Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 58 (21.7.1884)
- Date
- 1884-07-21
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
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Man möge sich daher in Acht nehmen, in diese allgemein menschliche Schwäche zu verfalle» und vorurteilsfrei richten. Ich will hier nicht flehen und jammern, sondern nur den Gang der Ereignisse erzählen. . _. Geschichte der Colonie. Die früheren Generationen, welche bei den damaligen Zeitverhältnissen eine eigentliche Colonisation des heiligen Landes für unmöglich hielten, glaubten dem Gebote 21V* durch da» blosse Wohnen im heiligen Lande Genüge geleistet zu haben. Viele, die ihr Herz antrieb, im Lande der Vater ihre Tage zu vollbringen, wurden durch ihre Mitbrüder unterstützt, um die» möglich zu machen. Ihre Kinder jedoch, die sich auch schon mehr mit Handel und Gewerbe befassten, sahen sich, da alle Häuser in Jerusalem Christen oder Arabern gehören, in die Nothwendigkeit versetzt, sich selbst Grundstücke zu erwerben und sich Häuser zu bauen. Sie gründeten einen Verein "OTß *20» (Hauser- Erbauer) und binnen zwölf Jahren waren ungefähr 500 Häuser von ihnen errichtet. Und so wurdo der Gedanke an eine wirkliche Colonisation Palästina’» durch Bearbeitung des Bodens in ihnen wachgerufen. Im Jahre 5633 Hess die Regierung ein grosses Besitzthum unweit Jericho zum Verkaufe ausbieten. Um dises Grundstück zu erwerben, bildete sich in Jerusalem ein Verein, der sich den Namen Tflpn beilegte und an dessen Spitze R. Meier Auerbach b"Lr, der Oberrabbiner der aschkenasischen Gemeinde stand. Das notwendige Geld kam durch die Vereinsmitglieder allmählich zusammen, und man war, indem man andere Käufer überbot, schon nahe daran, den Kauf fest abznschliessen, als ein neuer Pascha nach Jerusalem kam (er ist noch heute da), der die Colonisation Palästinas durch Juden mit feindlichen Blicken betrachtete und den Ankauf vereitelte. Der Verein löste sich auf. Einige Mitglieder verloren jedoch den Mutli nicht und bemühten sich, irgendwo Ländereien von der Regierung zu erwerben, aber es schlug überall fehl und es blieb nicht» übrig, als von Privatleuten zu kaufen. Im Jahre 5639 kamen sie nach Jaffa, und als sie fanden, dass der Boden des Dorfes Amal - basch vorzüglich ist, suchten sie dort Besitztum zu erwerben. Das zu Amalbasch gehörige Feld ist sehr gross, nämlich 14,200 Dulam, woran 3 Besitzer partizipiren; 3284 Dulam gehören dem Griechen Kasar, 8300 Dulam dem Griechen Taijon und 2700 Dulam sind noch im Besitze der Felachen. Die Luft des Ortes ist ungesund., denn er liegt am Bache Hirakon und ist mit Sümpfen und Morästen umgehen, deren Ausdünstung in den letzten Sommern ein Fieber bei den Bewohnern hervorrief. Die Mitglieder des Vereins wussten das, kehrten sich aber nicht daran, denn sie sprachen: „Wir haben mit so vielen Hindernissen zu kämpfen, so wollen wir uns von diesem noch nicht abschrecken lassen“. Sie kauften also dem Griechen Kasar sein Besitztum für 1070 Franc» ab und dachten sich hei dem Dörfchen TP (neben Amalbasch) Wohnungen zu gründen; dort ist die Luft gesund. Allein, zu ihrem Schaden blieben sie nicht hei diesem Vorsätze, sondern sprachen: Wir wollen uns auf einem der Hügel Wohnungen erbauen, dorthin wird die Krankheit nicht kommen. Sie gruben in der That einen Brunnen daselbst und bauten ein Haus. Mehr durften sie nicht bauen, da von der Regierung noch keine Concession zum Bauen eingetroffen war. Da» Haus diente daher als Wächterhaus. Sie kauften nun Rinder, Kameele und sonstige Haustiere, sowie Ackergeräte und fingen mit Lust und Liebe an, das Feld mit ihrem Zugvieh zu bestellen, und was sie nicht selbst bestellen konnten, verpachteten sie an die Felachen. Der Segen des Himmels war mit ihnen, Aussaat und Ernte gediehen. Das war ihrem Nachbar, dem Griechen Taijon, ein Dorn im Auge; er chicanirte sie auf jede mögliche Weise und Hess sogar seine Heerde auf ihr Besitztum treiben, so das» schliesslich ein harter Kampf zwischen ihm und den jüdischen Ansiedelungen ausbrach, aus welchem letztere siegreich hervorgingen, so dass alle Araber Rcspect und Furcht vor ihnen bekamen und sie unterstützten. Im Sommer darauf blieben die Ansiedler vor jeder Krankheit verschont Viele von den Einwohnern Jerusalems, denen das Bettelbrod der „Chalukalict zum Ekel war, bekamen auch Lust, als sie das Gedeihen der Colonie wahrnahmen, Ackerbauer zu werden und baten die ersten Ansiedler: Nehmet uns auch in Eurem Verein auf. Aber die alten Mitglieder wollten ihnen kein Land von ihrem Besitzthuine abtreten, sondern erwarben das Grundstück ihre» Feinde» Taijon