Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 56 (14.7.1884)
- Date
- 1884-07-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2449406-2449459--20466-2509997- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
XXV. Jahrgang. M S« Herausgegeben von Nr. Lehmann in Mainz. Montag, den 14. Juli 5844 (1884). Diese Zeitung erscheint wöchentlich zweimal, MoutagS und DvrmrrstagS, jedesmal in mindesten» 2 Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 18 ReichS-Mark, für'» Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Inserate 26 Pfennig« die drcigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oestereichische Danknoten laut CourS. — Mreet« Franeozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. öftere., für'S Ausland 16 Reichs-Mark an die Expedition franco einzusenden. Inhalt (Hauptblaft): Leitende Artikel: Die Sprüche der Väter. — Zwischen den Marken. — Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen: Deutschland: Pr. Stargard. — Oesteir. Nng. Monarchie: Szepes-Osalu. — Italien: Rom. — Frankreich: Pari«. — Feuilleton: Aus dem Leben eins orthodoxen Rabbiner».— Inhalt der Beilage r Leitender Artikel: Eine Frucht der Berliner Rabbiner-Versammlung. — ZektungSnachrichtm und Eorrespondenzm: Deutschland: Frankfurt a. M. — England: 2mal London. — Rußland.— Leitende Artikel. Die Sprüche der Mater. Mainz, 9. Juli. „Liebe die Arbeit und hasse die Herrschaft!" Nicht da? Herrscheramt sollen wir hassen, sondern die Herrschaft. Eine der mächtigsten Leidenschaften, welche die Brust des Menschen bewegen, ist die Sucht zu herrschen. Es erscheint so süß, so angenehm, so befriedigend, wenn man sich über die Mitmenschen erhebt und sie dem eignen Willen dienstbar machen kann. Nicht nur große, gewaltige Geister, nicht nur Menschen von hervorragender Kraft werden von dieser Leidenschaft beherrscht, sondern oft auch kleine und unbedeutende Charaktere, die dann durch ihre Verbindungen mit den Großen dieser Erde zu erlangen suchen, was sie aus eigener Kraft sich zu verschaffen nicht im Stande sind. Daher ruft der Weise uns warnend zu: Liebe die Arbeit, Haffe die Herrschaft und geselle Dich nicht zu den Großen! — Liebe die Arbeit, sie macht Dich unabhängig und frei, Haffe die Herrschaft, selbst wenn Du in Dir die Kraft spürst. Andere Deinem Willen unterthänig zu machen, und geselle Dich nicht zu den Großen, um durch die Verbindung mit ihnen zu einem Herrfcheramte zu fl* langen. Wie verächtlich ist doch der Mensch, der nach oben hin als Sklave sich benimmt. um über seine Untergebenen als Tyrann zu herrschen! Wir haben bereits bei verschiedenen Gelegenheiten es ausgesprochen, daß die Weksheitsspruche, in dieser unserer Maßechtha sämmtlich der Ueberli* ferung entstammen. Daß aber der betreffende Lehrsatz zum Wahlspruche des Weisen geworden, in dessen Namen er uns überliefert wurde, hat wohl immer seinen besonderen Grund und ist häufig aus den Zeitverhältmssen zu erklären. Die beiden Söhne des Königs Alexander JannäuS und feiner Gemahlin Salome hießen Hyrkan und Aristobul. Hyrkan, der ältere, wird uns als ein braver, frommer Mann geschildert, aber als nicht geeignet, die Zügel der Negierung fest zu halten. Sekn lünaerer Bruder Aristobul dagegen war ein Mann ungestümen Muthes und unbegrenzten Ehrgeizes. Bald entstammte der Bruderzwist, und schon drei Monate nach dem Tode der Mutter standen sich die feindlichen Brüder an den Spitzen ihrer Heere gegenüber. Hyrkan wurde besiegt und mußte die Könkgskrone dem jüngeren Bruder abtrete», während ihin dieser die Hohepriesterwürde überließ. Es schien nun alles in Ordnung zu sein, und jeder der Brüder das Amt er-