Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 59 (24.7.1884)
- Date
- 1884-07-24
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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981 die Hetzer, mit Petroleum ausgerüstet, darangingen, die Synagoge anzuzünden und gar die Präfectur stürmen wollten, schritten die Truppen kräftiger ein. Die Furcht, daß von Paris aus der Belagerungszustand verhängt werden könnte, scheint endlich oie Führer der Bewegung zur Abwiegelung bewogen zu haben. Die einige Tage lang geschloffenen jüdischen Kaufläden haben sich wieder geöffnet. FeirtHelo«. In Hagen der Urüfung. Von Jda Barber.; IV» Der in einem Wahn befangene Mann ahnte nicht, daß Metkoff von der Flucht, zu der ihr Rebecka persuadiren wollte, wußte, daß er fürchtend, sie werde mit ihrem Gatten verschwinden, ihr vor einer Stunde eröffnet, er werde sie bewachen, Tag und Nacht, und Mittel finden, fie zurückzubringen, wenn sie sich beikommen ließe, das Haus zu verlaffen. Rebecka empfand eine Höllenangst, da sie sah, daß ihr Gatte sich noch immer nicht zum Aufbruch rüstete. Heute war sie fest entschlossen, den Elenden unschädlich zu machen; nur ihren Mann wollte sie gerettet wissen; die Kinder dachte sie nach dem Essen zu einer befreundeten Familie zu schicken, in deren Obhut sie bis z l der Rückkehr des Vaters verbleiben sollten. Sie wußte, daß, wenn man sie festhielt, indem sie den Revolver auf Metkoff abfeuerte, ihr Leben verwirft sei. Doch, was lag ihr daran, wenn sie nur ihren Gatten, ihre Kinder geborgen wußte!" -3 Eine hochgradige Aufregung bemächtigte' sich ihrer, da sie jetzt zu dem Gatten in sein Privat- Comptoir trat. „Laß uns Abschied nehmen!" bat sie; „Deine Sachen habe ich gepackt; in einer halben Stunde geht der Zug nach Kiew." >,Wie, hast Du's so eilig?" fragte unwillig Simon Stroßky. „Ich dächte, wir ließen es darauf ankommen, ob mir wirklich Gefahr droht, und von welcher Settel" „Simon", bat Rebecka, „achte meiner Warnung! Du weißt, wie gem ich Dich bei mir habe, daß ich kein Glück kenne, als im Verein mit Dir!" — „Ich bleibe!" sagte er fest. — „Erspare Dir jedes weitere Wort. Weißt Du, daß man etwas gegen mich plant, so rede frei; hast Du, was Gott verhüte, Nebengedanken, die es Dich wünschen laffen, daß ich fern sei, so. — „Was für Nebengedanken?" forschte Rebecka. „Ich kenne nur ein Glück, das an Deiner Seite zu Iefcenl";? r*?u.v - r - „Und jener Mann", sagte Simon ernst,' indem er auf das Fenster wies, an dem Oberst Metkoff stand, „was wollte er vorhin bei Dir?" „Mit dieser Mordwaffe" entgegnete Rebecka, den Revolver aus ihrer Tasche ziehend, „hätte ich ihn heute Abend im Stadtwäldchen, wo er mich erwartet, niedergestreckt!" ' Und nun, da sie ihres Gatten Argwohn gewahrte, erzählt Rebecka in fliegender Hast, was ihr begegnet, wie sie seine Freilaffung erwirkte und weshalb sie seine Flucht wünsche. i r „Du bist ein edles, hochherziges Weib!" sagte Simon Stroßky sie in seinen Arme schließend, „doch jetzt, da ich Alles weiß, verlange nicht, , daß ich Dich verlasse!" — „Und wenn der Elende, sobald er sieht, daß ich ihm nicht willens bin, morgen wieder einen Verhaftbefehl gegen Dich erläßt, Dich — o ich mag den Gedanken nicht ausdenken — in —" „Sei unbesorgt", sagte beruhigend Stroßky. „Ich. selbst werde heute Abend vollführen, was Du zu thun beabsichtigst! Er hat mich in meinem Heiligsten verletzt, die Ehre meines Weibes anzutasten gewagt, ich bin es ihm schuldig, daß ich" — „Und an die Folgen denkest Du nicht?" mahnte Rebecka. „Man wird Dir den Prozeß machen, unser Vermögen mit Beschlag belegen!"?- „So laß uns Beide fliehen!" mahnte Simon. „Ich bin bewacht!" entgegnete Rebecka. „In meinem eignen Hause wagte es der Elende Posten zu fassen und verließ dasselbe nicht eher, bis ich ihm zusagte, heute Abend zu einem Rendez-vous zu kommen. Jetzt sehe ich ihn im Hause gegenüber; mit Argusaugen bewacht er unser Haus! O, der Schmach!" rief sie, ihre mühsam gewonnene Fassung verlierend, „daß eine achtbare Frau.": „Du kommst mit mir!" unterbrach sie Simon. „Oben auf dem Boden liegt der Anzug der podolischen Bauersfrau; er wird Dir paffen.? Die Tracht macht unkenntlich; lege sie an;, unbeanstandet wirst Du in ihr das Haus verlaffen. Wir treffen uns heute Abend am Hafen; das Schiff geht pünktlich um 9 Uhr ab; gegen Mitternacht landen wir in Osensk." „Und die Kinder?" »fragte angsterfüllt Rebecka. „Sie bleiben bei Samuel, dem ich auch Geschäft und Haus bis zu unserer, so Gott will, baldigen Rückkehr übergebe!" Nachdem Simon der Frau ans Herz gelegt, alles Auffällige zu vermeiden, vor Allem bet den Kindern keine rührende Abschiedsscene aufzuführen, machte er sich daran, Papiere und Geldeswerth zu ord-