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Der Israelit · 1884-07-21 · Heft 58 (21.7.1884) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 58 (21.7.1884)
Date
1884-07-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Colonierr während der Eisenbahnfahrt nach den Bestlmnmngplätzen von der Vorstandsdauie Frau Harburger, geb. Goldzieher, gütigst übernommen worden. Die eben genannte Dame hatte in den letzten Wochen die Reiseausstattung der Pfleglinge bis auf die geringsten Kleinigkeiten vervollkommnen oder neu Herstellen lassen, hatte persönlich die fämmtlichen Effekten einer genauen Prüfung unterzogen, damit die vom Verein ausgefandten Pfleglinge in dieser Beziehung nur jja nicht bemängelt werden könnten, uno war in ihrer stadtbekannten Ovferfreudigkeit geradezu die Seele der Vereinsthätigkeit. Möge der von dem Sommeraufenthalt der Kinder gewünschte Erfolg nicht ausbleiben, und den Vielen, welche dazu beitragen, der Dank der bctheiligten Eltern und Kinder in deren Herzen bewahrt sein! ' S. M. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Kremster (Mähren), 14. Juli. Die traurigen Verhältnisse in unsrer isr. Gemeinde scheine» sich bessern zu wollen. Seit drei Monaten sind frömmere Elemente in den Vorstand gekommen, und wäre es jetzt an der Zeit, die Koscher-Fleischfrage zu regeln und diejenigen Fleischhauer, welche an Sabbat und Feiertagen Fleisch ausschroteu und noch dazu ungereinigtes Hinterfleisch an Israeliten verkaufen, zu „passeln." Hoffen wir, daß die dazu Berufenen die nöthige Energie entfalten. o Budapest. Dem hiesigen Tagblatt" geht folgende Nachricht zu: „Der Präsident der israelitischen Landeskanzlei, Herr Martin Schweiger hat, wie uns berichtet wird, den Miskolczer Arzt Dr. Joseph Popper', anläßlich des Verhaltens desselben während der Abgeordnetenwahl, zum Zweikampf gefordert. Die Motive dieser originellen Herausforderung sollen ganz eigenthümlicher Art sein. Dr. Josef Popper fungirte nämlich in Miscolcz als einer der Hauptkortesche der Vadnay-Partci gegen den Candidaten der .Unabhängigkeitspartei Ernst Mezei. In der israelitischen Landeskanzlei und den derselben affiliirten Kreisen wurde es sehr übel bemerkt, daß der israelitische Arzt Popper gegen einen Glaubensgenossen, u. zw. gegen einen solchen, welcher bisher das einzige Mitglied der oppositionellen Partei war, agitire, und noch dazu zu Gunsten eines Gegenkandidaten, der im Geruch einer nicht besonders philosemitischen Gesinnung stand. Herr Martin Schweiger, als Präsident der Landeskanzlei, richtete nun an Herrn Dr. Josef Popper eine energische, schriftliche Rüge, in welcher er seinem Befremden und.seiner Entrüstung über dieses Vorgehen Ausdruck gab. Der 964 Adressat wußte mit diesem allerdings etwas eigen» thümlichen Reskript nichts Besseres anzufangen, als daß er dasselbe dem Kultusminister Trefort zur An» sicht einsandte. Minister Trefort, den die Parteinahme der Landeskanzlei gegen einen Regierungscandidaten nicht besonoers erbaute, beschied Herrn Schweiger zu sich und that ihm dasselbe, waS dieser Herrn Popper gethan: er erthcilte ihm nämlich eine scharfe Rüge darüber, daß die Sinter seinem Präsidium stehende Landeskanzlei sich in Politik menge. Herr Martin Schweiger sagte, daß er an Dr. Popper nicht als Präses der Kanzlei, sondern als einfacher Bürger und Jude geschrieben habe und daß die Privatäußerungen eines Bürgers der ministeriellen Jngereuz nicht unterstehen. Zürnend schieden Minister und Präsident von einander, 'zürnend ging Herr Martin Schweiger nach Haufe und schrieb einen, diese Stimmung wiederspiegelnden Brief voll heftiger Vorwürfe an Herrn Dr. Popper nach Miscolcz, welcher gleichfalls in demselben Tone antwortete. Es wurden noch zwei bis drei Briese gewechselt und das letzte Schreiben des Dr. Popper soll Dinge enthalten haben, die hier nicht angedeutet werden können, und in Folge deren sich Herr Martin Schweiger veranlaßt fand, seinen und den Widersacher der Anschauungen der ^andeskanzlei zum Zweikampf herauszufordern. Wie man uns in später Abendstunde mittheilt, sollen von verschiedensten Seiten Anstrengungen gemacht werden, um den Konflikt in friedlicher Weise beizulcgen. Bei der gegenseitigen Erbitterung der Parteien dürfte das jedoch kaum gelingen. DaS in den Abendstunden in der Leopoldstadt verbreitete Gerücht, daß in dieser Angelegenheit die friedenstkftende Intervention Sir Moses Montefiore's in London auf telegraphischem Wege nachgesucht worden fei, halten wir für unglaubwürdig." Krakau, 12. Juli. In Folge der Erkrankung des Staats-Substituten LozinSki wurde die Schluß Verhandlung in dem Prozesse wegen des Mordes in Lutcza aus die September-Cadenz verschoben, indem die umfangreiche Anklageschrift früher nicht vollendet werden kann. Rußland. Petersburg, 16. Juli. Heber Stadt und Kreis Rishniuowgrod, sowie der Kreise Bakagna, Ssemenoff und Gorbatoff wurden vom 13. IM bis 22. September Maßregeln verfchärfter Sicherhektsaufstcht verhängt.

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