Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 55 (10.7.1884)
- Date
- 1884-07-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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von unfern Feinden immer und immer wiederholt, nm den Pöbel gegen uns aufzuhetzen und zu. mittelalterlichen Judenverfolgungen anzureizen. Wir wollen damit nicht fügen, daß bei Herrn Professor Dr. Gildemeister diese Absicht in dein von ihm erstatteten Gutachten zu Grunde gelegen habe; aber derartige Jrrthnmer der Männer der Wissenschaft können die schlimmsten Folge haben und haben sie auch schon gehabt. Die schrecklichsten Excesse gegen unsere Glaubensgenossen in Rußland, Ungarn und andern Ländern sind auf die antisemitischen Hetzschriften zurückzuführen, die wiederum in derartigen falschen Behauptungen ihren Grund haben. Das Wort „Aknm" bedeutet, wie der Herr Professor ja selbst auseinandersetzt, Götzendiener. In dem jüdischen Schriftthume ist tausendmal erklärt worden, daß die Bekenner der monotheistischen Religionen nicht darunter verstanden seien. Was veranlaßt nun Herrn Gildemeister und dessen Vorgänger Eisenmenger, Rohling, Justus rc. trotz allem Dem zu behaupten, daß dennoch unter „Aknm" auch die Christen verstanden seien? Der einzige Beweis, den sie dafür Vorbringen, sind einige Stellen im Traktat Abodah Sarah (f. 6 a. u. 7 b.), in welchem der erste Wochentag, der Sonntag, als ein heidnischer Feiertag bezeichnet wird. Dieser Beweis ist aber ein völlig unzutreffender. Der erste Tag der Woche, der Sonntag, wurde schon von heidnischen Völkern als ein Festtag gefeiert, lange ehe das Christenthum existirte. Er war der Sonne geweiht, woher auch der Name entstanden sein soll. 'Die ersten Christen begingen den jüdischen Sabbat als einen Ruhetag. Als solcher wurde der Sonntag erst im Jahre 321 nach der gewöhnlichen Zeitrechnung durch Kaiser Conftantin befohlen. Daß im Talmud ein heidnischer Feiertag gemeint ist, der an jedem ersten Wochentage gefeiert wurde, soll im Folgenden nachgewiesen werden. Im Tractat Sophertm C. 17. Halachah 5 und im Tractat Taanith f. 27 b. wird erzählt, daß zur Zeit, als der heilige Tempel noch stand, Wgesandte ans ganz Israel in Jerusalem den die Opfer darbringenden Priestern (-iq»d -Mrr) beigeordnet waren ("ioyo 'r^rr). Diese versammelten sich in der. Synagoge und verbrachten die ganze Woche betend und fastend, mit Ausnahme des Sabbats, weil man an ihm nickt fasten darf, ferner des Freitags, weil an ihm die Vorbereitungen für den Sabbat getroffen werden mußten und endlich des Sonntags 'jsd on owe» Ta« '2 -n noiP sOzr j^onasi « v'V'tw „wegen der Heiden, damit diese nicht sagen: Weil der erste Wochentag uns ein Freudentag ist, fasten sie. — *) So in Sopherim; in Taanith »ist». Es handelt sich hier um eine Zeit, in welcher der christliche Sonntag noch gar nicht existirte. Die Einrichtung der zn den Opfern abzusendenden Deputation icyo '«»re war uralt; sie wir!» den ältesten Propheten zugefchrieben. -oy n rr stim nnp vier i»sse re .* D'N'22 YJpCV 'P'B1? \"j"l >21 bp „Da es nicht denkbar ist, daß die Opfer der. Gemeinde ohne die Vertreter derselben dargebracht werden, deßhalb haben die früheren Propheten diese Deputationen eingeführt." (Maimonides Hilchoth Kle Mikdosch C. 6, § 1). Viele Jahrhunderte vor der Entstehung des Christenthums und vielleicht ein Jahrtausend oder noch länger vor der Einsetzung des christlichen Sonntags haben die Deputirren der jüdischen Gemeinde beim Opferdkenste im heiligen Tempel "icyo '»j« am ersten Wochentage nicht gefastet, um den Richtjuden kein Aergerniß zn geben, weil diesen der erste Wochentag als ein Freudentag galt. . Es ist also erwiesen, daß der erste Wochentag, der im Talmud Abodah Sarah als heidnischer Festtag erwähnt wird, nicht der christliche Sonntag ist, insoweit wir unsere Talmudausgaben zn Rathe ziehen. Nun behauptet aber Herr Professor G., daß die Gemara zu den heidnischen Festen auch den Tag des Nazareners zähle. In unfern Talmudausgaben finden sich diese Worte nicht vor; auch bezeichnet keine Censurlücke, daß etwas fehle. Dagegen deutet im Raschicommentar eine solche darauf hin. Und in der That, in den alten Talmuden stehen statt 'n di' die Worte nsu Di' und in Rafchi: ^inn TN Di' ütö onb ms» »'ttn wist bvr W1ZD2 N2»2 #sa. Allein, es sprechen außerordentlich viele Gründe dafür, daß sowohl das Wort nso in den alten Talmuden, als auch die soeben angeführten angeblichen Worte Raschi's Zusätze find, die irgend ein Späterer an den Rand geschrieben und die dann von den Abschreibern irrthümlich in den Text aufgenommen worden sind. Der erste und vorzüglichste Grund, der uns zu dieser Annahme veranlaßt, ist, daß Toffaphoth im Anfänge des Traktates Abodah Sara die allgemein feststehende Thatfache constatiren, daß die Vorschriften über den Verkehr mit den Nichtjuden an ihren Festtagen in Bezug auf die christlichen Sonn- und Feiertage nicht beachtet werden. In Folge dessen stellen Toffaphoth den Grundsatz auf, daß die Nichtjuden in unserer Zeit und in unseren Gegenden (die Verfasser der Tosaphoth lebten im 12. und 13. Jahrhundert in Frankreich, Deutsche land und England) nicht als Götzendiener zu betrachten seien. Es geht daraus hervor, daß Toffaphoth die Worte nsu o*.' nicht vor sich hatten. RaW,” der älter ist als die Verfasser der Toffapoth (die ältesten Meister der Toffaphisten-Schulen waren seine