Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 59 (24.7.1884)
- Date
- 1884-07-24
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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nen. Bruder Samuel wurde in's Vertrauen gezogen.— Da er, nach dem, was er gesehen, nur halb und halb an Rebeckas Unschuld glaubte, fand er es ganz in der Ordnung, daß Simon sie mitnchme. Herzbrechend war der Abschied der Mutter von ihren Kindern. Wieder und wieder drückte sie sie an sich, obschon sie nicht sagen durfte, daß sie an eine Trennung dachte. Hochklopfenden Hebens verlies sie gegen Abend in der Tracht der podolifchen Bäuerin ihr Haus. — Niemand schien ihrer zu achten. — Gesenkten Hauptes schritt sie die Straßen entlang; es drangt sie, ehe sie zum Hafen ging, noch einmal bei ihrer Schwägerin vorzusprechen und ihr das Wohl ihrer Kinder, die sie in ihrer Obhut verließ, an's Hey zu legen. — Da sie das Haus nach einer halben Stunde verließ, waren ihre Augen vom Weinen so geröthet, daß sie einen Mann, der gegenüber dem Hause Posten gefaßt, kaum gewahrte. Er folgte ihr in angemessener Entfernung und ließ sie, auch als sie am Hafen angelangt war, nicht aus dem Auge.. „Sie ist's!" murmelte er zwischen den Zähnen. „Das Täubchen soll mir nicht entwischen!" Das Schiff war zur Abfahrt bereit, das erste Signal bereits gegeben; Rebecka blickte bang um sich; noch hatte sie ihren Gatten nicht gesehen. Sollte sie ohne ihn einsteigens Da, soeben kam er! Sie sah, wie er das Verdeck betrat,, ihr ein Zeichen machte, ihn nicht zu kennen. Beherzt schritt auch sie jetzt dem Schiffe zu, da, sie wollte gerade ihre Karte vorweisen, fühlte sie wie eine schwere Hand sich auf ihre Schulter legte. „Im Namen des Gesetzes, ich verhafte Sie!" sagte der Unbekannte. Rebecka erbebte; sie spähte nach ihrem Gatten aus; er mußte soeben die Treppe hinunter gegangen sein. — Jetzt ertönte das dritte Läuten; das Schiff stieß ab; sie war in der Gewalt ihrer Feinde. — Simon Stroßky hatte gerade sein Gepäck untergebracht und schickte sich an, aufs Verdeck zu gehen, als dumpfes Stimmengewirr sein Ohr traf. „Sie wird etwas veruntreut haben'" sagten die Einen. „Vielleicht hatte sie .keine Fahrkarte" die Anderen. Von banger Ahnung befallen. Me er, Rebecka suchend, auf's Verdeck; er sah sie nicht; sein Blick streifte das Ufer; dort gewahrte er mtt de« Männern um ihre Freiheit ringend eine Frau irr Bäuerintracht. Das Blut erstarrte ihm in den Gliedern, als er Rebecka erkannte. Flehentlich bat er den Kapitän ihn wieder an's Land zurückzubesördern; umsonst; das Schiff nahm seinen Cours. — Da es jetzt wendete, entschwand der Abfahrtsplatz seinen Blicken. Wie ein Verzweifelter gebährdete er sich; man mußte ihn halten, um ihn daran zu verhindern, dass er ins Wasser springen — „Was thunI" fragteer fast ohnmächtig; „man wird sie mir rauben, sie hinwegführen, sie entehren!" (Fortsetzung folgt). Räthsel. Nichts ist bedeutungslos; ein Pünttchen kann Verwandeln stolze Kraft in eklen Staub. Mein Bruder fällt — und aus dem Held, dem Mann Entflieht die Seel' und welk entsinkt das Laub. Solang' ich auftecht steh' in stolzem Math Und unter mir nach meinem Bruder sch'. Verlangt mein Ganzes gierig Geld und Gut Und Ruhm und Ehr'; doch nah' ist chm das Weh'. Denn kaum ist mein Gefährte neben mir Und reihet sich mir ebenbürtig a:r. So endet alle Herrlichkeit. Die Gier Erstirbt. Und jenes Ringen war nur Wahn. Tesche». Lehrer Gntmrnn- Auflösung erfolgt in 9fr. 61. Die Name» der richtig Lösenden werden» wen» uns solche bis längstens Dienstag Bormittag den 23. Juli zugegangen, in der folgende« Rümmer veröffentlicht. Auflösung des Räthsels in Nr. 5?: . N2H tZJT Die Fortsetzung der Erzählung „Aus dem Leben eines orthodoxen Rabbiners" erscheint in der nächsten Nummer. Hierzu eine Sdfag** Verantwortliche Redactton: Dr. Lehmann fei Mairy. — Verlag und ltzyedüion des „KraeA* große Bleiche 45. A Got tSleLrn- NaKmckwck <Maüyer L>zetzeQ