Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 55 (10.7.1884)
- Date
- 1884-07-10
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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bisherigen Glauben und für dessen Bekenner beizubriugeu, und wendet die lebhaftesten Farben an, um den neuen Glauben und seine Anhänger als besonders barmherzig und großmüthig zu schildern. Das fällt freilich diesen Seelenhändlern nicht ein, zu sagen, daß dieselben so mitleidigen Menschen, welche in Palästina ihr Geld verschwenden und damit nur das Laster, den Müsstggang und die Heuchelei fördern, daheim in England ihre eigenen Glaubensbrüder in der Unwissenheit und im Elend verkommen und vor Hunger sterben lasten. Wenn ein solcher Halbbekehrter Miene macht, das, was er zu sehen bekommt, zu bewundern, mehren sich die ihm geschenkten Vergünstigungen; erbekommt dieMiethefür ein Jahr bezahlt, erhält einen Vorschuß, um ein Geschäft beginnen zu können, die Kosten zur Errichtung einer Werkstatte, Handwerkszeug, eine Nähmaschine, jeder nach seinen Bedürfnissen. und nach seinem Geschmack. Einige israelitische Frauen werden in dem Lokal der Mädschenschule zum Nähen verwendet. Dieselben sind genöthigt, die so unverdaulichen Predigten der Bekehrer anzuhören, aber sie schenken denselben nur geringe Aufmerksamkeit. Ein Hauptmittel zur Bekehrung der Juden sind den Missionären ferner ihre Schulen. Sie besitzen eine Schule mit Internat, wo ungefähr 30 Kinder christlich erzogen werden und einen oberflächlichen Unterricht erhalten. Ferner haben sie eine Schule für Externe, die von einer Anzahl verschiedener Kinder aus der Stadt besucht wird. Dieselben sind in religiöser Beziehung einer doppelten Uebung unterworfen. Sie müssen einerseits dem christlichen Gottesdienste beiwohnen, an den Kirchengesängen Theil nehmen, das Evangelium lernen und den Sonntag festlich begehen. Anderseits läßt man sie zu Mittag eine koschere Mahlzeit halten, läßt sie den Sabbat beobachten und die hebräischen Gebete in der gewöhnlichen Weise hersagen. Auch die Mädchen sind von Seiten der Mission der Gegenstand derselben Aufmerksamkeit, wie die Knaben, und dieselben lassen sich auch in manchmal empfindlicher Weise beeinflussen. Vorgerückte Schüler werden bei verschiedenen tandwerkern in die Lehre gegeben. Man fährt fort, : zu unterhalten und über ihre religiöse Erziehung zu wachen. Die meisten verlangen die Taufe, das ist ja der Zweck und der Triumph der Mission. „Ein deutscher christlicher Schmied, der erste der Stadt", so schreibt unser Berichterstatter, „sagte mir, indem er mir einen jungen, durch die Mission bei ihm untergebrachten Israeliten zeigte: „Das ist der fünfte Lehrling, den ich von der Mission erhalte, nicht einer hat im Handwerk Erfolg gehabt, das ist ja auch nicht anders möglich; in oer Kirche bis 9 Uhr des Morgens, am Nachmittag Religionsunterricht, oft gänzliche Abwesenheit, was bleibt noch für die Arbeit?" Dieser brave Handwerker ist zu naiv, um zu begreifen, daß die Mission viel Wetter sieht, und daß einen Mund dem Schemah Israels „zu schießen für sie mehr Wichttgkett hat, als einen vortrefflichen Schmied oder einen vollendeten Schreiner auszubilden." Auch durch die ältliche Unterstützung sucht die Mission, unsere Glaubensgenossen zu fangen. Du die isr. Spitäler nicht ausreichen, nimmt man zu dem der Mission die Zuflucht, das nach Mischem Ritus unterhalten wird. Es gibt sehr wenige Famttien, selbst bei den Wohlhabendsten, die nicht den Arzt der Mission in Anspruch nehmen. Derselbe macht umsonst Besuche, gewährt gratis Medikamente auf deren Etiquette stets ixeh — 'n ’Jx und dazwischen das Kreuz, spricht wenig von der Religion und genießt großen Einfluß bei fast der ganzen jüdischen Bevölkerung der helligen Stadt. Denjenigen, welche ihre Kinder den Missionsschulen anvertrauen, werden Unterstützungen in Geld und in Naturalien, die Miethe, die Steuer gegeben, in einem Worte alles, was es ihnen ermöglicht, die Almosen aus der Stadt zu entbehren, und sie dazu bringt, sich aus dem ihren Glaubensgenoffen bereiteten Aergerniß nichts zu machen. Streiügkeiten und Schlägereien entstehen zuweilen zwischen den von der Mission protegirten Inden und ihren Glaubensgenossen, dem Gegenstand ihrer Erbitterung. In allen Gelegenheiten ermangett die Mission nicht, die Zähne zn zeigen und zum Schutze ihrer Schützlinge den Arm der Sicherheit anzurusen, gewöhnlich den englischen oder amerikanischen Consuk, welche offiziell oder offiziös zu Gunsten der Verehrer der Mission interveniren, welche sozusagen immer Recht haben. Ein neues Netz, womit die Mission ihre arme» Opfer zu sangen glaubt, ist die Errichtung von Ackerbaukolonien. Die Gesellschaft hat für die Summe vou mehr als 2000 Pfund Sterling ein bei Artous, nicht weit von Bab-el Waad gelegenes Terain gekauft. Ein Theil der eingewanderten Juden, die sich dahin begeben hatten, ist schon wieder zurückgekehrt, sei es daß die Wirklichkeit ihren Erwartungen nicht entsprochen hat, oder daß sie endlich das durch die Mission beabsichtigte Ziel eingefehen haben. Der Inspektor dieser Colonie ist ein gewisser Moritz Hall, ein getaufter Jude. Man berichtet, daß er gesagt haben soll: „Ich hoffe, daß noch vor Ende eines Jahres in Artous kein einziger Jude mehr sein und man mich als Herrn des Platzes dort laffen wird." Die Zahl der Uebertritte zum Christenthum unter den Eingewanderten und den einheimischen Durstigen beläuft sich seit mehreren Jahren aus kaum 2S. Aber schon die bloße Berührung mtt der Mission übt