Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 55 (10.7.1884)
- Date
- 1884-07-10
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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917 15000 Seelen, worunter 8000 Aschkenaflm und 7000 Sefardim, unter letzteren 1300 Mograbim. Man trinkt in Jerusalem nur Cisternenwaffer, woraus gegen Ende des Sommers viele Krankheiten, das Fieber u. s. w. entstehen. Letzteres ist im Allgemeinen nicht tödtlich, aber, indem es den Körper schwächt, ertödtet es den moralischen Halt. Eine englische Dame, Lady, wollte der Stadt das Master der nofcar ’ina im Ueberflusse verschaffen, indem sie auf ihre Kosten die alte Maflerleitung, die 29000 Pfund Sterling kosten sollte, jedoch die Regierung hat die Erlaubniß nicht ertheilt. Für die jüdischen Kranken ist dasRothschild'sche Spital, das nur leider zu klein ist und wo sowohl ärztliche Consultationen als auch Arzneinen ohne Bezahlung gewährt werden. Ferner ist das „Bickur- Cholim - Spital" vorhanden, wo man gegen eine mäßige Bezahlung gut versorgt wird. Endlich ist der Verein Misgaw-Ladoch. dessen Mitglieder monatlich 25 Pfennige zahlen und den Armen unentgeltlich den Arzt, die Verpflegung, Medikamente u. w. verschaffen. Auch noch einige andere kleinere Vereine bestehen, aber alles, was in dieserBeziehnng geschieht, ist noch nicht ausreichend.*) Namentlich ist auch die schlechte und ungenügende Ernährung eine Hauptursache von Schwäche und damit zugleich eine Onelle des vorhandenen Elends. Um dcnMißständen abzuhclfen, wäre entweder die schleunigste Errichtung eines großen Hospitals oder eine Vergrößerung desRothschildschen Spitals zu wünschen, es müßten die ärztlichen Rathschläge veröffentlicht und hauptsächlich der Stadt in größerem Ueberflusse Master verschafft werden. Bezüglich des Platzes, wo sich die Grabstätten der Propheten Chaggai, Secharja und Malachi befinden, erfahren wir aus dem Berichte folgende Thatsache. Die Israeliten hatten immer auch diese Gräber, welche sich auf dcm Oelberge befinden, dieselben unbestrittenen Rechte wie auf das Denkmal Absaloms oder auf alle übrigen jüdischen Gräber. Als sie jedoch vernahmen, daß die Araber die Absicht hätten, das angrenzende Terrain zu verkaufen, beeilte sich die israelitische Gemeinde, dasselbe selbst zu erwerben. Man kam über den Preis überein, man that beim Seraile Schritte, und es fehlte nur noch eine einzige Formalität, als des Abends der russische Archimandrit mit den Verkäufern abfchloß und ihnen die Summe von 1600 Franken, viel mehr als die mit de» Israeliten vereinbarte Summe übergab. Der Oberrabbiner protestirte in einer Depesche an die Regierung dagegen, welche dem Gouverneur empfahl, * ES ist unfern Lesern bekannt, daß demnächst unter göttlichem Beistände ein großes Hokpital eröffnet wird, zu welchem Zwecke der betreffende Verein das ehemalige deutsche Consulatrgebäude käuflich erworben hat. — Red. der Sache feine Aufmerksamkeit zu schenken. Dieser weigerte sich darauf, dem neuen Erwerber die Dokumente zur Bestätigung des Kaufes auszuliefern, aber der Archimandrit, welcher den Kaufpreis in den Händen der Araber gelassen hat, hofft, früher oder später die Dokumente noch durch den Einfluß des russischen Gesandten in Konstantinopel zu erlangen. Besonders interessant sind die Mittheilungen, die der Bericht über die Mission und deren Treiben enthält. Mährend alle anderen Misstonsgescllschaften hauptsächlich ihre inneren religiösen Zwecke verfolgen, hat die englisch-protestantische Missionsgeschaft cS besonders auf die Seelenfängerei, auf die Jagd nach den armen Juden, abgesehen. Unter den Führern, dieser Gesellschaft sind mehrere ehemaligen Juden, so ein vielgenannter Friedländer, der direkt oder indirekt von anderen getauften Juden in seinem Unheilvollen Wirken luiterstützt wird; ferner ein gewisser Coral, ein ehemaliger sephardischer Jude, der auch zur Bekehrung sefardischer Juden verwendet wird. Besonders thätig war auch der famose Schapira, der den bekannten Schwindel mit den Moabiterinschriften in's Werk setzte und nach seiner Entlarvung jüngst seinem Leben durch Selbstmord ein Ende machte. Derselbe hielt hebräische Predigten, um Aschkenasim zu bekehren und betrieb gleichzeitig einen einträglichen Handel mit Photographien, Büchern, Sepher-Taurans, Tephilin und Mesusaus. Die Mission hat verschiedene Mittel, um ihre Opfer zu fangen. In erster Lienie sucht man durch Gcldunterstützung Anwerbungen zu machen, und sobald man ein verirrtes Schaf bekommen zu haben glaubt, sorgt man willig für alle dessen Bedürfnisse. Ein anderes Mittel ist die Verschaffung von Arbeit. Die Mission unterhält zu diesem Zwecke in der Außenstadt eine Anstalt, wo russische und rumänische Einwanderer, sowie auch Leute aus der heiligen Stadt Arbeit bekommen. Man läßt einen Weg anlegen, Steine ausgraben, einen Garten Herrichten und drgl.; die Arbeiter bekommen ungefähr eine Mark per Tag und werden auch für deu Samstag, den Sonntag und die Feiertage bezahlt, obgleich sie an diesen Tagen nicht zu arbeiten brauchen. Die Arbeit ist nicht schwer, und diejenigen, welche Miene machen anzubeißen, erhalten weitere Begünstigungen. Man fängt damit an, ihnen ein Rendez-vous im Vorhof der Kirche zu geben, hernach ladet man sie ein in die Kirche einzutreten, wo die zehn Gebote neben christlichen Emblemen in hebräischen Buchstaben stehen. Man veranlaßt sie dann, denk Gottesdienste beizuwohnen, den man so imponnirend als möglich zu machen sucht, und läßt sie die Predigt anhören, welche im reinsten polnischdeutschen Jargon abgehalten. In derselben beginnt man, dem Neugewonnenen die Verachtung für seinen