Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 55 (10.7.1884)
- Date
- 1884-07-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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910 Monotheismus und dem Verbot nicht bloß der Cultusbilder, sondern aller Bilder, sobald sie lebende Wesen darstellen lsie ließen ja zu Tausenden sich hinschlachtenehe.sie einen römischen Adler als Feldzeichen in ihr Land kommen ließen), erscheinen. Wollen sie das nicht zugeben, so kann daraus nur auf ein böses Gewiffcn geschloffen werden." Das also ist die Gelehrsamkeit des Herrn Professors 1 Er gibt ein Urtheil ab über den Schulchan Aruch. ohne ihn genau zu kennen, ja, ohne die Religionsvorschrift recht zu verstehen, die doch im Dekalog enthalten ist! Also alle Bilder, sobald sie lebende Wesen darstellen, seien verboten!! Jedes jüdische Kind, das m,t seinem hölzernen Schäfchen oder Pferdchen spielt, jedes jüdische Mädchen, das einen Käfer oder einen Schmetterling als Busennadel trägt, wird den gelehrten Herrn Professor Lügen strafen. Und daß es erlaubt ist, Gestalten von Thicrcn, Vögeln, Fischen zc. darzustellen, — freilich, nicht um sie anzubeten — ist im Schulchan Aruch, Joreh Deoh c. 141, §. 6 ausgesprochen. — Daß unsere Voreltern sich der Invasion der Römer mit aller Macht erwehrten und um das Vaterland zu vertheidigen, gern und freudig schaarenweis in den Tod gingen, das bezeichnet der Herr Professor doch in ganz eigenthümlicher Weise! Wir empfehlen ihm, die Vorschriften über Abodah Sarah nach den Quellen, nach Mischnah, Talmud, Glossatoren und Codices, nicht aber nach Eisenmenger und Genossen zu studiren, und er wird dann nicht allein selbst cinsehen, sondern auch gewiß öffentlich erklären, daß wir die Christen nicht für Götzendiener halten, und daß demnach die Anklagen der Justus, Rohling rc. durchaus unbegründet und schändliche Verläumdungen sind. - Möge bald die Zeit herankommen, in welcher Jrrthum und Lüge von der Erde verschwinden, in welcher alle Menschen die Worte des Propheten sich zur Richtschnur nehmen: „Haben wir nickt Alle Einen Vater, hat nicht Ein Gott -uns erschaffen — warum sollen wir treulos handeln Einer gegen den Andern?" Zwischen den Marken. Von Rabbiner Dr. Ehrmann. HL Der Fasttag des vierten Monats ist dem Andenken an den Verfall Israels, der Fasttag des fünften Monats aber ist der Zerstörung seines Gottesheiligthnms, dem Falle Zions geweiht. Des Niedergangs seines eigenen Geschicks gedenkt das jüdische Volk fastend, aber an dem Tage, an dem das Heiligthum seines Gottes eingeäschert und so das sichtbare Unterpfand Seines Westens inmitten Israels und der Menschheit vernichtet wurde, an diesem Tag verbindet er mit dem Fasten noch die Trauer. Ist Israels ganzer Beruf, ein heiliges Volk und ein Reick von Priestern zu fein, die der Menschheit das getrübte Bewußtsein von seinem Gotte und Seinem Gesetze in voller Klarheit als unverlierbares geistiges Eigenthnm erhalten und wiederbringen sollen, ist die Erfüllung dieser Aufgabe der Beitrag den Israel für die Entwickelung der Menschheit nach dem Plane ihres himnilischen Vaters beizusteuem hat, ließ zur Verwirklichung dieser Aufgabe Gott sich inmitten seines Volkes sichtbar in einen nnyn pvo an einer Stätte nieder, die lautes Zeugniß dafür ablegte, daß Gottes Schechina in Israel weile, dann kann es keinen härteren Schlag für dieses Volk geben, als der Zusannnensturz dieses Gottesheiligthums, wie er am 9. Ab erfolgte. Dieser Zusammensturz hat dann vor aller Welt bekundet, daß Israel nicht die Aufgabe erfüllt hat, für die es lediglich ins Daseim gerufen wurde, daß in Folge dieser Versündigung Israels an seinem Lebensberuf, die Schechina keine Stätte im Kreise der Menschen mehr hat, daß sie sich zürnend zurückgezogen und das von Gottes schützender Nähe verlassene heilige Land dem Schwerte der Eroberer, das einst von ihr erfüllte Heiligthum der Verwüstung und Israel selber der Verachtung seiner Feinde überantwortet hat. Wo diese Verachtung sich äußert, wo man Juden schmäht, wo man Juden höhnt, wo man sie verfolgt und wo man sie beleidigt, indem man sie duldet, statt sie. als Menschen zu achten, alles Leid und alles Weh fließt aus den Trümmern des am Tischah be Ab zerstörten Gottesheiligthums. So hatte es in feiner Scheidestunde der große erste Führer seinem Volk bereits Jahrhunderte voraus verkündet: .r6än rojnn uistsa »mpn pst o sortOTpamDK» „An jenem Tage, an welchem Gottes Zürnen in dem Feuerschein des von Barbarenhand angelegten Tempelbrandes aufloderte werde ich sie verlasse» und mein Antlitz von ihnen verbergen, es wird als Fraß dienen und es viele Leiden und Drangsale treffen, es selber aber wird an jenem Tage sagen, nur weil Gott nicht mehr in meiner Mitte ist, treffen mich diese Leiden." (V. C. M. 31.17) Diese verhängnißvolle göttliche Verkündigung constatirt, daß die schweren Leiden, welche die Judenfeinde aller Zeiten über Gottes Volk verhängen, in Wirklichkeit nicht Racenhaß und nicht religiösen Fanatismus zum Ursprung haben, sondern ron das Streben sich durch Aussaugung und Plünderung der Juden zu bereichern, die gebogenen Nasen, die dunklen Augen und Haare und die absonderlichen religiösen Gesetze sind nur fadenscheiniger Vorwand, sind nur das, was für die Schlange der Geiser ifc