Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 54 (7.7.1884)
- Date
- 1884-07-07
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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.! : •;i j i j ] : j M Kindes Lärm Wägt und die jüdische Bevölkerung den wüstesten Pöbelexceffen aussetzt. Die Dinge liegen bis jetzt noch so, daß die ungebildete» Rüsten der Regierung mit der Bedrückung der Juden einen Dienst zu erweisen meinen, weil sie sehen, daß die Juden in ihren staatsbürgerlichen Rechten äußerst beschränkt sind und gleichsam nur geduldet werden. Man fange i endlich an, die Juden aus ihrer geknechteten und unterdrückten Lage zu erheben, sieden übrigen Staatsbürgern gleichzustellen und sie vor polizeilichen Ehikanen und Nebergriffcn za schützen, dann wird man ihnen auch in den Augen des Pöbels eine andere Stellung gewähren. Aber was ist aus der sogenannten Judenkommission geworden? Natürlich existirt sie noch; sie arbeitete weiter, wie alle die anderen nutzlosen Kommissionen, die im Verborgenen blühen. Von Zeit zu Zeit verlautet einmal, daß sie dieses und jenes Material gesammelt habe und daß nun dies und jenes andere fehle. So geht das Jahr aus, Jahr ein, und trotzdem die Judenfrage akut ist, merkt man nicht, daß die Lösung um einen Schritt vorwärts kommt. Es ist eine vollkommen ftuchtlose Arbeit der Kommission, die alten Bestinnnungen über die Rechte der Juden zusammenzusuchen. Jedermann weiß, daß dieselben die größten Beschränkungen enthalten, und wenn die Judenfrage auf Grund dieser Bestimmungen gelöst werden soll, so kommen weder die Juden noch, die Negierung aus der Patsche heraus. Es handelt sich vielmehr darum, daß man diese veralteten Zustände abjchafft, den Juden volle Rechte und damit den Anspruch auf vollen Schutz gibt. Alle übrigen Auswege sind bloße Täuschungen. In erster Linie muß den Juden die Freizügigkeit gewährt werden, wodurch das Zusammendrängen der jüdischen Bevölkerung in den westlichen Gebieten aufgehoben würde. An vielen Orten sind die Juden nichts weiter, als ein gehetztes Wild, an dem jeder Gendarm sein Müthchen kühlen darf, ohne daß die Leute es wagen können, den Weg der Beschwerde zu betreten. Ich habe wiederholt hervorgehoben, daß der jetzige Minister des Innern, im Gegensätze zu seinem Vorgänger, nach Kräften der schlechten und ungesetzlichen Behandlung der Juden zu steuern strebt; aber sein Auge reicht nicht bis zu den entfernteren Provinzen. Auch die Arbeiten der Judenkommission vermag er nicht zu beschleunigen. Bekommen wir aber einen Minister — es sind zur Zeit wieder Gerüchte über den Rücktritt Tolstoi's verbreitet, der im Reichsrathe und besonders in einer bestimmten Persönlichkeit der kaiserlichen Familie eine starke Opposition gegen sich haben soll —, der laxeren Ansichten huldigt, so kann die Lage der Juden noch viel schlimmer werden. Fenillelo 11. Aus dem Leben eines orlhodoren Aabbiners. Skizze von Or. Sta . . . (Fortsetzung.) Armer, armer Amtsrichter hast Du deshalb so viele böse Erfahrungen in der Schule des Lebens machen müssen, um im Mannesalter Deine Zelt in unnützigen Träumereien zu vergeuden? Was ist ein Traum?! Welche endlose Entfernung von ihm zur Wirklichkeit!.. Der Amtsrichter war an's Fenster getreten und preßte seine Stirn gegen die Scheiben, schaute träumerisch und gleichgilcig auf die auf- und abwogende Menge der Straße. Plötzlich zuckte er zusammen und griff mit der Hand nach der Brust, nahm seinen früheren Platz ans dem Sopha ein, stützte den Kopf ans seine Hände und versank in ein tiefes Hinbrüten. Er mochte wohl so einige Zeit im tiefen Nachdenken zugebracht haben, als er wiederum aufsprang und in ei» lautes hohnvolles Lachen ausbrach. „Pfui, pfui! wie kindisch, wie erbärmlich kindisch!" — rief er mit Bitterkeit aus — -„Ist das Maaß meiner Leiden noch nicht voll, daß ich mich von einem Jrrlichte leiten lassen will, um in einen noch tieferen Abgrund zu versinken? Ist der Boden, ans welchen ich meinen Fuß setzte, nicht schwankend, daß ich ausgleiten muß? Ist es nicht eine Illusion, die mein Gemüth bewegt, die bei dem Sonnenschein der Nüchternheit in ein Nichts zerfließen muß? Warum träumst Du von Liebesglück und häuslicher Glückseligkeit, um bei dem Erwachen ans diesem Traum die ganze Leere Deiner Brust zu empfinden? Warum baust Du Luftschlösser, die Dich nachher die ganze Armut!) Deines Herzens fühlen lassen?-- — - „Pfui, pfui Salomon, pfui! Wie thöricht — wie erbärmlich thöricht bist Du! Hast deshalb soviel gelitten, deshalb so lange geduldet, um an dem Tage, an welchen! Dein Herz das Glück — den Frieden, die Aussöhnung mit Gott, mit Deinem Volke einpfnuden, wonach Dein bethörtes Herz sich so lange gesehnt, daß Du schon dieses Glück, diesen Seelenfrieden durch eine unsinnige Liebe anf's Spiel setzen willst? Armer geblendeter Thor! Hast wohl den Inhalt Deines Traumes überlegt? Lieben?