Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 58 (21.7.1884)
- Date
- 1884-07-21
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXV, Jahrgang. Beilage za Wt. 58 des Israelit. Letterrder Artikel. Ietträ-e zur iakmudischen Kprach- und Sachkunde. Von vr. H. E—u. - n. Im Talmud Megillah 15a. wird uns mitgctheilt, Laß die 70 Aeltesten, die den Auftrag hatten, dem Ptolomäerkönig die Thora auf Griechisch zu übersetzen, durch wunderbare Uebereinstimmung gewiffe Veränderungen und Abweichungen von dem Texte in der sonst treuen Uebersetzung Vornahmen. Die Zahl dieser Textesänderungen schwankt in den verschiedenen Relationen, die darüber erhalten sind, zwischen 10 und 18. Unter diesen Aenderungen sind die meisten solche, bei denen die Ursache der Abweichung vom Wortlaute des Textes klar zu Tage liegt. In erster Linie stehen solche Stellen, die die Einheit Gottes scheinbar negiren, die für heidnische, an Vielgötterei gewohnte Leser irreführend gewesen wären, indem sie ihnen eine falsche Vorstellung vom Gottesbegriff des Judenthums beigebracht hätten. So z. B. 1. B. M. 1, 1; 1. B.M. 1, 26; 1. B.M. 11, 4. Anders Veränderungen haben den Zweck, scheinbare Widersprüche zu heben z. B. 1. B. M. 1, 22; 2. B. M. 12, 40. Nock andere Veränderungen wurden vorgenommen, um der anthropomorphistischen Vorstellung vorzubeugen oder aus Rücksicht für den König, wie 3. B. M. 11, 6. Aeußerst räthselhaft erscheinen aber zwei Textesänderungen, deren Ursache man sich nrcht klar zu machen vermag. Im 2. B. M. 4, 20 lesen wir: „Moses nahm feine Frau und Kinder und ließ sie auf einem Esel reiten". Hier setzten die Uebersetzer anstatt *vcn „Esel" oix »ja 'npu Dao-w „er ließ sie reiten auf „Trägern der Menschen." Ferner 4. B. M. 16, 15 wo es heißt: „nicht einen Esel habe ich von ihnen genommen" wurde ebenfalls statt „Chamor" ion gesetzt, so daß der Satz lautete: „Nichts Kostbares habe ich von ihnen gewonnen." Diese beiden Veränderungen sind sogar in dem uns erhaltenen Text der Septuaginta, in welchem die Mehrzahl der vom Talmud aufgezählten Umänderungen wieder berichtigt und dafür eine Unzahl neuer hinzugekommen ist, noch enthalten. An ersterer Stelle heißt es in unserem Septuagintatext vnotvyut, an letzterer em£bvfirjtua. Was kann wohl die Ursache dieser Veränderungen sein? Schon die oberflächliche Betrachtung wird sich sagen, daß diese leiden Textcsveränderungen einen und denselben Grund haben muffen, weil beide Male das ominöse Wort vermieden und durch ein anderes, das den ungefähren Sinn des Verses wiedcrgibt, ersetzt wird. Run meint man gewöhnlich, weil den Israeliten vorgeworfen wurde, sie verehrten einen Esel, deshalb wurde dieses Wort in der Bibel vermieden, um der Verleumdung keine Nahrung zu geben. Diese Erklärung, so allgemein gehalten, kann durchaus nicht befriedigen. War das Wort mon deßhalb anstößig, weßhalb wurde es gerade an diesen beiden Stellen, unterdrückt? Gibt es nicht noch genug Stellen in der Thora, wo der ovog erwähnt wird und die weit eher geeignet sind, den Schein der Eselsverehrung zu erwecken, wenn man überhaupt bei dieser blöden und unsinnigen Beschuldigung auf Beweise sich berufen wollte? Wäre es z. B. nicht weit gcrathener gewesen in der Erzählung von Bileam's Eselin das Wort ovog mit einem andern zu vertauschen, wo doch von diesem Thiere Wunderdinge mitgetheilt werden, die am ehesten .geeignet gewesen wären, bei den schmähsüchtigen Heiden, den Verdacht der Eselsverehrung zu erwecken oder zu bekräftigen? Dort, wo sogar ein Engel Gottes gleichsam Partei für die Eselin nimmt und den Bileam ihretwegen zu Rede stellt! Oder etwa 1. B. M.49. 14 wo Jssaichar zu einem Esel verglichen wird? In Wirklichkeit fehlt in unserem Texte das Wort ovog an dieser Stelle, aber der Talmud erwähnt nichts von einer solchen Aenderung. Aber bei Abraham 1. B. M. 22, 3 steht fast derselbe Ausdruck, wie bei Moses und dort wird keine Umänderung namhaft gemacht, auch findet sich keine solche in unseren Ausgaben. Ich will nicht weiter in der Aufzählung der Schwierigkeiten fortfahren, die sich der obigen Auffassung entgegenstellen. Die folgende Erklärung möge allein für ihre Nichtigkeit sprechen. Wenn den Juden zur Zeit der griechischen Bibelübersetzung vorgeworfen wurde, sie verehrten abgöttisch das Bild eines Esels, so konnten sie diesen Vorwurf mit Gleichmuth hinnehmen, denn ihr Cnltus war doch zu bekannt, als daß diese blöde Berläumdung irgendwie ernstlich bei den Nrtheilsfähigen Glauben gefunden hätte. Millionen Mitlebender konnten diese Lüge widerlegen und gegen dieselbe