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Der Israelit · 1884-07-17 · Heft 57 (17.7.1884) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 57 (17.7.1884)
Date
1884-07-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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949 schändliche Verdacht an dem Verschwinden der Etford betheiligt zu sein, von ihm genommen ist, bin ich bereit. Ihren Wünschen zu willfahren. Zuvor jedoch ist eine Rücksprache und Auseinandersetzung mit meine»« Manne von Nöthen; wenn Sie vermögen, dieselbe heute noch zu Stande zu bringen, so mögen Sie mich »norgen an der Stelle, an der wir uns gestern getroffen, erwarten. — Ncbecka Stroßky. Die nun u»n das Wohl ihres Gatten besorgte Frau calculirte, daß, sobald er frei, in nächster Stunde die Flucht in's Werk gesetzt »verden mfiffe; sie malte sich die Enttäuschung Metkosfs aus, wenn er, sie im Bosquet erwartend, von der Flucht hörte u»»d konnte ein selbstzufriedenes Lächeln nicht nnterdrücken, daß sie den Listigen noch überlisten würde. Früh, noch ehe das Geschäft geöffnet worden, schickte sie den in» Hause wohnenden Lehrling mit dein Brief zum Obersten Metkoff. Kaum hatte der junge Ma»»n das HauS verlassen, als er Samuel Stroßky begegnete. „Wohin in aller Frühe?" fragte er den Lehrling. „Zum Obersten Metkoff!" entgegnete dieser, den Brief vorweisend. Samuel erkannte die Handschrift seiner Schwägerin. „Das ist unerhört!" murmelte er, als der Lehrling seines Weges gegangen. „Gestern Abend sehe ich sie, während ihr Mann im Gefängnisse schmachtet, in seinen Ar»nen, heute früh sendet sie ihn» bereits ein Billet doux. Ich werde doch gut Ihn«, meinen Bruder, sobald er in Freiheit ist, zn warnen!" Und noch im Laufe desselben Tages »vard Simon Stroßky in Freiheit gesetzt und der Zufall »vollte es, daß Simon, da er eben eine» Wagen besteigen »vill, un» so schnell als möglich zu den Seinigen zn kominen, seines Bruders Samuel ansichtig »uird. Er ruft ihn zu sich heran, nöthigt ihn mit heim zu kommen, die Freude der Seinigen zu theilen. „Begleiten will ich Dich," entgegnete Sainuel, »»achdern er seiner Freude über Simons Befreiung Ausdruck gegeben, „Dein HanS zu betreten, erlaß mir!" „Wie soll ich das verstehen?" forschte Simon. Und nun erzählte der Bruder haarklein, was er gestern Abend mit angesehen, auch von dein Briese, der heute früh zum Obersten gesandt »vorden Simon erbleichte: die Haare standen ihm zu Berge. Soeben hatte er noch vor Frc»»de gebebt, das getreue Weib in seine Arme schließen zu können und i»un sollte er sie als eine Ehrlose Wiedersehen, die die kurze Zeit seiner Entfernung benützte, ein Berhättniß anzuknüpfen. Das wollte ihm nicht in de»» Sinn. Er sa»u» und sann, wie er wohl eine Erklärung finden könne, vergegenwärtigte sich, daß Oberst Metkoff in letzter Zeit öfters im Geschäft vorgesprochen, sich rcgel- »näßig an seine Frau gewe»»det, um von ihr bedie»»t zu werden, doch nie hatte er gesehen, daß zwischen Beiden ein Einverständniß irgend welcher Art gewaltet. „Du »nutzt Dich getäuscht haben!" sagte er zum Bruder. „Ncbecka geht zn feinem llondez-vous, sie — „Und der Brief?" »varf der Bruder ein; „willst Du von de»n Lehrling selbst hören, daß er im Aufträge Deiner Frau einen Brief hingetragen?" „Ich mag nicht spioniren!" entgegnete Simon. „Ich werde Ncbecka selbst frage»», wie es um die Angelegenheit steht!" — Inzwischen waren sie im Hanse angelangt. Noch ehe der Wagen hielt, »varf Simon einen Blick hinein in die im Parterre gelegeneWohnst»»be; ererbleichte, als er hier Oberst Metkoff sah^der mit feiner Frau eine lebhafte Unterhaltung zu führen schien. — Schnell trat er ein. vom Personal freudig begrüßt, von den Ki»»dern herzlichst nmar»nt. Di- Freudentöne, die sie ansstießen, machten Frau Ncbecka anfmerksan»; sie öffnete die zu»n Laden sührende Thüre und lag in» nächsten Angenblick an des geliebten Mannes Brust. Ihre Freude »var eine so na» türliche, daß Si»non jeden Argwohn sch»vi»»den ließ. Er theilte mit- »vie cs ihm ergangen, daß er den peinlichsten Verhören »interlvorfen worden, zwei schlaflose Nächte durchgemacht, schon das Schlin»inste befürchtet. vor einer Stunde aber durch die Nachricht, daß er frei sei, ans's Angenehmste überrascht »vorden »var. Während er sprach, sah er, daß Ncbecka sche»»e Blicke nach der Thür des Salonzimmers »varf. Offenbar »vollte sie vermeiden, daß ihr Gatte mit Metkoff zusammentresfe. Schnell zog sie ihr» in das am andern Emde des Ladens befindliche Eabinet und flüsterte ihm zu: Mein thenrer Mantt, Du mußt fliehen! Ich fürchte, daß man von Neuem — „Ich fürchte gar nichts!" unterbrach sie stirnrnnzel»»d Simon. „Meine Unschuld ist erwiesen, der Verdacht entkräftet! ich bleibe hier!" - „Du mußt fort" bat Frau Ncbecka immer dringender »verdend; „in 3, in 4 Tagen folge ich Dir mit den Kindern, dann — „Und »varum nicht gleich?" fragte Simon jetzt von furchtbare,»» Argwohn gepeinigt. „Gleich »vürde es Aufsehen erregen!" sprach sie eilig; „ich beschlvöre Dich Simon, bei Allem, »vas Dir heilig »st, schlage meine Worte nicht in den Wind! Nette Dich, so lange es noch Zeit ist!" — Wieder sah er sie arg»vöhnisch, fragend an; dort in jenem Zimmer »vnßte er Oberst Metkoff; sie hatte ihn» Nichts von seiner.Anwesenheit gesagt. Nichts davon, daß sic gestern mit ihm zusammen gewesen, ihm heute geschrieben. Ein gräßlicher Gedanke däinmerte ln ihm. Wie wenn Nebecka ihn nur entfernen »vollte, uu». — Doch nein! Weit wies er den Argtvohn von sich. — „Ich bedarf der Ruhe!" sagte er nach einer

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