Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 57 (17.7.1884)
- Date
- 1884-07-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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947 nackig allen Versuchen anderer Völker Widerstand, die sich auf ihm ansässig zu machen versuchen. Dasselbe Geschick, dieselbe Verkümmerung vollzieht sich an den unter die Völker gestreuten Kindern dieses Landes. Ist das Weh in ihrer Brust nicht der Hoffnungsanker für ihre Wiedervereinigung? Sind nicht die trüben Verheißungen der nra n, wie sie sich an ihnen vollziehen, die eigentliche nm und n-.xx nron, die durch den Gottescid legitimirten Garanten des ewigen Bundes, zwischen Israel und seinem Gotte? (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin. Herr Liebermann v. Sonnenberg reist augenblicklich in Westfalen umher. Seine antifortschrittlichen Freunde in Berlin haben ihn schwer gekränkt, da sie ihn diesmal nicht wieder in der Hauptstadt als Wahlkanditaten aufstellt und seinem opferfreudigen Muthe so die Gelegenheit geraubt haben, ineinem Berliner Kreise durchzufallen. Er sucht nun in den Westprovinzen sein Heil und hofft wahrscheinlich, daß sich in jenen Gegenden, allwo man seinen Freund Stöcker gewählt hat, auch für ihn ein Plätzchen finden werde. Vorläufig soudirt er nur das Terrain und hält Versammlungen ab, in denen er die alte Rede des Herrn Henrici aus den Berliner Reichshallen mit einigen Varianten neuaufgeärbeitet zum Vortrag bringt. In einer solchen Versammlung, welche am 10 Juli in Bochum statt, fand, ergriff nach dieser Rede des Agitators ein Herr Justizrath Duesberg das Wort und sprach von der Geldmachtfrage, von bem Geldteufel, der auch den Christen ins Herz gezogen sei, von der zersetzenden Allmacht des Kapitals und der Rothwendigkeit, den alten Gemeinsinn wieder zu beleben. Ob nun diese Worte auf die Versammlung einen großen Eindruck gemacht hatten, oder ob Herr v. Liebermann sich im Jrrthum über die Ansichten des Herrn Duesberg befand, — genug, er proklamirte den Herrn Jnstizrath nach dieser Rede als „zu seiner Partei" gehörig, nämlich als einen Antisemiten. Am nächsten Tage veröffentlichten nun einnndsechzig der angesehensten Bürger Bochums, an deren Spitze der Geh. Commerzienrath und Staatsrath Baare stand, folgende Erklärung: „Gegenüber den unter dem anonymen Schilde des Patriotischen Vereins Bochum (für Sonntag) angekündigten großen Volks-Versammlungen mit Vorträgen des Herrn Max Liebermann von Sonnenberg aus Berlin über die Judenfrage erklären die Unterzeichneten Bürger: 1) daß sie darin den bisher in unserer Bürgerschaft bewahrten konfessionellen und bürgerlichen Frieden gefährdet erachten, 2) daß sie darin die antipatriotische künstliche Erzeugung und Nahrung eines Klassenhasses erblicken, der gegenüber unseren israelitischen Mitbürgern, die an Patriotismus, Opferfrcudigkcit und Bürgersinn sich jedem gleichstellen dürfen, keinerlei Berechtigung hat. Indem wir unserer gerechten Entrüstung hiermit Ausdruck geben, wenden wir uns an das Gewissen und. an das Ncchtlichkeitsgefühl unserer Mitbürger mit der Bitte: durch Fern-' bleiben von den Versammlungen ihre Verurtheilung dieser Tendenzen kund zu geben. Bochum, den 11. Juli 1884." Was wird aber Herr v. Liebcrmann gesagt haben, als er die nun folgenden Unterschriften durchlas, um zu entdecken, ob sich nicht etwa irgend ein „getaufter Jude" darunter befinde, wodurch die „Erklärung" in ihrer Wirkung vor einem antisemitischen Publikum vielleicht abgeschwächt werden könnte! Was wird er gesagt haben, als er unter den Einundsechzig den Herrn Jnstizrath Duesberg wiederfand, jenen selben Mann, in dem er einen Parteigenossen begrüßen zu können glaubte und der ihm nun seine weiteren Versammlungen zu vereiteln sucht. Herr L. v. Sonnenbcrg hat kein Glück im Westen: nennt doch sogar die stark regierungsfreundliche „Rheinisch- Westfälische Zeitung" die obige Erklärung der Bochumer Bürger eine „behcrzigenswerthe Bekanntmachung." BnchSweiter (Unter-Elsaß), 9. Jul. Sonntag, 6. d. fand hier eine Feier statt, die jeden wahren Jehudi mit Stolz und Freude erfüllen muß. Unser neuer Rabbiner, Herr Dr. Adolf Singer, bisher Rabbiner in Niederscpt, wurde am genannten Tage feierlich in sein Amt cingcführt. Um 3 Uhr Nachmittags versammelten sich die Mitgliederder hiesigen isr.Geinde, alle festtäglich gekleidet, in unserer herrlich geschmückten und beleuchteten Synagoge. As Gäste waren erschienen: Das Stadtverordneten-Collegium mit dem Herrn Bürgermeister an der Spitze, der Herr Pastor der hiesigen evang. Gemeinde, der Herr Direktor des hiesigen Gymnasiums, der Herr Amtsrichter und noch viele andere Honorationen der hiesigen Stadt, endlich die Herren Cultusvorsteher der zum hiesigen Rabbinatsbezirke gehörigen Gemeinden. Die Feier begann mit einem «2.1 -,112-Gesang, vorgetragen vom hiesigen Cantor. Sodann bestiegen Herr vr. Singer und das Consistorialmitglicd Herr Isidor Nathan aus Straßburg, als Vertreter des. dortigen Consiftoriums zu gleicher Zeit die Kanzel.. Herr Nathan verlas die auf die Einsetzung des Nab-