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Der Israelit · 1884-07-17 · Heft 57 (17.7.1884) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 57 (17.7.1884)
Date
1884-07-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
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946 düstere Gluth, es wandelt sie in Siegesfeuer und den Tag der nationalen Trauer in einen Festtag um. Tragen doch alle Anssprüche und Institutionen unserer Altvorderen dieselbe Eigeuthümlichkeit als das unverkennbare Gepräge ihrer Göttlichkeit an sich. — Wie uns von Gottes Weltlenkung gelehrt wird; nrvc in ,nnta nws-n hsmd no nein 'nsno tnnttf nra Ynoooi ( nu ptn») nn6C (lDT 10*1 D'D^D Dlpb’1 NN>2v) 6*0*10, daß eine Und dieselbe göttliche Wallung die disparatesten Gegensätze wie Krankheit und Genesung, Tod und Leben harmonisch in sich vereinigt, so webt sich aus mjrn rfry, aus lauter Freude und ernster Scheu, die für den wahren Gottesdienst unerläßliche Seelenstimmung. Aus dem männlichen, wandelloscn Lebcnsernst erblüht die reinste Lebensfreude: die aufrichtige Trauer um Zion und Jerusalem gipfelt in Festesstimmung! Diese Lebensanffasiung, welche auch in den trübsten Schattenseiten des Lebens Licht und freudige 'Erhebung sucht und findet, ist eben das Charakteristische unserer großen Meister, deren Lichtspnren Israel den Weg durch die nächtigen Jahrtausende seines Exils erleuchteten und erleuchten. Darin vor allem, bekundet sich der reiche Segen, den jeder jüdische Mund an das bloße Gedächtniß unserer Weisen knüpft, wenn er nur ihren Namen ausspricht. Wie haben doch unsere Weisen — gesegnet sei ihr Andenken — selber dem Ideal entsprochen, das sie uns von einein Weisen entworfen. Wenn derjenige ein Weiser ist, der wie sie lehren, über keiner noch so herben, trüben Gegenwart, den Blick auf die Zukunft sich nehmen läßt, der unverwandten Auges rrtun n« rwn sein Hoffen und Denken, sein Thun und Lassen auf die Zukunft richtet, und damit den großen und kleinen Sorgen der Gegenwart ihre Bitterkeit nimmt, wie sind dann unsere Weisen, in der That die wirklichen von Gott begnadeten nean '020, die glänzende Bahn weisenden Leitsterne ihres Volkes geworden! Was wäre aus dem jüdischen Volke in den langen bangen Zeiten der Verkümmerung seiner heiligsten Menschenrechte geworden, wenn ihm Gott in seiner Gnade nicht solche Männer zu geistigen Führern gegeben, und wenn ein Abglam dieses Geistes, wenn dieses D'osnto m« nicht Licht und Zuversicht in seinen Reihen erhalten hätte, als eine ganze Welt sich verschworen hatte, es in ewige Nacht zu hüllen, und dem Untergang zu überantworten! Es gibt doch keinen Schmerz, für den sie keine Linderung, kein Leid, für das sie keinen Trost hätten, und selbst das große nationale Weh, dessen dunkler Schatten „zwischen die Marken" fällt, deffen ganze Tiefe doch Niemand so begriffen, als ihr hoher Geist und ihr tiefes Gcmüth, selbst dieses Weh verliert seinen Stachel und löst sich in heiteres Gottvertrauen auf, wenn sich ihr Mund öffnet, um es den Trauernden zu deuten. Wenn die vom Schmerz überwältigt zu Bode» Gesunkenen mit ihren Propheten weinen: „Ach, wie ist die Volkreiche, die Fürstin der Völker und Staaten, so vereinsamt einer Wittwe geworden", so beugt sich der Geist der Weisen zu den Trauernden herab und lehrt sie, dem Beispiele Gottes entsprechend, der aus der Wunde selbst ihr Heilmittel bewirkt, die schmerzlichste Betrübniß in heitere zuversichtliche Hoffnung umzuwandeln. „Nicht hat Jirmijahn Israel eine Wittwe genannt, sondern er hat nur von ihm gesagt, daß es einer Wittwe gleiche. Es ist wie ein Weib, deffen Gatte übers Meer gegangen ist, der aber die Absicht hat wieder zu ihm zurückzukehren. rUtftfiO 606* ,]60 3'rn l'X NZvb« NN« .rr'xi mro injn> dm mnrö nbj» 'psm mwo Welche Fülle von Trost, liegt doch in diesem Gedanken, den die Weisheit der Weisen an einen Buchstaben knüpft! Man braucht dieses Bild in seinen einzelnen Zügen nur auszumalen, und daS was ursprünglich als düsteres Schattenbild erschien, stellt sich jetzt als hoffnungsstrochlende, glanzumstoffene Lichtgestalt dar. — Die Juden- und Judenthumfeindliche Welt höhnt Israel eine Wittwe, mit der sich wohl einst einmal die Gottheit vermählt, die aber längst für sie abgestorben sei. Das tausendjährige Weh in der Brust der Zerstreuten dient ihnen als vollgültiger Beweis für diesen ewigen Wittwenstand. Die erleuchteten Weisen der Zerstreuten greifen aber gerade diesen Beweis für Hre Behauptung auf, daß diese Verlassenheit nur «ne zeitweilige ist, der eine Wiedervereinigung folgen wird. — Wenn irgend ein widriger Zufall die in treuer Liebe verbundenen Gatten auseinander reißt, und Meere und Länder die Geschieden«: nm Himmels-. ferne trennen, so enthält ja gerade der Gram und Kummer, der aus jeder Miene der Getrennten spricht, die Hoffnung, daß die Liebe, die sich in diesem Schmede äußert, früher oder später Mittel und Wege finden werde, um die sie trenneudm Zufälle zu überwinden und die beiderseits ersehnte Wiedervereinigung zu vollziehen. Wurden Gatte und Gattin ihr sietrennendes Geschick gleichgiltkg oder gar leichtsinnig hinnehmen, würde ihre Trennung sie nicht hindern in Freude und Jubel ihre Tage zu verleben, dann wäre die Hoffnung einer Wiedervereinigung wohl illusorisch. — Nun denn, als Gott sich Mit seinem Volke vermählte, war das heilige Laub das coucrete Unterpfand dieses Bündnisses. Dieses blühendste und reichste aller Länder, trauert, seitdem es seine rechtmäßigen Bewohner verloren und leistet verkümmert und verödet fett Tauscndw vonJahren hart-

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