Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 56 (14.7.1884)
- Date
- 1884-07-14
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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632 können, sie anderseits als wirksamstes Mittel zur ungehinderten Verbreitung des Schlechten, des Jrr- Lhums und der Leidenschaften zwischen den Menschen erscheint. Daß aber der ungarische Minister-Präsident innerhalb des ihm vom Gesetze vorgeschriebenen Rahmens sein Möglichstes zur Bekämpfung dieser Giftpflanze des Antisemitismus gethan, ja. daß derselbe diesbezüglich bis hart an die äußerste Grenze gegangen, wird demjenigen, der sich das ganze Vorgehen desselben ins Gedächtniß zurückruft, nicht zweifelhaft sein. Wir erinnern nur an jenen heftigelt Kampf, den der sonst über eine so ausgiebige Majorität zur Verfügung habende Minister-Präsident im Reichstage zu bestehen hatte, als derselbe wegen einer (5onfiskation antisemitischer Braudschriften interpellirt wurde. Das ungarische Preßgesetz kennt nämlich nicht das sogenannte objective oder präventive Vorgehen bei Preß-Ausschreitungen, das heißt, selbst in den wenigen Fällen, wo der Verfasser einer Druckschrift nach dem ungarischen Preßgesetze zur Verantwortung gezogen werden kann, können die incriminirten Schriften nicht conDzirt werden und steht kein gesetzliches Hinderniß der Verbreitung derselben entgegen. Bei den damals an der Tagesordnung stehenden Aufläufen, Tumulten und Judenhetzen glaubte der Ministerpräsident die Quellendes Nebels ausnahmsweise durch Confiskation der Unhell heraufbeschwörenden Brandschriften gegen die ^llden verstopfeil zu dürfen, wurde darüber aber im Reichstage ob einer Gesetzesverletzung interpellirt und entamg nnt der Zuerkenntnißnahme seiner Jnterpellatlonsbeantwortung nur mit knapper Roth einer Niederlage. Abgeordnete von der Regierungspartei, denen man durchaus keine antisemitischen Jntentionen mijiutlren kann und die sonst das Ministerium selbst ber den gewiß unpopulären Steuererhöhungen unterstützten, ließen in diesem Falle den Ministerprastdenten im Stiche und nur eine ganz schwache Majorität gab dem Ministerpräsident, in Anbetracht, daß man emem kait aecoiupl! gegenüber stand, die Jndemmtat für sein Vorgehen m dieser Angelegen- Ijett. Solche Thatsachen bedürfen keines weiteren Commentars und beweisen zur Genüge, daß Herr Koloman von Tisza seinen ganzen mächtigen Einfluß m die Wagschale warf um den Antisemitismus zu bekämpfen. Allerdings haben die jüngsten Reichstaaswahlen gezeigt, daß dies allein ilicht hinreichend denselben ZU besiegen, denn Thatsache ist, daß die antisemitiiAeu, Abgeordneten in verstärkter Anzahl im nächsten Reichstage erscheinen werden. Die Negierung geht auch m Folge dessen mit dem Plane um — wie man dies aus der Regierungspresse schließen kann — im Wege der Gesetzgebung Mittel zu einer wkö sameren Bekämpfung dieser Eirerbeule des Staatsorgauismns zu schaffen. Es ist vorauszusehen, daß auch dies ohne einen harten Kamps im Reichstage nicht abgehen, doch hegen wir die feste Zuversicht, daß die Regierung den endlichen Sieg davon trage« wird. M. A. RoE. Italien. Nom. Das berühinte römische Ghetto befindet sich im Zustande vollständiger Demolirung in Folge des neuen s-tadtplanes, welcher allmählich zur Ausführung gelangt. Während früher die Bewohner des Ghetto dort zwangsweise ihren Ansenthalt nehme« mußten, sind dieselben heute großtentheils — es handelt sich dabei meistclis nur um arme Israeliten — nicht zu bewegen, das alte historische Stadtviertel, wo ihre Vorfahren wohnten, zu verlassen. Die Bewohner der Via Fiumara, einer der Hauptstraßen des Ghettos, welche bereits niedergeriffen wurde, baden sich sämmtlich bei Verwandten in den stehen gebliebenen anderen Straßen einquartiert, woraus eine enorme Uebervölkerung entstanden ist. Dieser Umstand hat den Vorstand der Judengemeinde veranlaßt, ein Comite zu bilden, um die Bewohner des Ghetto zu veranlassen, sich in den übrigen Stadtviertel» anzusiedeln. . . Frankrei ch. Wnris, 10. Juli. Die Baronin Alphonse von Rothschild hat zum Andenken an ihre verstorbene Mutter, der Baronin Lionel von Rothschild, die Summe von 15OO Lstrl. zur Errichtung einer Schule in Neuilly gespendet. - e tt i 11 e 4 »til Ms dem Leben eines orthodoxe» Mööiners. Skizze von Dr. Sta ... 7. Kapitel. Das Familien glück einer Mischehe B.... den 26?September 48.. Mon eher Siegfried! Du wirst sicherlich eher den Untergang der Welt erwartet haben, o!3 eine Epistel von mir. —