Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 54 (7.7.1884)
- Date
- 1884-07-07
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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898 Ha, ha, ha! Weißt Dn, daß Deine Liebe erwiedert werden wird, daß Du so eilfertig mit dem Verlieben bist? Und wenn schon diese Liebe erwiedert werden sollte! Willst Du dieses reine, edle Wesen an den Fluch Deiner Vergangenheit knüpfen? Willst. Du ihr, der Schuldlosen. Theil an Deinem sündvollen Leben geben? Wollen? — Ha! ha! ha! — Sind die Empfindungen und Gefühle der Menschen gleich? Bin ich denn überhaupt frei? Sind nicht die Fesseln, in welche das Weib mich gelegt, welches an meinem Unheil und Verderben schuld ist, nicht stark genug, um ein solches Glück zu zerstören? Nein, nein, armer unglücklicher Salomon! Für Dich gibt es kein solches Glück mehr! Weise daher jede Liebe zu einem Weibe aus Deinem Herzen, bevor sie feste Wurzeln geschlagen, denn ibr Weg führt Dich Deinem Verderben haltlos entgegen! Pflege und warte die Liebe zu Gott, den Du so lange verleugnest, suche den Frieden in den Bahnen der Thora zu finden, die Dich Dein Vater gelehrt. Eine solche Rahel verdient wohl die Gattin eines Stammvaters wie Jacob zu werden, nicht aber die eines abtrünnigen Solomons! Ich will----!" Ein lautes Pochen an der Thüre unterbrach ihn. Er riegelte die Thüre auf und ein Kellner trat mit tiefer Verbeugung ein. „De — de-der g — gnä — — gnädige He — — he — — Herr wo-wol — wollen gü —-gü -ti-ti—- -gütigst e-e-* entschuldigen;" stotterte der Kellner — „da-daß ich — -ich ge-ge-stö-rt — gestört ha-be. Die-- die Po- Po --Post ha-hat so eb — — ben — soeben die —-diese zwei-b —b — b — Brie — brie-Briefe fürfür — Sie-Sie ge-- — ge — gebracht!" — „Es ist gut" — versetzte der Amtsrichter wie geistesabwesend, indem er ihm den Rücken zuwandte — «Ich danke!" „Kch— kche — — kche!" — räusperte sich der Kellner. „Sie wünschen!" fuhr ihn der Amtsrichter an. „I-i-ich wo-wowollte nn-— im-nur sa — — f« — ge — ge — ge-sagen, daß ein He — He — Herr vo-von Bu-budu — row nach dem gnä — — gnä —- gnädigen Herrn g-g-- gefragt. E — — er wird Mo — mo-Morgen wiewieder vor — vor — vorsprechen l" „Es freut mich!" — erlviederte der Amtsrichter trocken. „Nun?" srug der Amtsrichter gedehnt, M der Kellner noch immer stehen Med. „Wo-wo-wo-- wollen de-der g — g — gnädige He — He— Herrr nicht soupi — Pi soupiren?" srug der Kellner mit der größten Gleichmuth weiter stotternd. Eine flanlmende Röthe stieg in das Gesicht des Amtsrichters. Er fühlte plötzlich, daß er schon mehr als sechs Stunden nichts genossen habe, und daß die Prüsungszeit der Aufrichtigkeit seiner gefaßten Vorsätze gekommen sei. „Nein" — versetzte der Amtsrichter beherzt — „ich werde hier nicht speisen!" „Nich-nicht?" — frag der Kellner ganz erstaunt. „Nein, ich werde in der jüdischen Restauration soupiren!" — brach e3 energisch über die Lippen deS Amtsrichter. - „S-s-so!" — stotterte der Kellner mit verblüfftem Gesichte — „da — dann emein-pfehle ich-ich mi --mich!" Er entfernte sich rasch, um seinen Amtsbrüdern die Neuigkeit mitzutheilen, daß der finstere Amtsrichter, wie er genannt wurde, ein semitischer Jude sei. - Der Amtsrichter betrachtete unterdeffen die Adressen der ihm überreichten Briefe. „Hm! von M...? Von wem mag es wohl sein?" sagte der Amtsrichter, nachdenklich sei» Haupt schüttelnd. Er wollte das Couvert erbrechen, als sein Blick auf die Schriftzüge, die die Adresse des zwetten Briefes trug, fiel — er stutzte und seine Sürn legte sich in Falten. Er warf den Brief von sich. „Von ihr!" murmelte erleise vor sich, während er in großer Ansregung im Zimmer aus- und abging. Seine Augen rollten wild und sprühten Funken der Zornesgluth , er machte eine Bewegung, als wollte er den Brief in tausend Fetzen zerreißen, er besann sich aber, ließ sich aus einen Stuhl nieder, erbrach das Couvert und las. (Fortsetzung folgt.) Die Fortsetzung der Erzählung „In Tagen der Prüfung" erscheint in der nächsten Nummer. Hierzu zwei Geilagen. Verantwortliche Redaction: Vr. Lehmann in Mainz. — Verlag und Expedition de» .JSraelit' große Bleiche 45. 3- GottSleben'I Buchdruckerei (Mainzer Anzeigers