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Der Israelit · 1884-07-28 · Heft 60 (28.7.1884) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 60 (28.7.1884)
Date
1884-07-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
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992 Hofbeamten des Königs zu werden, müßtest Du da nicht zuvor lernen, wie Du vor dem Könige zu erscheinen und ihn zu bedienen habest? Da Du nun Hohcrpricster des Königs aller Könige, des Heiligen gelobt sei Er, werden willst, so lerne zuvor wie der Hohepriester sich zu benehmen hat, wie er eintritt in das Allerheiligste, wie er den heiligen Leuchter bedient, wie er die Opfer darbringt am Altar,- wie er die Schaubrode ordnet auf dein goldnen Tische. — Und der Heide ging fort, um zu lernen, und da er an den Vers kam: Und der Fremde, der sich nähert, soll getödtet werden (4. B. M. e. 1. v. 51), fragte er seinen Lehrer: Wer ist dieser Fremde, deines bei Todesstrafe verboten ist, sich dem Heiligthume zu nähern? Und sein Lehrer erklärte ihm, daß die heiligen Opfer nur durch die Nachkommen des ersten Hohenpriesters Aharon dargebracht werden dürfen und daß sogar David, der Köiiig Israels, in dieser Hinsicht ein Fremder genannt werde. Da sprach der Heide zu sich: Israel, in Bezug auf das es heißt: Ihr sollt mir sein ein Reich von Priestern und ein heiliges Volk (2. B. M. c. 19, v. 6), diese Söhne Israels werden Fremde genannt in Bezug auf den Dienst im Heiligthume, wie kann ich Anspruch machen, Hoherpriester zu werden? — Darauf ging er zu Hillelund sprach: Gepriesen sei Deine Sanftmuth, der ich die Kennlniß der Thora verdanke; ich will nichts werden als ein einfacher Jude; o, nimm mich auf in den Verband Deines Volkes und Gott möge Dich segnen! — Auch dieser Fremde wurde ein fronnuer, gottesfürchtiger Jude. Er zeugte zwei Söhne, den einen nannte er Hillel, den andern Gamliel, zu Ehren des Enkels der verehrten Fürsten. *) Ein dritter Heide kam zu Schammai und sprach: Ich möchte Jude werden, wenn Du mich die ganze Thora in der Zeit lehren kannst, da ich auf eine m Fuß zu stehen vermag. — Schammai trieb ihn fort mit dem Maaßstabe, den er gerade in der Hand hatte. Darauf begab sich der Fremde zu Hillel und trug ihm seine Bitte vor. Und Hillel sprach: Was Dir mißfällt, das thue einem Andern nicht. Das ist der Inbegriff der ganzen Gotteslehre, das Uebrige ist ihr Commentar; gehe hin, lerne!**) *) Wir sind der Relation in jnJ '"VT rv2X gefolgt, die von der int Tractat Sabbat Bla. etwas abweicht. Dadurch ist die von NZnno aufgeworfene Frage so beantwortet, wie er selbst die Lösung angibt. **) ES liegt die Frage nahe, wieso die im Judenihnme so wichtigen Pflichten gegen Gott in diesem AuSspruche Hillels inbegriffen sind. Nach Nascht bezieht sich das -pariS auf Gott, wie eS heißt: v n"awpn ('» ,i"2 'bu/ü) unj/n ba i'2dr ym iyn O’hdx n» 22vw ym /anwb yn fcnpjp Demnach wäre der Ausspruch HillelS so zu erklären: T3yn *6 “pun1? JVJD *jVyi. Wie es Dir mißfallen würde, Nach einiger Zeit kamen die drei Vrofelyten zusammen und erzählten sich ihre Erlebnisse. Da sprachen sie einmüthig: Die Heftigkeit Schammai's hätte uns um unser Lebensglück gebracht; die Sanftmuth Hillels hat uns unter die Fittkge der göttlichen Majestät geführt. — Die Erzählung der Bekehrung dieser drei Heiden enthält höchst wichtige Lehren für uns. Man kan» die Nothwendigkeit und Unentbehrlichkeit der Tradition nicht deutlicher klarlegen, als es Hillel dem zuerst erwähnten Heiden gegenüber getha». All unser Wiffen und Können beruht auf Tradition, ohne die wir die Lesezeichen, die Buchstaben nicht zu verstehen und nicht anzuwenden vermöchten. Ohne Tradition wäre uns die heilige Schrift ein verschlostenes Buch. wenn Andere Dir zuwider handeln, so hüte Du Dich, Deinem Gotte zuwider zn Handel». - . Eine andere, sehr witzige, aber ziemlich kühne Erklärung ist die felgende. Wir muffen dazn eine Frage der rorauSschicken. Dieser scharfsinnige Gloffator wirst nämlich die Frage auf, warum Hillel seinen Lehrsatz negativ gefaßt habe, während er doch in der heiligen Schrift in den Worten: »Und Dn sollst lieben Deinen Nächsten wie Dich selbst" positiv ausgesprochen sei. — Der erwähnte Ausspruch der hellkgen Schrift, so antwortet nu\Du~iaauQt bezieht sich auch nur auf daSUnterlaffen des BöfeSthun, wie aus dem Zusammenhänge klar hervorgeht. ab '2)1 nz/yn xd2 r".i"22 tzchrr 'I"rr st> snpi k’?!? -,iv2 *;yn!? ransi 'rrp rftyi aw -wei *6i D*pa naio i> nwyb ’rnx •p »jdt nyt iV n»yi* ''nb f’D-np pnosra ^yn^ rans« ncxp «t> .1'nre Die? vorausgeschickt, wollen wir nochmals hervorheben, daß bei dm Pflichten gegen die Mitmenschen Hillel daS Vermeide» des BoseSthun in den Vordergrund stellt. Die großen, allumfaffenden Grundsätze deS JudenthumS find, wie wir obm gesehen: das Studium der GotteSkehre» der Gottesdienst und die Menschenliebe. Diese drei Säulen find eS, die Hillel dem Heiden in der kurzen Zeit andeutete, da dieser auf einem Fuße zn stehrn vermochte — jedoch in umgekehrter Reihenfolge: i'2yn ab y)zri> 'M pyrt DaS ist Gemiluth Chaßadim, die Menschenliebe. bt'N Vn'S »und das Uebrige ist Enthaltsamkei»," da ja die Pflichten gegen Gott meistens in Enthaltsamkeit bestehen, wie die Speisegesetze, die Ehegesetze, die ReinheitSgesrtze, die Enthaltung von Arbeit an Sabbat-und Feiertagen, -ncj .gehe hin und lerne," daS ist daS Studium der GotteSkehre. ES bedarf jedoch keiner gekünstenen Erklärung, um den richtigen Sinn des Ausspruches des großen Weife» z» erfasse». In der t echtm Ausübung der Pflichten gegen die Nebmmenfche» sind auch die Pflichten gegen Gott mit inbegriffen; den» die GotteSerkenntniß ist die Gmnblage. ans der sich unser Verhalte» den Mitmensch« gegenüber auferdauen muß. Daher saat Hillel Mit Recht * ■ mirn to rr .i it -psyn 1-onV »jd ^y-i .n®w3 iTto Denn der wahrhaften Menschenliebe muß der Gottesdienst voranSgehen. '

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