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Der Israelit · 1884-07-17 · Heft 57 (17.7.1884) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 57 (17.7.1884)
Date
1884-07-17
Page
– (sequence 6)
Language
German
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948 binerS Bezug habenden Aktenstücke und schloß mit herzlichen Worten der Aufmunterung und mit Segenswünschen für Rabbiner und Gemeinde. Nachdem Herr Nathan die Kanzel verlassen, begann Herr Iir. Singer unter , lautloser Stille seine Antrittsrede. Der Redner dankte zuerst in warm empfundenen Worten Gott dafür, daß er ihm beigestanden und gnädiglich seinem Ziele cntgegengeführt. Dann sprach er der hohen Regierung, dem isr. Eonststorlnm und der hiesigen Gemeinde den Dank aus für seine Wahl zum hiesigen Rabbiner, endlich dankte er auch den anwesenden Gästen für ihre Theilnahme. Run begann die eigentliche Predigt. Unter Zugrundlcgung der Worte des Moses aus dem laufenden Mochenabschnitte IV. B. M., (5. 27, 16 und 17 als Text, entwickelte der Redner in gediegener und formvollendeter Weise die Pflichten eines Leiters der religiösen Angelegenheiten der isr. Gemeinde. Die Predigt machte auf alle Zuhörer einen tiefen Eindruck und wurde der Mebner beim Verlassen der Kanzel allseitig beglückwünscht. Ein Schlußgesang beendete die Feier in der Synagoge. Später vereinigte ein Festessen, das die hiesige Gemeinde zur Feier des TageS veranstaltete, einen großen Theil der Festtheilnehmer. Der Herr Rabbiner brachte bei dieser Gelegenheit ans die Einigkeit in der hiesigen Gemeinde einen Toast aus, den er aber zu einem ernsten und geistreichen Vorträge gestaltete. Es folgten noch andere Toaste uno erst gegen Abend trennte man sich. So schloß diese schöne Feier, die in mancher Hinsicht ein ca/n a-np genannt werden kann und die allen Theilnehmern sicherlich noch lange im Gedächtniß bleiben wird. M. Kahn, Lehrer. Rußland. Petersburg. Der Tod des berühmten Generals Totleben hat unter den russischen Inden tiefes Mitgefühl hervorgerufen. Während der russischen Judenverfolgungen war es seiner Energie au verdanken, daß in den von ihm verwalteten drei Gouvernements, die namentlich zahlreich von Jude» bewohnt sind, keinerlei Ansschreitungen gegen dieselben vorgekommen sind. Afrika. Algier. Der antisemitische Scandal in Algier hat endlick) anfgehört. Die Ursache war eine seit jeher bestehende Gereiztheit zwischen den colonisirten Europäern und den heimischen eingeborenen Inden. Die erste Schlägerei gab es während einer Ballcomlts- Sitzung, die zweite am folgenden Tage bei einem Promenade-Concert auf dem Platze Breffon. Einige junge Franzosen hatten sich damit ^amüsirt, dir anwesenden Juden zu verspotten, worauf einer der Letzteren sich Hinreißen ließ, zu sagen: „Die Franzosen sind Feiglinge 1 Man hat sich davon im Jahre 1870 überzeugt." Dies brachte die Zornesflammen mm Ausbruche; es stürzten etwa 400 junge Burschen mit dem Rufe „Tod den Juden!" gegen die Opfer, nutz schreckliche Scenen folgten. Am Sonntag mischte sich der fremde Pöbel in den Streit, Spanier, Malteser, Italiener rc., und nun begann die Plünderung der Magazine in den Straßen Bab-el-Oned, Bad- Azonm, Place de Chartres, welche bis Dienstag dauerte. Man demolirte die jüdischen Geschästläden und stürmte das Theater. Ein gewisser Tubkana, der geplündert worden war, eilte in den Gemeinderath, warf dem Maire die Schlüssel seines Ladens vor die Füße und rief: „Man beraubt, man bestiehlt uns, woher sollen wir die Steuer zahlen können? Wir genießen keinen Schutz: da nehmt euch meine Geschäftsschlüssel!" Feuilleton. In Hagen der Hrüfung. Bon Jda Barber. III. Während Oberst Metkoff einen teuflischen Plan ausdachte, war Rebecka, wie von den Furien gejagt, ihrem Hause zngeeilt. Angekleidet warf sie sich aus ihr Bett und brach in konvulsivisches Weinen aus. — Sie wußte jetzt, daß Metkoss sie verfolgen, ihr, wo er nur könne, schaden werde. Vielleicht morgen schon, war ihr Gatte auf dem Wege nach Sibirien. — In ihrer Verzweiflung raufte sie sich dke Haare aus; sie bat und flehte zu Gott, er möge, ihr Kraft geben, den sie erwartenden Prüfungen mit Geduld zu begegnen. Indem sie ruhiger ward, sagte sie sich, daß sie unklug gehandelt. Oberst Metkoff zu reizen. Sie hätte sich den Anschein geben sollen, als wolle sie, wenn ihr Mann frei, ihm Gehör schenken; eine geschickt geführte Unterhandlung war ja noch lange keine Capitulation. — „Und dazn ist eS ja noch nicht zu spät! sagte sie sich. Doch wie? Ihm wieder nahen?" Sticht nm Alles in der Welt hatte sie sich dieser Demüthkgung ausgesetzt. — Sie entschloß sich, ihm zu schreiben; zehnmal begann sie, eben so oft vernichtete sie das Papier. Endlich, der Morgen graute bereits, da war der verhängnißvolle Brief, durch den sie ihren Gatten vor weiterer NnM zu schütze» gedachte, geschrieben. Er lautete: „Sobald ich die Gewißheit habe, daß mein Gatte befreit und der

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