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Der Israelit · 1884-07-14 · Heft 56 (14.7.1884) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 56 (14.7.1884)
Date
1884-07-14
Page
– (sequence 11)
Language
German
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937 dem scheidenden Mitgliede zu einem gemüthlichen Abendeffen im Hotel zum Römischen Kaiser dahier. — Heitere und ernste Toaste würzten das Mahl, und in sinnigen und schönen Worten wurde die Wirksamkeit des Herrn Franklin gefeiert, der auch gleichzeitig zum dauernden Ehrenmitgliede des durch ihn geschaffenen Vereins ernannt wurde. Möge es Herrn Franklin vergönnt sein, auch in London ebenso viel Gutes, wie hier, zum Heile des Zudenthums und der Menschheit zu wirken. — England. London, 3. Juli. Nach längerem'Wahlkampfe zwischen 7 Candidaten wurde der Rev. Fay aus Bristol, zum Prediger der Central-Synagoge (Great Portland Street) gewählt. Die Kanzel dieser Synagoge war über ein Jahr, seit dem Tode des sel. Rev. A. Green unbesetzt. Hoffen wir, daß Herr Fay eine segensreiche Wirksamkeit in seiner neuen, wichtigen Stellung entfalte. London, 7. Juli. Unter sehr zahlreicher Betheiligung wurde gestern die 13. Jahresversammlung der Anglo-Jewish-Afsociation abgehalten. Baron Henry de Worms führte den Vorsitz. In seiner die Verhandlungen einleitenden Rede konstatirte er, daß die Verfolgung der Juden nur noch in zwei europäischen Ländern existire, nämlich in Rußland und in Rumänien. In ersterem Lande hätte sich die Lage der Juden im vorigen Jahre gebeffert und dies fei theils den Bemühungen der Association, theils dem Umstande zuzuschreiben, daß General Jgnatiew nicht mehr zu den Rathgebern der Krone gehöre. Was Rumänien anbetrifft, so habe die gesetzgebende Körperschaft dieses Staates sich gegen die Unterzeichner des Berliner Vertrages von 1878, welcher die Emanzipation der rumänischen Juden stipulirt, eines Treubruches schuldig gemacht, denn sieben Achtel der jüdischen Bevölkerung Rumäniens litten noch immer unter den alten Unfähigkeiten. Jüngst hätte er (Worms) die Aufmerksamkeit der britischen Negierung aus diese Zustände gelenkt und Lord Edward Fitzmaurice versprach, daß der Gegenstand in reifliche Erwägung gezogen werden würde. Schließlich erklärte der Vorsitzende, daß das von der Affociation und verwandten Vereinen geleitete Erziehungswerk im Orient langsam aber sicher fortschreäe. Gegen 5000 jüdische Kinder genießen jetzt gründlichen Schulunterricht. Rußland. Der Gouverneur von Nishni-Nowgorod, General N. Baranow, hat anläßlich der letzten Judenhetze folgenden Befchl an den Polizeimeister erlassen: „Nach den Unordnungen, die m der Nacht vom 19. zum 20. Juni im Makarjew'schen Stadttheil vorfielen, wurden 112 Personen verhaftet, die überführt sind, entweder unmittelbar an den erwähnten Unordnungen oder an dem Raube von Sachen aus den zerstörten Judenwohnungen betheiligt gewesen zu sein. Seit dem 20. Juni habe ich wiederholt Briese erhalten, die heimlich ausgestreut sind und mit dummen Drohungen angefüllt sind; n. A, wird die sofortige Freilassung der Verhafteten verlangt. In den letzten Tagen liefen statt dcrDrohbricfe sowohl schriftlich als mündlich vorgebrachte Bittgesuche um Freilassung der erwähnten Arrestanten ein. In diesen Bittgesuchen begegnet man Auslassungen folgender Art: „Es ist unzulässig, orthodoxe Christen der Juden wegen zu strafen", oder: „Die Unordnungen vom 19. Juni waren kein Aufruhr, sondern das Volk hat sich einfach belustigt." Solche Aeußerungen beweisen, daß das Volk seine Pflichten vollständig mißversteht. Um nun dem Gedanken an die mögliche Wiederholung von Unordnungen vorzubeugen, wie im Makarjew'schen Stadttheil vorgekommen sind, bitte ich Ew. Excellenz, sofort Verfügung zu treffen, damit die Pristawe und deren Gehilfen den Arbeitern sowohl in den Artellokalen als auch in den Fabriken der inneren Stadt eröffnen: 1) daß der Jude ein Mensch und kein Hund ist, — ja auch einen Hund darf man nicht ungestraft verletzen; 2) daß die Ermordung von neun Menschen und die Ausräubung von Wohnungen nicht als Belustigung betrachtet werden darf und 3) daß man sich bestimmt zu vergegenwärtigen hat, wie jeder in Rußland lebende Mensch, welchen Glaubens er auch sein möge, unter dem Schutze des kaiserlichen Schutzes steht und darum jeder Angriff auf sein Leben und Eigenthum ein dem Willen unseres Kaisers und Herrn zuwiderlaufendes Verbrechen ist. Alle in Nishni-Nowgorod lebenden Juden, getaufte wie ungetauste sind ebenso treue Unterthanen wie wir Alle und darum ist Mord und Raub an Juden ebenso strenge zu bestrafen, wie wenn solche Verbrechen an Christen verübt wären. Bei dieser Gelegenheit sollen die Herren Polizeibeamten auch kundgeben, daß die an den Unordnungen vom 19. Juni betheiligt gewesenen Personen strenge Bestrafung zu erwarten haben und daß von den zur Zeit in Haft befindlichen Personen, aller und jeder Bitten ungeachtet, nur diejenigen wieder in die Freiheit gesetzt werden, welche das Gericht nicht schuldig sprechen wird, und daß jeder neue Versuch von Gewaltthat und Willkür durch die allerstrengsten Maßnahmen unterdrückt werden wird, denn das Gesetz gewährt dem Volke nicht das Recht, mit wem es auch sei, nach eigenem Willen zu verfahren. Bitte auch den Herren Pristawen und deren Gehilfen vorzuschreiben, sie möchten nochmals allgemein bekannt geben, daß das Gericht von den: Raube eines Christenmädchens durch Juden nichts als dummes Weibergewäsch ist und falls irgend ein neuer Verdacht oder eine Unzufriedenheit gegen diesen oder jenen

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