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Der Israelit · 1884-07-14 · Heft 56 (14.7.1884) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 56 (14.7.1884)
Date
1884-07-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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mit Füßen tritt, indem er aus Thierfellen feine Fußbekleidung verfertigt*). . An der Gedächtnisfeier des Tage«, der dem Juden Alles entzogen nnd verkümmert hat, was sonst jeder Mensch durch seine Geburt als unverlierbares Recht mit in's Dasein bringt, das Recht in Gottes Welt frei auszutretcn und sie für seine menschliche Zwecke sich untcrznordnen, an diesem Tage, wäre das Zeichen der Beherrschung der Welt durch den Menschen, eine Ironie ans die Bedeutung des Tages, bic ihn zur nationalen Trauer ladet. — Deshalb lauten die einleitenden Sätze des Programms für die Trauer am 9. Ab: cinu, ,v»bywn psbini ,nom mb poiai n»3-»y pp’bioi ,pK*? o\den’i .tenipn;nxo ronrn nx "ronb :no'p, nD'x oncixi ,nm nap In dm Klageliedern Jeremias findet die Trauer am 9. Ad ihren Ausdruck durch Morte. Sie sind älter als die Katastrophe, welche sie beklagen. Als Jerusalem und das in seiner Mitte sich erhebende Gottesheiligthum noch in ihrer Blnthe dastanden, schaute bereits das vom prophetischen Gottesgeiste geweckte Auge des eingekerkerteu Propheten den Untergang so treu in allen seinen Nüancen, daß er auf Gottesgcheiß ihn niederschreiben und den jüdischen Fürsten und ihrem König ihn vorlesen ließ, um sie so zu bestimmen, nie von hrcm Gottentsremdeten Lebens Wandel zu lassen. Die Fürsten wurden von den Klageliedern Jeremijahus mächtig erschüttert, der König ober nahm die Rolle, ans welcher sie verzeichnet waren, zerschnitt sie und verbrannte die Stücke in einem vor ihm stehenden Kohlenbecken. (Jeremija 36). Zum zweiten Male schrieb der Prophet seine Klagelieder nieder und nur diesem Umstande ist die Erhaltung des herrlichen Kleinods zu verdanken, das königlicher Uebermuth bereits dem Untergange geweiht hatte. I) Stelle» wir Maleachi III, 2l. '2 D'yan CN'Cyi, owd nnn iex iw und Ps. VIII, 7. 8 W’ron vA obia v'vvxi 7»rr i»b11 nnn nnv bay'v'»yoa 'W n>ö.13 beweisen, daß diese Anschauung dem hebräischen Sprachgeille ganz geläufig ist. Sagt dock die Psalmstclle geradezu wörtlich, wie die Herrsckaft des Menschen über Gottes Geschöpfe sich eben dadurch bekundet, daß ihm Gott alles nicht zu Füßen, sonbenr unter die Füße gelegt habe, Schafe, Rinder u. s. w. — Das Gebot der Entschnhung an Moscheh und Zosna vor Antritt ihrer Sendung ausgesprochen, dürste in diesem Dnnie sagen wollm: wenn ihnen auch scheinbar die Drittel der Beherrschung abgehen, mit denen sich sonst menschliche Oberhoheit geltend macht, so werde ihnen doch die Heiligkeit des Bodens, auf dem sie stehen, dafür bürgen, -aß sie alle Hindernisse beseitige» und das von Gott gesteckte Ziel erreichen. — Auch der SrgenSspruch »2^8 ba »3 ntryv läßt nach diesen Voraussetzungen sofort den Zusammenhang erkennen, m welchen ihn die Weisen mit der Anlegung der Fußbekleidung 71'2Xv2 v» vv 12 bringen. Wle JeremiaS Klagelieder noch in der Glanzzeit Zions und Jerusalems den jähen Fall veranschaulichten, so führen sie heute noch die zerstreuten Trauernden auf die Trümmer ihrer einstigen Größe und wecken das alte Weh mit ewig neuer Kraft. Je vereinsamter, je abhängiger sie sich fühlen, um so inniger flüstern sic die Jahrtausende alte Klage ihres Propheten leise nach: „Wie weilt sie so einsam die volkreiche Stadt, wie ist sie einer Wittwc gleich geworden, die Herrin unter den Völkern, die Fürstin unter den Ländern, ist zinsbar geworden." Nnd doch . liegt in dieser Klagcrolle, die schon Jahrtausende daS thräncnrciche Geschick ihrer heutigen Leser voransbestimmte, der mächtige Trost, daß sie keinem blinden ' Zufall, sondernder erziehenden Waltung ihres himmlischen Vaters hingegeben sind. Die Klagen ihrer Echarolle, die herben Leiden, die ihrer täglich warten, sind ja eben die Bürgen, daß Gott sie nicht als sein Werkzeug anfgcgebcn, daß ihr Vater sich wohl zürnend, aber niemals sie verachtend sich von ihnen gewandt hat. „Wer zürnt" bemerkt ein Weiser, „giebt der Hoffnung auf Besänftigung Raum; nur Verachtung schließt die Möglichkeit der Wiederherstellung der einstigen Innigkeit ans." Höher und höher hebt sich deshalb die anfänglich nur dumpf und leise vom. Boden ertönende Stimme, sie erreicht ihre Höhe wieder mit den Schlußworten der Echarolle: „Ja, wenn Du uns verachtet hättest! Du hast uns aber nur bis zum äußersten Ausmaaße gezürnt! Bringe uns daher wieder zurück Gott zu Dir, wir möchten zurückkehren, gestalte neu unsere Zeit wie die Vergangenheit;" Der Jude prunkt nicht mit seinem Schmerze, er trägt ihn still im Busen geborgen. Selbst am Tischah de Ab, wo er ihn in Worte kleidet, haucht er ihn nur leise hin, der Weisung der jüdischen Sitte gemäß: . . **. ’’ na*x onow, D'bato '22 -,111 ncoi bipa pbbeno ib’P st"L'.1 N'2)2 .13'X b331 »23 *]1li vM2 3"l N'1'p» mix D'IOW '01 OD'IPD piDDb yiovai *13, INI» rwp .',31 ct b'p3 bnp.i Die Einrichtung, der Bedeutung des Tagedurch Predigt und ähnliche äußere, feierlich sein sollende Veranstaltungen zu genügen, ist neu. Sie ist weder jüdisch noch psychologisch dem Ausdruck wahrer Trauer entsprechend. Trauer, die echte, rechte, macht stumnk, nickt beredt, die glatt von beredten Lippen fließende, sitzt selten tief. Dazu kommt noch, daß die jüdische Predigt, die belehren, nicht erbauen will, am 9. Ab wie jede Belehrung ans Gottes Wort unstatthaft ist. „Die Worte der Thora erfreuen das Herz, deshalb ist das Thorastudium am. Tischah be Ad untersagt nnd nur für die Partien gestattet, deren Inhalt mit der ernsten Bedeutung deS Tages übereinstlmmt."

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