Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 57 (17.7.1884)
- Date
- 1884-07-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Die Stellen an welcher der 9. Ab ein Festtag ßcrtannt wird, und die Begründung dafür findet sich (nach Talmud Schebuoth Fol. 10) in Echah I, 15.: *iy>D 'dy *op'»3*>p3 i'3'3rr -3 p-v .m>rp r*3 rbrnb ‘ntt -pn pj ,nirn w „Er hat alle Regungen meiner Schwungkraft ' gelahmt, aber er ist mein Herr in meinem Innern! geblieben; er hat ihn gegen meine Auffassung ein Fest genannt, bis zum Zerschmettern -meiner Jünglinge, die Kelter hat damit mein Heer getreten für die jungfäuliche Tochter Juda-'." ('ty wie injn hy Jjob 10. 7. — 16. 17. — 34 6. — -o*6 wie ysie* 1H. B. M. 33. 5.) Mit dem Falle Jerusalems und des Gottcsheiligthums, den mit seinen verhängnißschwercn Folgen die Echa-Rolle schildert, war Israels Macht in aller Augen gebrochen. Es hatte nach der Anschauung seiner Feinde die Berechtigung seines Daseins eingcbüßt. Umsonst war der heldenmüthige Widerstand seiner Braven und Wackeren gewesen, die mit einer vom Feinde selbst bezeugten wunderbaren, übermenschlichen Kraftentfaltung das unvermeidliche Verhöngniß hintan zu halten suchten. Nicht der Feind, Gott selber hat die Schwungkraft der Helden gelähmt, aber er war ihr Herr in ihrem Innern geblieben 1 Stadt und Heiligthum waren zerstört, der Altar eingcäschert, seine Opfer, alle äußeren Embleme des Gottes- Dienstes, ja des Gottes-Weilens im jüdischen Kreise waren von der Erde geschwunden. Besiegt, verachtet, dem Elend und der Verbannung preisgegeben, mußten die Ueberwundenen von den Siegern zu ihrem harten Geschick noch den Hohn hinnehmen, den sie in die Worte kleideten injp «hnöi nb« 'n oy Gottes Volk wollen diese sein und haben doch Sein Land verlosten müssen!" Jerusalems Mauern hatten lange mit erstaunlichem Erfolg den feindlichen Mauerbrechern, Zijons Thore dem Anprall der Belagerer widerstanden, ob aber der zusammengeschmolzene treue Rest den neuen tausendfältigen Angriffen, die nun seiner warteten, allen Pfeilern des Hohns, aller Roheit der Gewalt, allen Reizen der Verführung gegenüber, mit demselben Löwenmuthe zu seinem Gotte halten werde, wenn auch Stadt und Tempel in Schutt und Asche lag. das sollte eben der Tischah be Ab entscheiden. Und er hat es entschieden, in so glänzender Weise entschieden, daß die in der Weltgeschichte einzig dastehende Art und Weise mit der diese Entscheidung erfolgte, den Tag unseres nationalen Niedergangs in -einen Festtag sonder gleichen umwandelt. — An allen Schwingen ihrer geistigen Schwungkraft gelähmt, hielt sie dennoch himmelhoch über dem Pfuhl, in den ihre Feinde sie zerren wollten, das unerschütterliche Bewußtsein :rv« nti wnp *vy3, daß auch ohne Staat und Stadt der '.Heilige in ihrer Mitte geblieben sei, der sie ja zum Gottesvolke erkoren, bevor sie noch Land und Tempel besaßen, der daher ihr Herr ist, deffen Diener sie) bleiben, wenn auch die äußeren Zeichen seiner Gegenwart ihrem Verhängniß verfallen waren. Die Zerstörer des Gottcshciligthums glaubten in Wirklichkeit, daß mit Gottes sichtbarer Stätte auch Er selber auS fdem Kreise der Menschen weichen müsse; die Besiegten richteten sich von dem Schlage, der ihre mächtigsten Helden zu Boden geworfen hatte, mit dem Bewußtsein auf. '3->p3 'jiv, daß unerreichbar von Feindes- Hand, unerkannt von dem groben Auge, der sie verhöhnenden Massen, Gott der Mittelpunkt ihres Denkens und Fühlens, ihres Strebcus und Handelns, und der Ankergrund ihrer Hoffnung für die Zukunft geblieben ist. Reich ist dieser mit Blut und Thränen geschriebene Theil der jüdischen Geschichte an Beweisen dafür, wie tief in den Geistern und Gemüthern des treuen Nestes, das Bewußtsein Wurzel geschlagen hatte, daß Gott ihr Herr der einzige Mittelpunkt ihres Lebens sei. Hoch vor allen glänzt das leuchtende Beispiel der jüdischen Jünglmge hervor, die Verbannung und Tod, der ttngebundenheit vorzogen, die ihrer bei den heidnischen Siegern wartete. Die Jünglinge, die sich die Hände verstümmelten, um die' Harfe nicht auf fremdem Boden für Gottes Lied rühren zu müssen, die Jünglinge, die sich von den Schiffen ins Meer stürzten, um dem Laster zu entgehen, das die Arme nach ihnen ausgebreitet hatte, Jünglinge, welche die Kraft ihrer Jugend brachen, um nicht den Willen ihres himmlischen BaterS zu brechen, die bekundeten doch durch diesen Bruch, daß Gott, dessen Einfluß die siegenden Feinde gebrochen glaubten, mit einer Macht begeisterter Hingebung in diesen Jünglingsseelen lebte, die jeder Zerstörung von Menschenhand spottete. An diejem Zusammenbruch der jüdischen Jugendkroft brach sich die Macht deS Feindes. Das war kein Tod, das war die Bekundung, die Bürgschaft eines wahren Lebens. Ist die Traube gestorben, die der Winzer vom Weinstock reihte, um den köstlichen Wein ans ihr zu bereiten? Als Traube lebt sie freilich nicht mehr weiter, sie blutet und wird zertreten, um Gott und Menschen zu erfreuen. So hat mein Herr die Kelter getreten für die jungfräuliche Tochter Judas. Das leuchtende Beispiel dieser Jünglinge, die wie Daniel in der Löwengrube, wie Chananjah, Mischael und Ajarjah ins Feuer gingen, die wie zahllose andere, ungenannt und unbekannt in Tod und Nacht ihren Untergang fanden, die sich alle brechen aber nicht biegen ließen, das leuchtende Beispiel dieser jugendlichen Helden, das seit Jahrtausenden alle Generationen zu gleicher Treue spornt, es hat der Tochter Judas, die nur ihren Herrn in ihrem Innern kennt, ihre Jungfräulichkeit bewahrt. Vor diesem leuchtenden Beispiel, verlieren die lodernden Tempelflammen ihre