Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 57 (17.7.1884)
- Date
- 1884-07-17
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Jeder kann in seiner Weise sie erreichen, sich aneigncn und seinen Kindern übermitteln. Gegenüber den Angriffen und Beschuldigungen des Judenthums und seiner Lehre, die gerade in der Gegenwart sich aus ihrem mittelalterlichen Grabe erheben, in Flugschriften und Tagesblättcrn, in wissenschaftlichem uud belletristischem Gewände, auf den Kanzeln, wie auf den Rednerbühnen der Volksvertretungen zum Ausdruck gelangen, und die Geister verwirren, tritt an Jeden von uns die Aufgabe heran, dieser Fälschung unseres Glaubens, dieser Entstellung unserer Lehre, dieser Verdächtigung unseres Charakters entschieden entgegen zu treten, sie in ihrer Haltlosigkeit auszudccken. Hier gilt es wohlgerüstet den Kampf aufzunehmen, an der Hand unserer Religionsquellen, den reinen Lehcgehalt unseres Glaubens, den das Judenthum lehrt, nachzuweisen. Wir fragen, woher soll das Heranwachsende Geschlecht die Waffen nehmen, womit sie die Angriffe auf unsere Religion und unser Leben widerlegen, wenn sie nie einen tiefen Einblick in das Neligionsgesetz gewonnen? Lehren wir unsere Jugend die Religion erkennen, sie schätzen, lieben und vertheidkgen. Erziehen wir sie zur Talmud Torah. — Der zweite Erlaß knüpft gleichfalls an einen Bericht an, den das Provinzial - Schnlcollegium über den Religonsnnterricht der jüdischen Schüler erfordert hatte. Auf Grund dieser von den einzelnen Schulen erstatteten Bericht hat sich ergeben, daß von den 643 jüdischen Schülern, welche die 25 höheren Lehranstalten der Provinz freqncntiren, nur 346 überhaupt zur Zeit Religionsunterricht genießen. Das Schulcollegium ist nun der Meinung, daß wenn doch anzunehmen sei, daß von den 297 Schülern, welche in der jüdischen Religion nicht unterrichtet werden, ein großer Theil bereits Religionsunterricht genossen hatte, oder bei vorgerückterem Alter genießen noch sollte, es doch keinem Zweifel unterliege, daß eine nicht geringe Anzahl jüdischer Schüler „ohne jeden Unterricht in der Religion" aufwächst. Deshalb werden die Herren Dircctoren angewiesen, soweit es in ihren Kräften steht, dafür Sorge zu tragen, „daß kein die Schule besuchender jüdischer Schüler ohne Unterricht in den Satzungen seines Glaubens bleibt." Vor allem sollen sie die Eltern ans die Gefahren aufmerksam machen, welche der sittlichen Entwicklung ihrer Kinder drohen, wenn dieselben ohne religiöse Unterweisung auswachsen. Beigeschlossen ist diesem Erlasse eine Tabelle, aus der wir nur die hiesige Stadt betreffenden Zahlen hervorheben. In den 4 Gymnasien, 2 Realgymnasien, 1 Progymnasium, 1 höhere Bürgerschule sind zusammen 307 jüdische Schüler, wovon nur 443 Religionsunterricht genießen, 164 erhalten gar keinen jüdischen Unterricht, diese Zahl bezieht sich nur auf Knaben; in betreff der Mädchen scheint keine Erhebung stattgesunden zu haben. Diese müßte noch ein ungünstigeres Resultat ergeben. Am Schluffe der beiden Erlaffe spricht es die hohe Behörde offen aus, daß der jüdische Religionsunterricht wohl geeignet ist, die Bekenner des Judenthums zu ptüichen Menschen und zu guten Staatsbürgern zu erziehen. Der pan oy ist bis zur Stunde noch das enfant terrible jeder Religionsgenoffenschaft, „Wissen ist Macht" und religiöses Wissen zeigt' von der Macht der Religion in uns. Die Höhe der Bildung, auf welcher die Menschen sich befinden, genügt nicht, um gut zu sein, wenn sich nicht mit dem Lichte der Bildung die Wärme der Religion paart. Die Torah wird ein D"n p „Baum des Lebens" genannt, weil sie, wie dieser ihre Aeste schützend über denjenigen ausbreitet, die unter seinem Schatten Schutz suchen, deshalb soll und kann Niemand ihrer entbehren, wie sie jeder sich aneignen und sich ihrer Segnungen versichern kann. Deshalb wird von den Lehrern und Bildnern der Jugend gesagt, daß sie im Schatten Gottes weilen, (Mdr. Rab. Levit.)wird dem Lehrer bei gewissen Ehrenbezeigungen das Vorrecht vor dem Vater eingeräumt, ebenso wie dem Schüler die höchste Pietät gegen dieselbe eingeschärft. Dieser Würdigung des Religionsunterrichtes gemäß wird mit Nachdruck das Verdienst der Eltern hervorgehoben und gepriesen, die ihren Kindern den Quell der religiösen Erkenntniß erschließen. Möge die Liebe zu unserer Religion und das Bestreben durch sorgsame Pflege des Unterrichtes in derselben sie zum bleibenden und dauernden Besitze jedes Heranwachsenden Geschlechtes zu machen, sich den Weg zu dem ihrer Pflicht vergessenden Elternherzen bahnen und dasselbe zur richtigen Erkenntniß ihrer Ausgabe führen. (Sanhedrin 91 b.) 'so rofci pnon hz mm rfrroo rcw nno wobn „Wer feinem Kinde den Unterricht in der Religion vorenthält, entzieht ihm das Erbtheil seiner Väter." Rabbiner Dr. Grünfeld. Feuilleton. Der kleine Seittäiyer. Ein historisches Versteckspiel. Bo« Ion. Lehma»». - (In dieser Geschichte sind zehn Bibelnamen enthalte». Richtige Lösungen werden veröffentlicht.) Der große, berühmte Circus Blum aus Buda- Pest, er, der selbst in Paris Triumphe gefeiert, reiste von Straßburg ab. Ramstadt, ein nicht allzngroßeS