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Der Israelit · 1884-07-10 · Heft 55 (10.7.1884) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 55 (10.7.1884)
Date
1884-07-10
Page
– (sequence 10)
Language
German
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die und Commerzienräthe durch die Thüre der Synagogen?" Damit er aber nicht in dm Verdacht gerathe, als schmerze ihn die Abwesenheit dieser hohen Herren bei seinen gewiß sehr geistreichen aber trotzdem wahrscheinlich nicht anziehenden Reden, denn wären sie anziehend, so müßte ja Publikum da sein und daran scheint es überhaupt, wie wir gleich sehen werden, zu fehlen, erklärt er sich dahin: er „begnüge" sich mit diesen diia majorum gentium, denn wenn erst diese kämen, würden schon die Uebrigen folgen. Nun, wir wollen von diesem freimüthigen Bekenntniß Act nehmen. Also nicht einmal die Menschheit unter dem Commerzienrath, von welcher man immer glaubte, voraussetzen zu dürfen, daß sie mehr Zeit für ihren Gott übrig habe, als die durch Geschäft und Genüsse stark in Anspruch genommenen Groben, also auch diese fühlt sich nicht veranlaßt, den Tempel zu betreten; man muß bekennen, daß die Reform es herrlich weit gebracht hat. Die Orthodoxie, bei der der Tempel nicht das Eins und Alles der Religiösität ist, hat sich niemals darüber den Kopf zerbrochen, wie man die Synagogen fülle; man gehe doch einmal in die großen Städte und auf die Dörfer, wo die Reform noch nicht den Einzug gehalten, oder wo man es verstanden hat, sie nicht zur Alleinherrschaft gelangen zu lassen, da sind die Synagogen gefüllt, die Haupt- und Nebensynagogen, auch wenn nichts gesagt und nichts gesungen wird. Die Angst, die die Herren übermannt, wenn sie ihre leeren Synagogen betrachten, begreifen wir recht gut. Sie müssen sich wohl sagen, wenn dem einzigen Kreise, auf den ihre Wirksamkeit sich erstreckt, daS Publikum nach und nach verloren geht, die Gemeinden doch mit der Zeit auf den Gedanken kommen müssen, daß die Herren, die sich „Rabbiner" Lituliren -lassen, eigentlich ganz überflüssig seien, daß die Ehre, einen „Rabbiner" zu haben, doch eine gar kostspielige sei, und man sich einen Funktionär, der das Wenige, was noch zu leisten ist, viel billiger verschaffen könne, wenn man sich dazu entschlösse, von dem Besitze eines an sich ganz überflüssigen „Rabbiners" abznsehen. Daß die Herren also um ihr Amt besorgt werden, wenn die Synagogen veröden, ist ganz natürlich, und daS nehmen wir ihnen am wenigsten übel. Denn wir gönnen es ihnen, daß sie wenigstens die Mizwah übe», für die Existenz ibrer Frauen und Kinder zu sorgen: #o» onscn r-y Vaa nipis nmy inrx Nun die Lage ist verzweifelt, und daS mag wohl auch den Vorschlag des Herrn Dr. Goldschmibt erklären, nicht entschuldigen. Es ist kein eigenes Fabrikat, das Herr G. der Welt zum Beschauen vorlegt; der Gemeinde-Vorsteher Herr Gotthelft in Cassel ist der Erfinder, Herr Dr. G. versieht die Idee des Herm Gotthelst mit seinem Beifall und bringt sie, dieselbe dem Wohlwollen des Publikums euipfehlend, — auf den Markt. Wie sieht aber das von Herm Dr. Goldschmidt so warm empfohlene Mittel zur Hebung des religiöse« Sinnes ans? Es wird vorgeschlagen: „Neben dem üblichen Sabbat-Gottes „dienste Sonntags-Gottesdienste mit „Predigt einzuführen." (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und CorresHondenzen. Rußland. Petersburg. 2. Juli. Es heißt jetzt, die Regierung sei anläßlich der jüngsten Judenhetze doch entschlossen, im Herbste Schritte zur Regelung der Judenfrage zu thun. Vor Jahr und Tag bemerkte ein Moskauer Blatt mit Recht, daß im Sommer mit Regelmäßigkeit die Realisirung von so und so viele» Projekten für den Herbst in Aussicht gestellt würde, und wenn man in den Zeitungen ein Jahr zrrrückblättert, so findet man bereits dieselben Verheißungen, ohne daß diese unterdessen der Erfüllung näher gekommen wären. So ist es in der That, und man kann deshalb nicht viel daraus geben, wenn jetzt von irgend einer Seite solche Sommerverfprechungen gemacht werden. So lange die Regierung nicht begreift, daß die Hetzereien mehr der Habsucht und Rauflust, als dem Raffen-und dem Cousessionshader entspringen, daß sie sich leicht gegen eine andere Seite richten und einen allgemeinen und sehr bedrohlichen Charakter annehmen können und daß dadurch unter allen Umständen den anarchistischen Bestrebungen kn die Hände gearbeitet wird, dürste sie auch keine energische Maßregeln ergreifen, denn lediglich der Juden wegen ergreift sie dieselben gewiß nicht. Ein wüster Artikel der »Now. Wranja", der zn neuen Krawallen auffordert, übrigens aber nicht bekremden kann, da der Standpunkt des Blattes in dieser Hinsicht genugsam bekannt ist, veranlaßt die hiesige Wochenschrift „Woschod", die Anwendung der Strafgesetze auf die Preßorgane zu verlangen, die sich der Rassenverhehung schuldig machen. Palästina Au- Jerusalem. Einen Berichte über verschiedene, unsere Glaubensgenossen in der heiligen Stadt betreffende Verhältnisse entnehmen wir folgende interessante Einzelheiten. Man schätzt die Zahl der jüdischen Bevölkerung Jerusalems gegenwärtig auf /

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