Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1884-07-21 · Heft 58 (21.7.1884) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 58 (21.7.1884)
Date
1884-07-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2446951-2449406-2449461--20504-2510037
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

kerrs, In dem noch blühenden Wer von 44 Jahren, mußte auf Gottes unergründlichen Nathschluß diese Rose abwelkrn zu einem bessern ewigen Leben. ... Vieles Segensreiche, das der Todte sich fürs allgemeine Wohl noch Lwl Ziel gesteckt hatte, ist so durch die furchtbare Macht des nichts schonenden Tods verhindert worden. — Trotzdem die Schleusen des Himmels in anhaltendem Regen sich öffneten und heftige Donnerschlage ertönten, wälzte sich der Zug in tiefernster Stimmung, die durch den vorangegangcn Act in der Synagoge, durch welchen unsere Gemeinde das Andmkrn des für sie so unersetzlichen Mannes zu ehren suchte, beredten Ausdruck gefunden, nach dem entfernt Regenden Beth-Olam. Als hier die letzte Schaufel Erde auf dm verstorbenen Theuren geschüttet wordm, die Herren Dr. Rülf und Eantor Rosengarten, — dessen zu Herzen sprechende Reden wir schon oft bei derartigen traurigen Anläffen und nammüich dieses Mal, da ihm so ausiebiger Stoff geboten, zu bewundern Gelegenheit atten, — in zündenden Worten das ehrenvolle Leben des Verstoidenen vergegenwärtigten und die hinterbliebmW Söhne das Kadisch-Gebet verichteten, — da blieb kein Auge thränenlcer. Jeder war in diesem letztm Moment sich noch bewußt, welches Heil und welchm Segen der Betrauerte gestiftet; daß dieser Mann, der uuter Hintansetzung seines eigenen Wohls das der Semigen und Mitmenschen unverrückt im Auge hatte, uns für immer entrissen sei, wollte Keinem in dmSinn gehen. Alles wurde von unsäglichem Schmerze übermannt. — Geknickt und gebrochen steht die Familie da, sie ist ihres theuren vorsorglichen Hauptes beraubt, aber auch wir beweinen in dem so früh von der Welt Abberufenen einen lieben Mitbruder, dessen auswärts strebende, von Toleranz und Humanität getragene und Nacheiferung veMenende Gesinnung uns und auch in weiteren Kreisen unvergeßlich bleiben wird. Wir trösten und fügm uns in den Willen des Allmächtigen, wünschen dem Heimgegangenen einen wahren ewigen Frieden, Ed. S. Hamburg, 47. Juli. Daß sich Ende v. I. in unserer Genremde unter nichtgerade allzu günstigen Auspicien ein Verein zur Gesuudheitspstege schwacher israelitischer Müder gebildet hat, ist in dieser Zeitschrift derzeit mügetheilt worden. Nunmehr kann aber den Lesern die umtere Nachricht werden, daß die Erfolge des Vereins bisher über alle Erwartung große sind. Nicht MM Gegnerschaft von Außen, auch innerhalb der Glaubensgenoffenschaft war eine solche zuruckzuwcffen, denn wahrend einerseits gesagt wurde, es läge Lin Bedürfniß für diese Vereinsziele vor, erklärte man andererseits, durch den Verein würdm die feg- Raceuunterschiede und vor Allem die Religionsgehässigkeiten in hohem Grade verstärkt. Richtiger Weise wurde dagegen bemerkt, daß dies nur Phrasen, die dem wohlthätigen Zweck nicht Abbruch thun könnten, und thatsächlich haben sich diese Befürchtungen, welche unter anderen Verhältnissen vielleicht angebracht, als vollständig unbegründet erwiesen. Der Wohlthätigkeitssinn, welcher wohl als specifische Eigenschaft unserer Bevölkerung, ohne Unterschied der Confession, zu bezeichnen ist, bewährte sich wiederum auf's Schönste. Dank der Bestrebungen des Vereinsvorstandes und der Bereitwilligkeit des Publikums ist bereits eine nennenswerthe Mitglke-- derzahl, sowie ein ansehnlicher Grund- und Jahresfonds geschaffen worden, so daß der Verein schon in diesem Jahre sich in der großen Zahl seiner Kollegen bethätigen konnte. Außer daß er verschiedentlich in Krankheitsfällen helfend eintrat, war er im Stande, eine Anzahl schwacher Kinder hiesiger Gcmeindeangehöriger zum Aufenthalt in Sommerkolonien auf's Land zu schicken, wobei noch bemerkt werden mag, daß diese Pfleglinge vollkommen rituelle Alimentirung erhalten, welches letztere Moment ja auch ein Motiv zur Gründung des Vereins gewesen. Es sind in diesem Sommer drei Kolonien gebildet worden, und zwar im Seebad Travemünde im Soolbad Oldesloe und dein Luftkurort Wandsbeck. In anerkennenswerther Weise haben die Badedirectionen an den drei Plätzeü alle nur möglichen Preisermäßigungen für den Gebrauch der Luft- und Badekur zu Gunsten des Vereins eintreten lassen, wie denn auch die Eisenbahndirection den Fahrpreis ermäßigt hat. Ein interessantes Bild bot sich dem Zuschauer am letzten Montag in der Frühe am Hamburg-Lübecker Bahnhof. Während der Perron für das andere reisende Publicum noch abgcsperrt war, fanden sich nach und nach die ungefähr fünfzig Pfleglinge des Vereins in Begleitung je eines Angehörigen dort ein. Mädchen und Knaben, im Alter von 6 bis 12 Jahren, waren zu sehen und Alle» schaute die Freude aus den Augen, die schöne Zeit außerhalb des elterlichen Heims in frischer Wald- und Seeluft znbringen zu dürfen. Jeder sauber gekleidet, seine Reiseeffekten im Leinenbündel mit sich, stand, geschmückt mit einer farbigen Seidenschleife zur leichteren Sonderung der einzelnen Kolonien, bei dem Führer derselben. Der Vorstand war in seiner Majorität persönlich zugegen, um die nöthigen Anordnungen treffen zu können. Der Schuldirector Dr. Katzcnstein hielt in gewohnter Weise eine kurze kernige Ansprache an die Pfleglinge, wonach die Vorstandsmitglieder Herren Dr. Levy> Glückstadt, Dr. Pels, Delbanco, Mathiason die Beförderung der Kolonien leiteten. Jeder der Letzteren ist eine Lehrerin zur Beaufsichtigung des Sommeraufenthalts beigegeben und war die leitende Führung der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.