdischen Religionsgesetze auch die moralischen Grundsätze ab und verfalle» dem sittlichen Ruin. Was kann nun geschehen, um diesem traurigen Uebelstande abzuhelfen? Ganz wird er me beseitigt werden können, gewiß nicht mit einem Male, wie überhaupt eine Frage, die mit dem ganze» socialen Leben der modernen Zeit so innigerwachsen ist,nicht mit einem Schlage gelöst werden kann. Aber vieles könnte meiner Ansicht nach gebessert werden, wenn der Gemeinsinn, der von jeher als eine Tugend Israels gepriesen worden ist und der so schön kn dem Satze nia nr D’iny V2 ausgedrückt ist, wieder mehr zur Geltung kommen würde. So sollten z. B. fromme Geschäfte stets daraus bedacht fein, nur solche junge Leute aufzunehmen, die wirklich den Willen haben, den Sabbat zu halten, denn in der Zurückweisung derjenigen, denen es nicht um die Beobachtung des Sabbat zu thun, kann durchaus keine Intoleranz und keine Hartherzigkeit liegen, da sie ja durch die uns von unserer Religion gesetzten Schranken sich nicht hemmen laffen und ihnen also alle Geschäfte offen stehen. Möge jeder religiöse Prinzipal bedenken, daß er mit der Festhaltung des Grundsatzes, einen solchen Lehrling und Commis, der durchaus aus ein geschloffenes Geschäft reflectirt, den Vorzug zu geben, manchen streng frommen erzogenen Jüngling, der ohnedies vielleicht aus Abwege geraden würde, zum treuen Festhalten an der Religion und ihren Vorschriften veranlaßt, und unsere Weisen sagen: v'p frto vrrns'Q nrue vor msort >2 .dtdv E&IJf Der Einwand, den mancher dagegen erheben dürfte, daß mit der Ausnahme eines jungen Mannes, der auch in ein am b*n rate geöffnetes Geschäft eintreten würde, es ja auch vielleicht möglich ist, denselben für die strenge Nebung des Gesetzes zu gewinnen, ist nicht stichhaltig, da erfahrungsgemäß junge, nicht religiös erzogene Leute, selbst, wenn sie in einem am v"'i ras geschloffenen Geschäfte sind, nichtsdestoweniger auch am rav und b"» das Gesetz in jeder ihnen bequemen Weise entweihen. DemjenigenPrinzipal, der es sich zum Grundsätze macht, nur prinzipiell frommes Personal auszunehmen, wird es gewiß nie schwer halten, auch die geeigneten Kräfte zu finden, zumal, wenn er in jedem einzelnen Falle, wo es nicht ist, auch v^n raurb das Opfer bringt, deßhalb in einem jüdischen Blatte zn inseriren. Jungen Leuten aber, die Stellen suchen, ist sehr zu empfehlen, daß sie nicht allein in einer jüdischen Zeitung, sondern auch in einem Lokalblatte derjenigen Stadt, wo sie eine Stelle zu finden glaube^ eine Annonce erlassen. Ob es nicht vielleicht zu ermöglichen jwäre, für die stellesuchenden frommen Jünglinge eine allgemeine Einrichtung, etwa nach Art der meistens mit de»

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