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Der Israelit · 1884-07-10 · Heft 55 (10.7.1884) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 55 (10.7.1884)
Date
1884-07-10
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXV. Jahrgang. :*•; - -. Erste Seilage zu Nr. 55 des Israelit. LeLte«-er ArtkLel. Eine Irucht der Kerliner Hiabömer- Uersammknng. 8. Die Berliner Rabbmerversammlung hat getagt, und viele schöne Reden sind ungehalten geblieben,- viele schöne Vorschläge konnten nicht ans Tageslicht gelangen, was Wunder, daß diese ungehaltenen und unterdrückten Vorschläge den betreffenden Herren Magen- und Leibesbeschwerden machen und ihren natürlichen Ausweg in dem Blatte suchen, das sich zum Leiborgane der Rabbinerversammlung gemacht, und über welches der Herr Redacteur so viel Liebes und Gutes von seinen Amtsbrüdern unter strengstem Ausschluß der Oeffentlichkeit hat hören müssen. Als eine der ersten Früchte in der Aera der Rabbmerversammlung gezeitigt, aber erst post festum gepflückt, präsentirt uns die dir. 27 der „Jsr. Wochenschrift" einen Leitartikel aus der Feder des Herrn Dr. Goldschmidt, Rabbiner zu Weilburg, desselben Dr. G., der in seiner übergroßen Bescheidenheit sich es verbittet, daß man ihn als Schüler des Dr. Hlldesheimer ausehe, der vielmehr als Kollege betrachtet sein will. «Zur Hebung des religiösen Sinnes," so betitelt sich der Artikel, der seine Vorschläge mit einigen rechtfertigenden Sätzen einleitet. Die Nabbinerversammlung resignirte, so hören wir, auf den zweiten Punkt der Tagesordnung einzugehen; was aber der Versammlung die Pflicht der Selbsterhaltung (sie!) auferlegte, das sei für den Einzelnen nicht bindend und darum nehme er, Herr Goldschmidt, das in der Versammlung fallen gelassene Thema auf. Nun kommt zuerst die übliche Klage über den „modernen Zndifferentismus;" sie ist wirklich rührend diese Klage, es Hat etwas Tragisches an sich, einen Vater über sein uugerathenes Mud klagen zu hören, und wer der Vater des ZMfferentismus ist? Diejenigen, die die Ehre Hecken, von der „Wochenschrift" allwöchentlich ange —, nun ja, angeschricen zu werden, dursten die Vaterschaft mit reinem und ruhigem Gewissen ablehnen. Dieser Schmerzensschrei würde uns nun vielleicht Thränen entlockt haben, wenn Herr Goldschmidt nicht mitten in {mm Schmerze einen grandiosen Witz gerissen hätte. Der religiöse Jndifferentismus sei ein Goliath. Der alte Goliath war aber „ein Philister in der studentischen Bedeutung dieses Wortes nur dem Namen nach," der wollte kämpfen, der Jndifferentismus sei aber Philister durch und durch, der wolle Ruhe'haben, und darum, sei ihm schwer beizukommen. Wenn man noch solche Witze machen kann, da muß der Schmerz wohl nicht zu tief gehen, und wir dürfen unsere Thränen über den unglücklichen Vater sparen. Daß die Logik bei dieser Gelegenheit in die Brüche geht, denn wenn Einer „ein Philister in der studentischen Bedeutung dieses Wortes nur dem Namen nach" ist, so ist er eben ganz und gar nicht ein Philister in der studentischen Bedeutung dieses Wortes — das wollen wir dem Herrn nicht aufmntzen; in einer Rabbinerversammlung, die mit dem logischen Unicum debutirt, daß Debatten über religiöse Differenzpunkte ausgeschlossen seien, kann Einem die Logik schon abhanden kommen. Worin wird nun der Mangel an religiösem Sinn erblickt? In dem schwachen Besuch der Synagogen. Und was ist das Mittel, das zur Hebung des religiösen Sinnes anznwenden sei? Die Leute zum Synagogenbesuch zu bewegen. Synagoge! Das ist ja bei diesen Leuten daS Alpha und Omega aller Religiosität. Freilich, wo für das Leben die Thora außer CourS gesetzt ist, da soll die Synagoge wenigstens das Winkelchen sein, in dem man sich seines Judenthi-rnL erinnert. Daß aber nach wahrhaft jüdischer Anschauung Äe Synagoge überhaupt erst eine Berechtigung habe, wenn das ganze Leben bis in seine kleinsten Einzelheiten der Thora sich unterordnet, daß die Synagoge nichts ist, wenn nicht die Gesammtheit von der Verpflichtung durchdrungen ist, jüdisch zu leben, daß die jüdische Gesinnung in den Tempel schon mitgebracht werden soll, daß erst es heißt: rw nopn ’mPDtp und dann erst wo’n ntnpo das Alles wird von den Herren, die den Schwerpunkt des jüdischen Lebens in die Synagoge legen, nicht berücksichtigt. Sind die Synagogen besucht, dann geben die Herren sich zufrieden, alles Andere ist ihnen Nebensache, während es doch umgekehrt sein sollte. ' Darum fragt also unser Gewährsmann, wenn er nach Mitteln für die Hebung des religiösen Sinnes sucht: „Wie bringt man die Herren Barone, Ritter

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