Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 60 (28.7.1884)
- Date
- 1884-07-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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XXV. Jahrgang. M üö. er Israelit. Ein Cenkal-Organ für das orthodoxe Zndenthum. Herausgegeben von LSi-. Lehmann in.Mainz. Montag, den 28. Juli 5644 (1884). Diese Zeitung erscheint wöchentlich zweimal, MontagS und Donnerstags, jedesmal in mindestens 2 Bogen. Preis deS Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 ReichS-Mark, für'S Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oestereichische Banknoten laut CourS. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. Lsterr., für'S Ausland 16 Reichs-Mark an die Expedition franco einzusenden. Inhalt (Hauptdlatt>: Leitende Artikel: Die Sprüche der Väter. — Eine brennende Frage. — Zeitungsnachricht»,» und Korrespondenzen: Witten. Colberg. Gleiwitz. — Belgien: Brüssel. — Frankreich: 7mal Paris. Marseille. — Rußland: Petersburg. — Amerika: New-York. — Feuilleton: Aus dem Leben eine» orthodoxen Rabbiners. — Inhalt der Beilage : Leitender Artikel: Literarischer Bericht. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Bingen. Berlin. — Oest.-Ungar. Monarchie: Lemberg. — Leitende Artikel. Me Sprüche der Mter. XXIV. Mainz. 24. Juli. „Liebe die Menschen und nähere sie der Thora!" Wie Hillel selbst diesen seinen Lehrsatz befolgte, erzählen die Weisen in Traktat Sabbat 31 a. und in den Abboth des Rabbi Nathan e. 15. Einst kam ein Heide zu Schammai und iheilte ihm mit, daß er bereit sei, zum Judenthume überzutreten. „Die schriftliche Lehre", sagte er, „will Ich anerkennen, aber an die mündliche Lehre glaube ich nicht." Da fuhr Schammai auf und befahl dem Manne, ihn sofort zu verlaffen. Dieser ging nun zu Hillel und stellte an ihn dasselbe Ansinnen. Hast Du schon, mein Sohn, fragte ihn Hillel, hebräisch schreiben gelernt? Als der Heide die Frage bejahte, schrieb Hillel ein Aleph an die Tafel. Kennst Du diesen Buchstaben? — Gewiß, es ist ein Aleph. — Nein, sagte Hillel, es ist ein Beth. — Dann schrieb er ein Beth hin und als der Heide den Namen des Buchstaben richtig bezeichnete, da bestritt es Hillel und behauptete, es sei ein Gimmel. Der Fremde aber beharrte dabei, daß er die Buchstabe» richtig genannt habe. — Woher weißt Du, fragte Hillel. daß diese Buchstaben so und nicht anders heißen? — O, sagte der Heide, das ist ja eine allgemeine anerkannte Tradition, die das jetzt lebende Geschlecht von seinen Vätern hat und diese wiederum von ihre» Voreltern bis zu den ältesten Zeiten hinauf. — Merke Dir wohl, mein Sohn, sagte Hillel, was Du selber sprichst. Ohne Tradition müßten selbst die einfachsten und als sicher geltenden Dinge in Frage gestellt werden; ohne Tradition könnten wir auch die schriftliche Lehre weder lesen noch verstehen und die mündliche Lehre ist ja nichts anderes als die Deutung und Erklärung des niedergeschriebenen Gottcswortes. — Diese Darlegung leuchtete dem Heiden ein; er ließ die Beschneidung an sich vollziehen und wurde ein frommer, gottesfürchtiger Jude. Ein anderer Heide hatte vernommen, welch' schöne und herrliche Kleider, mit Gold und Edelsteinen geschmüSt, für den Hohenpriester bestimmt seien. Er ging zu Schammai und sagte: Ich will zum Judenthume übertreten, da ich gern Hohervriester werden möchte. — Da lachte Schammai und sprach: Geh hinweg, Du thörichter Mensch! — Auch dieser Heide begab sich zu Hillel und trug ihm sei» Verlangen vor. — Setze Dich, mein Sohn, und höre, sprach Hillel, was ich Dir sage. Wenn Du in den Hofdienst treten wolltest, um einer der vornehmen