Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 56 (14.7.1884)
- Date
- 1884-07-14
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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töfr bei bemerkt, wird hier das, was der Herr Rabbiner will, unter der Hand in ein Verlangen der Gemeindeglieder verwandelt) sich auf irgend einen Tag, ja wenn auch auf den Sabbat-Nachmittag, bezieht, weil das Geschäft den Wißbegierigen am Sabbat-Vormittag nicht die Muße läßt, dem Gottesdienste, resp. dem Vortrage beizuwohnen, so ist es Pflicht des Rabbiners Nein! zu sagen. Wen will fdenn Herr Dr. G. täuschen, sich oder uns, wenn er den Sonntag- Gottesdienst als etwas so Harmloses darstellen will? Außer der eines Rabbiners unwürdigen Sanctionirung des Chillul Schabbos, wird gerade der von der christlichen Kirche'zum Ruhetag bestimmte Sonntag zum Ruhe- und Feiertag derjenigen gemacht, die da glauben den Chillul «schabbos sich erlauben zu dürfen. Es solle dieser Gottesdienst nicht mit der Feier-- lichkeit des Sabbatgottesdienstes umkleidet werden; es solle, so meint Herr Dr. G., nicht zur Thora aufgerufen werden. Wahrhaftig schlau erdacht; als ob den Herren, die auf den Sonntag-Gottesdienst reflectiren, etwas am Vorlesen der Thora oder am Aufrufen gelegen wäre, daß dieses für sie die Feierlichkeit wäre! Als ob ein zu so ungewohnter Zeit, zwischen 10 und 12 Uhr abgehaltener Gottesdienst mit Predigt nicht auch ohne „Aufrufen" (das Vorlesen scheint Herr Dr. G. beibehalten zu wollen) den Anstrich des Feierlichen hätte, der diesen Tag als Feiertag erscheinen ließe. Herr Rahmer, der diesen Vorschlag, welcher dem Judenthume geradezu ins Gesicht schlägt, an die Spitze seines Blattes gestellt hat, bekämpft zwar in einer redactionellen Nachbemerkung den Sonntaggottesdienst, befürwortet dagegen einen Freitagabendgottesdienst mit Predigt. Insofern damit auch dem Chillul- Schabbos eine Concession gemacht wird, die durch das Geschäft am Sabbat-Vormittag Zurückgehaltenen nicht zu stören, unterscheidet sich der Rahmer'scheAntrag nicht sehr von dem des Herrn Dr. G., für welchen aber auch der Redacteur der „Jsr. Wochenschrift" durch Aufnahme in sein Blatt trotz seiner Bemerkung mit verantwortlich wird. Daß es dahin gekommen, wir bedauern es nicht, die Verhältnisse klären sich, und es wird keinem Unbefangenen jetzt mehr zweifelhaft sein, welche Richtung im Judenthum das Rahmer'sche Blatt vertritt, so sehr Mancher sich bis jetzt darüber täuschen konnte. Nun aber noch Eines. Herr Dr. G. hat die Idee des Herrn „Gemeinde-Vorstehers Gotthelst in Cassel" zur Discussion gestellt, ist für dieselbe eingetreten und hat es jversucht, dieselbe dem Publikum mundgerecht zu machen. Herr Dr. G. hat sich aber auch um das Rabbinat in Cassel beworben und hat sicherlich durch das Eingehen auf die Idee des Gemeinde-Vorstehers .sich bet ihm einen großen Stein im Brett gesichert. Die Wahl eines Rabbiners im ehemaligen Kurfürstenthum Hessen liegt in der Hand einiger Wenigen, die Gemeinden find mundtodt; mögen also die Gemeinden bedenken, was sie von einem Rabbiner zn erwarten haben, der für einen Sonntag-Gottesdienst plaidirt. damit der Sabbat ungestört entweiht werden könne, möge» fie bei Zeiten aber auch überlegen, was fie zn thun haben, wenn ihnen ein solcher Rabbiner um so eher in Aussicht steht, als er sich schon das Wohlwollen maßgebender Persönlichkeiten durch ein öffentliches Prä» numerando-Eintreten für deren Idee erworben hat. Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Frankfurt a. M., den 9. Juli. Demnächst wird Herr H. A. Franklin, der seit 24 Jahren hier wohnt, unsere Stadt verlassen, um seinen Wohnsitz in London zu nehmen. Derselbe ist ein treuer Anhänger des tradittonellen Judenthums und hat sich in hiesiger Stadt namentlich durch seine Wohlthätigkeit, wie durch seine rege Theilnahme an der Förderung aller gemeinnützigen Angelegenheiten rühmlichst ausgezeichnet. Er war z. B. Vorstandsmitglied in dem Verein zur Erziehung jüdischer Waiserckinder in Jerusalem, ebenso m dem Verein zur Wege der jüdischen Geschichte und Ltteratur; ganz besonders aber wird sein Name hier unvergessen bleiben durch sein Wirken in dem Vereine zur Beschränkung des Wanderbettels rc. rc. Dieser junge Verein, der gleichsam eine Centralstelle für alle Werke der Wohlthätigkeit für die Israeliten in der hiesigen Stadt geworden ist, hat sich in der kurzen Zeit seines Bestehens die allgemeine Sympathie, sowohl bei Israeliten, als auch bei Nichtisraeliten, erworben, und von Seiten der höchsten hiesigen Behörden wurde die segensreiche Wirksamkeit desselben schon bei verschiedenen Gelegenheiten anerkannt. So ist es auch der Intervention dieses Vereins zu verdanken, daß das Comittz zur Gründung einer Arbeitercolonie für Heffen-Naffau und das Großher^ogthum Hessen die Zusicherung gegeben hat, daß es den in die Colonie eintretenden Israeliten ermöglicht werden soll, streng nach den Vorschriften ihrer Religion zu leben. Herr A. H. Franklin ist der eigentliche Gründer dieses Vereins, und er war bis jetzt gleichzeitt'g die Seele desselben. Seinem unermüdlichen Eifer und seiner rastlosen Thätigkeit ist das rasche Aufblühen des Vereins zu danken. Um die Leistungen des Herrn Franklin dankend anzuerkennen, vereinigten sich gestern Abend die Vorstände und Pfleger des Vereins mit