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Der Israelit · 1884-07-24 · Heft 59 (24.7.1884) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 59 (24.7.1884)
Date
1884-07-24
Page
– (sequence 10)
Language
German
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984 Daß die deutschen Juden ihren Kindern nicht die Namen der lebenden Großeltern rc. geben, geschieht nicht auS „Aberglauben", sondern aus der Pietät gegen die Eltern, deren Vornamen zu nennen, als eine Mißachtung der Träger des Namens angesehen wird. Die Namensänderung eines Schwerkranken kann ins Lächerliche gezogen werden, wie es vom Vers, geschieht; wer aber diese Sache mit dem richtigen Ernst anschaut, wird in dieser Vornahme ein tief sittliches Moment erkennen, das nicht dazu geeignet ist, satyrisch behandelt zu werden. Wenn man früher die Tobten rasch begrub, so geschah dies nicht, „damit die bösen Geister den Leichnam nicht in der Todesruhe stören konnten," sondern weil man es als eine Geringschätzung der menschlichen Hülle gegenüber betrachtete, dieselbe über.Nacht liegen zu lassen, indem man sich bezog auf Deuter. 21, 23. Daß Scheintodte bei der sorgfältigen Untersuchung und Reinigung der Leiche durch die Männer der Chewra kadifcha je vorgekommen seien, wie Wolf meint, läßt sich fast zur Evidenz verneinen. Wenigstens meinte dieses mir gegenüber einmal ein auf ultra-reformistischen Standpunkt sich befindender jüdischer Arzt. Unter die jüdische Kalenderberechnung scheint der Verf. nicht genügend unterrichtet zu sein. Er schreibt: „So sind im Laufe von 7 Jahren (einmal nach drei, einmal nach vier Jahren) zwei Schaltjahre u. s. w." Das ist nicht richtig, es sind vielmehr im Laufe von 19 Jahren 7 Schaltjahre/ Wenn der Verf. den Chomezverkauf vor Pesach einen „Scheinverkauf" nennt, so ersieht man daraus, daß er die richtige Art und Weife, wie dieser Verkauf nach Angabe competenter Männer abgeschloffen werden muß, nicht kennt. Daß am Rosch-Haschanahtage vor Gott drei Bücher aufgeschlagen seien, ist keine „Sage", wie der Verf. es bezeichnet, sondern eine Parabel. Welche Autorität kann der Verf. dafür anführen, daß man beim „Taschlich" Brodkrumen ins Wasser werfe d Daß der Jom Hakkipurim mit der Zeit einen „düstern" Charakter angenommen habe, davon ist uns nichts bekannt, ebensowenig daß man die rothe Farbe an diesem Tage „vermeide." Der Ethrog wird vom Verf. als eine „in Palästina vorkommende Citronenart bezeichnet." Unseres Wissens kommt sie auch in Italien, Nordamerika und den griechischen Inseln vor. Wir erkennen an, daß der Vers., im Ganzen und Großen für seine Mitbrüder warm eintritt, daß er die guten Seiten des jüdischen Charakters ins richtige Licht setzt, ohne in Uebertreibungen zu gerathen und dadurch gerade desto wirksamer in seinen Erörterungen ist. Seine Schrift wäre eine vüMgliche. wenn sie durchweg den objektiven Standpunkt gewahrt hätte und wenn der dritte Theil mit größerer Umsicht uyd besserer Sachkenntniß geschrieben worden wäre. Zeitungsnachrichten und Corressrondenzen. D e n t fchl a.n b. Mainz, 20. Juli. Einen außerordentlichen wohlthätigen Wirkungskreis innerhalb der jüdischen Gemeinden der h. Stadt Jerusalem hat die Suppenanstalt, die durch unentgeltliche Verabreichung warmer Speisen an die Armen ein Zufluchtsort für viele derselben geworden ist. Die an diese Anstalt gestellten Ansprüche steigern sich von Jahr zu Jahr, währ- . end die Einnahmen nicht in diesem Verhältnisse fließen. Wir erlauben uns daher das Wohlwollen unserer geehrten Leser und Leserinnen auf diese Anstalt zu lenken, damit sie durch reichliche Gaben deren Fortbestand sicher stellen mögen. Aus Karlsbad wird folgendes interessante Geschichtchen mitgetheilt: Die Ex-Kaiferkn Eugenie von Frankreich weilt gegenwärtig hier zum Kurgebrauche und läßt sich vom Brunnenarzt Dr. L. behandeln. Ein hoher geistlicher Würdenträger, der sich ebenfalls hier aufhält, war bemüht, sich der Kaiserin zu nähern, was ihn: auch gelungen ist. Der geistliche Herr benutzte diesen Anlaß, die Kaiserin darauf aufmerksam zu machen, daß ihr Arzt ein Jude ist, und daß er (der Geistliche) ihr einen guten christkatholischen Arzt empfehlen könne. Die Kaiserin war von dieser Anfrage überrascht und erwiderte: Ich weiß ganz wohl, daß mein Arzt der Mischen Religion angehört. Ich bin mit seiner Behandlung sehr zufrieden; übrigens bin ich von jedem Vorurtheil gegen Juden durchaus frei. Natürlich war der geistliche Herr verblüfft, aus dem Munde einer so streng katholischen Dame solche Worte zu vernehmen. Die Kaiserin selbst erzählte lächelnd ihrem Arzt die Begebenheit. Oest.-Ungar. Monarchie. Pesth. Die durch den voriges Jahr stattgehabten Blutbeschuldignngsprozeß berühmt gewordene Synagoge zu Tisza Ezlar soll wieder ansgebaut werden. Die Mitglieder der jüdischen Gemeinde sind zu arm, um die Baukosten zu bestreiten. Sie haben sich deshalb an ihre ung. Glaubensgenossen um die nöthige Unterstützung gewendet, die ihnen zweifelsohne werden wird. Der berühmte Verthei» diger der Angeklagten im Tisza Ezlarer Prozesse. Herr Dr. Carl Eölvös hat in Bezug auf den Wie»

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