Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 56 (14.7.1884)
- Date
- 1884-07-14
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXV« Jahrgang. Anlage )> Nr. 56 -es Israelit. Leilev-er Artikel. Eine Irucht der Kerkiner Hlaööiner- Merfammkung. (Schluß.) So weit wären wir also gekommen, daß von der Seite im Judenthum, die sich als die gemäßigte bezeichnet, die Verlegung des Sabbat auf den Sonntag befürwortet wird. Nein, Pardon! nicht die Verlegung, das offen zu sagen, dazu gebricht es den Herren an Mannesmuth; man will es ja nicht ganz verderben, man kann ja nicht wissen-!! Und so macht man denn einen Vorschlag, der wohl auf das obenbezeichnete Ziel hinausläuft, verclausulirtsich mit allerlei schönen Phrasen und Redensarten, kommt auch mit dem schweren Geschütz logisch sein sollender Beweisstücke, die vielleicht auf den ersten Blick täuschen können, aber vor einer besonnenen Prüfung nicht Stich hatten. Vollständig sei er davon überzeugt, und auch Herr Gotthelft sei es, „daß mit der Verlegung des Sabbat auf den Sonntag das Judenthum aushöre, Judenthum zu sein," eine solche Verlegung sei auch beileibe! nicht geplant; der Sabbat soll in seiner alten Weise und Weihe sortbestehen, es soll „nur noch etwas hinzukommen: Der Sonntagsgottesdienst." Hinzukommen! O, über diese — Klugheit, die bei all ihrer Zerstörungslust es nicht Wort haben will. daß sie zerstört. Hinzukommen? Was soll hinzukommen? Statt am Sabbat allein auch Gottesdienst am Sonntag? Den haben wir ja schon lange, wir haben ja jeden Tag Gottesdienst. — Hinzukommen? Sollen denn statt eines Sabbat zwei gehalten werden, genügt dem Herrn Dr. G. der e i ne Ruhetag nicht, vielleicht eingedenk des Wortes der Weisen vbwi on -vd rr.ra» ip3»«^o?6t? Möchten doch die Herren nicht mit Wortgeplänkel ihre Gesinnung verhüllen und andere täuschen wollen. Was soll dieser „Sonntagsgottesdienst?" Er soll nach dem Wunsche des Vorschlagenden — in Wirklichkeit wird der Vorschlag nichts nützen — dem Herrn Commerzienrath X. oder dem Herrn Commerzienrath P oder dem Herrn Baron v..Z, die alle am Sabbat keine Zeit haben den Tempel zu besuchen, Gelegenheit geben, am Sonntag die Predigt des religionsrettenden Herrn Rabbiners zu hören. Heißt das „hinzukommen", oder heißt das „an die Stelle treten" für den Theil, der sein Sonntags-Abonnement im Hause des Herrn nimmt?! Um diesen Vorschlag so recht harmlos erscheinen zu lassen, kommt er mit einem Argument, das nur auf den verblüffend wirken kann, der sich davon verblüffen läßt. . Es sei gewiß nicht zu entschuldigen, „daß die Bekenner des Judenthums ihren Sabbat und seine Segnungen so gering anschlagen. Allein das ändert doch nichts an der Thatsache, daß dies nur bei einer geringen Minorität geschieht, daß in der Wahl zwischen dem Sabbat und dem Geschäft der Sabbat größtentheils nicht (!!) als Sieger hervorgeht." Prächtige Construction, so kraus, daß der Verf. sich selbst nicht mehr herausfindcn kann; jedenfalls will er das Umgekehrte sagen, daß nämlich bei einer nur kleinen Minorität in dem Conflicte der Sabbat als Sieger hervorgehe. Doch dies nur im Vorbeigehen. Also, da einmal die Thatsache feststeht, so müssen wir dieselbe anerkennen und durch die Einführung eines besonder» Gottesdienstes am Sonntag Vormittags zwischen 10 und 12 Uhr mit Predigt die Sab- ' batentweihung gutheißen. „Chillul Schabboß! Lappalie, Ihr hattet gestern keine Zeit, liebe Leute, zu kommen; die Hauptsache ist und bleibt ja meine Predigt, um deretwillen hat der liebe Gott die Welt erschaffen, und wenn ihr heute aufmerksam zuhört, so ist vas bischen Geschäft von gestern längst vergessen und vergeben. Wegen des Schabboß stört euch in Zukunft nicht, wir holen alles am Sonntag nach." So ungefähr könnten die Worte lauten, init welchen die Einsetzung eines Sonntag-Gottesdienstes in einer Gemeinde ins Leben treten könnte. „Wie?" läßt sich aber Herr Dr. G. vernehmen, „Wenn nun eine größere Anzahl von Gemeinde-Mit> gliedern mit dem Verlangen hervorträtcn, sie möchten an irgend einem Tage der Woche, z. B. am Donnerstag, religiöse Belehrung empfangen. Würde es einem Rabbiner der Welt einfallen, dieses Verlangen zurückzuweisen?".... „Und wenn nun für den Sonntag ein solches Verlangen vorhanden wäre, sollte man es zurückweisen...?" Wenn ein Verlangen da ist nach religiöser Belehrung, gewiß wird ein gewiffenhaster Rabbiner diesem Verlangen, gleichviel an welchem Tage, entgegenkommen. Wenn aber dieses Verlaugen (neben-