Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 56 (14.7.1884)
- Date
- 1884-07-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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928 halten zu haben, das seinen Fähigkeiten zusagte. Aber Hyrkan hatte einen Günstling, der die Herrschsucht in ihm anfachte. Dieser döse Freund war der schon oben von uns genannte Antipater, ein Jdnmäer von Abstammung, ein ehemaliger Sklave des Hasmonäischen Geschlechtes. Dieser verleitete den entthronten König zu entfliehen und im Auslande Hilfe zu suchen. Ein arabischer König zog an der Spitze eines großen Heeres aus, um für Hyrkan die verlorene Krone wieder zu gewinnen. Bald war das Land erobert; Aristobul wurde in seiner Hauptstadt Jerusalem belagert. Die Belagerung zog sich in die Länge, und es fehlte in der Stadt an Lämmern, um die täglichen Opfer darzubringen. Täglich ließen die Belagerten einen Korb, mit Goldstücken gefüllt, von der Mauer hernieder, wofür ihnen die Belagerer die nöthigen Opferlämmer znkommen ließen. Eines Tages thaten die Letzteren statt des Opferlammes ein Schwein in den Korb. „Ob dieses Hohnes erbebte die Erde vierhundert Meilen weit im Umkreise. t„Sotah 49b., Baba Kama 82d., Menachoth 64d.) Wir können hier nicht die ganze Geschichte des unglücklichen Bruderkrieges erzählen. Wir wollen nur noch berichten, daß derselbe die Einmischung der Römer herbeiführte. Der Triumvir Pompejns kam als Schiedsrichter ins Land, um cs als Eroberer wieder zu verlassen. Aristobul wurde mit seinem Sohne und seinen .zwei Töchtern nach Nom geschickt, um als besiegter König den Trinmphzng des Pompejus zu verherrlichen. Die Mauern Jerusalems wurden niedergerissen; Hyrkan wurde der Königswürde entkleidet, aber als Ethnarch (Bolkssürst) und Hoherpriester belassen; Judäa wurde als ein erobertes Land betrachtet und mußte alljährlich einen Tribut bezahlen. Bon Tag zu Tag wurde das römische Joch drückender, wozu Anthipater nicht wenig beitrug. Da gelang es Aristobul, aus Rom zu entfliehen. Mit Jubel wurde er in der Heimath empfangen und hatte bald ein ansehnliches Heer um sich versammelt. Allein er wurde geschlagen, gefangen und nach Rom zurückgebracht. Noch einmal sollte ihm der Hoffuungsstern aufgehen, den Thron seiner Väter wieder zu erlangen. In Rom selbst brach der Bürgerkrieg aus, der Krieg zwischen Cäsar und Pompejus. Cäsar setzte den gefangenen jüdischen Fürsten in Freiheit und übergab ihm zwei Legionen, mit deren Hilfe er Judäa den Anhängern des Pompejus entreißen sollte. Allein der unglückliche Aristobul wurde von den Letzteren durch Gift aus dem Wege geschafft. Sein Sohn Alexander fiel einem Feldherrn des PompejuS in die Hände, der ihn enthaupten ließ. — Nach der Niederlage und dem Tode des Pompejus beeilte fich Antipater, zu der Partei des Cäsar überzugehen, und so wurde dann Hyrkan von Cäsar als Ethnarch und Hoherpriester bestätigt, während thatsächlich Antipater das Land regierte. Verderblicher noch für Juda wurde sein Sohn Herodes, den er zum Statthalter von Galiläa ernannt hatte. Schon als Jüngling kümmerte er fich nicht um Recht und Gerechtigkeit und ließ ohne vorhergegangenes Urtheil Hinrichtungen vollziehen. Schemata ließ ihn darob vor das Synhedrmm laden. Herodes erschien im Pupurgewande, bewaffnet und von Bewaffneten umgeben. Da ergriff Zagen und Angst die Mitglieder des Synhedrium. Schemas aber sprach zürnend zu seinen Genossen: „Ihr fürchtet Euch vor dem Angeklagten? So wisset den», daß Derjenige, vor dem ihr jetzt zittert. Euch Alle dem Henkerbeile üverliefem wird.- (Josephns jüdische Alterthümer i. XIV c.9, § 4> Ans dieser Zeit der Wirrnisse Und Bedrängnisse heraus verstehen wir wohl am Besten den Lehrsatz des weisen Schemaja: „Liebe die Arbeit, Haffe die Herrschaft und geselle Dich nicht zu den Großen!" — Die Herrschsucht der beiden Brüder und ihrer Anhänger und Günstlinge war es, die unser Volk an den Abgrund des Verderbens brachte. Daß die zwei größten und einflußreichsten Männer in Israel, Schemaja und Abtaljon, die von dem gesummten Volke so hochverehrt und so sehr geliebt wurden, von den Parteien viel umworben waren, darf wohl mit Gewißheit vorausgesetzt werden. Aber fie hielten sich fern von den Parteizwistigkeiken, gesellten fich nicht zu den Parteiführern, strebten nicht nach der Herrschaft, sondern vollbrachten in unablässiger Mutze und Sorgfalt die große Arbeit aufopfernder Lchrthätigkeit, um für Israel das höchste Gut, die Lehre unseres Gottes zu erhalten. (Fortsetzung folgt.) Zwischen dm Warkm. Don Rabbiner Dr. Eh rmann. IV. Die Bedeutsamkeit des EntschuhungS-Gebots für die am Tischah be Ab Trauernden spricht fich in ihrer ganzen Tiefe aber durch die Bestimmung aus, welche nicht jede, sondern nur solche Fußbekleidung untersagt, deren Sohle aus Thiersellen besteht. Durch nichts tritt die geistige lleberkegenheiL des Menschen über die ihn umgebende Welt so klar zu Tage, als durch die Beherrschung der Thkerwelt, die an materieller Kraft derjenigen deS Menschen ja bei weitem überlegen ist. Einen prägnanteren Ausdruck für die Beherrschung der Thierwelt durch den Menschen dürste es aber kaum geben, als die Thatsache, daß der Mensch buchstäblich daS Thier