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Der Israelit · 1884-07-07 · Heft 54 (7.7.1884) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 54 (7.7.1884)
Date
1884-07-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
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896 das Gefühl empören, zu nichts Gutem führen könnten. Dann heißt es wörtlich: „Wenn wir wirklich eine Judcnfrage haben, so muß man sich um ihre Lösung bemühen. Stößt man dabei auf Schwierigkeiten, so müssen sie aufgeklärt und beseitigt werde». Es ist unmöglich» eine Frage fortbcstchen zu lassen, die bei den Volksmassen schlechte Instinkte wachruft und sie zu Excessen und Rohheiten verlockt. Möge das Gesetz, so oder so, die Lage der Inden bei uns präzisiren — aber durchaus unzulässig ist cs, daß Tumultanteuhausen auf thicrische Weise mit russicheu Unterthanen, russischen Staatsbürgern, wer sie auch seien nud wofür es auch sei, nach eigenem Gutdünken verfahren. Selbst wenn auch irgend welche ernstliche Anlässe znVorurthcilen und Feindseligkeiten gegen die Juden für die lokale Bevölkerung vorhanden sein sollten — eine derartige Lynchjustiz darf nie geduldelt werden. Es ist konstatirt worden, daß selbst in unserem Westgebicte, wo die jüdische Bevölkerung eine so ungeheuer dichte und wo sie zu eiilcm Proletariat geworden ist und zu einer Masse kleiner Krämer, die auf Kosten der christlichen Bevölkerung und sogar der eigenen Glaubensgenossen leben — daß sogar dort die Leidenschaften entfacht wurden immer nur von außen her und daß auch dort nicht sowohl die ständige seßhafte Bevölkerung, sondern eine Wanderbevölkernng die jüdischen Behausungen überfiel. Und sind diese Hetzen überhaupt doch erst in den letzten Jahren in Aufnahme gekommen, wie auf ein gegebenes Signal hin! Auch in Süd-Rußland trug die antisemitische Bewegung offenkundige Spuren irgend einer Agitation .... Ist denn in Rishni-Nowgorod eine solche Erbitterung gegen die Inden anders denkbar, wenn sie nicht das Resultat irgend einer verbrecherischen Agitation ist, die den Umstand benutzt, daß der Jude bei uns gewissermaßen „außerhalb des Gesetzes" steht? Wenn Herr Katkow nur auch das Seknige dazu beitragen möchte, diesem unleidliche Zuständen ein Ende zu.machen. Berlin. An deniselben Tage, an welchem der sel. Rabbiner Zomber verschied, starb dahier ein Schüler des großen ttk xirpy'-i, Herr Heimann Alexander, welcher von ganz seltener Begabung war, und in jsc'mcr Jugend zu den hervorragendsten Talumdschülcrn zählte. Wahrhaft hervorragend war er in der Bethätigung von o'iDn 'bn:j. Gott hatte ihn begnadet mit einem cWcn guten Herzen, wie dieses selten zu finden ist. Die Armen hatten keinen besseren Annehmer, die Bedrängten keinen theilvchmendcren Helfer oderBerather als Herrn Heimann Alexander. Er betrachtete' die Armen als seine natürlichen Schutzbefohlenen, denen man nicht blos Zllmosen zu geben, sondern für deren Wohl man auch zu sorgen hat. Herr Alexander starb in temem 76. Lebensjahr. Schwer wurden wir Alle, die ihn konnten, von dieser Trauerkunde betroffen. rDs'V. Frankreich. Paris, i. Juli. Bezugnehmend aus meine Nachricht über die Unruhen in Algier, theile Ihnen mit Gegenwärtigem den Wortlaut eines Artikels des hier crscheinden bedeutenden Journals „l'Evönement" mit. Dasselbe schreibt unter heutigem Datum. Die republikanischen Blätter können gar nicht genug gegen den religiösen Haß und gegen die lächerlichen Vorurtheile, die man gegen die Juden hat, anstreten. — Müssen wir, so fahrt genanntes Blatt fort, erst darauf aufmerksam macken, daß eine große Zahl Israeliten momentan in Frankreich, Algerien, Tunis und Toukiu unter den Waffen stehen. Haben nicht die Israeliten erst im Jahre 1870 ihren Pflichteifer auf das Deutlichste bewiesen? Das Vaterland ist daher den Israeliten absolut dieselbe Hülfe und Beistand schuldig, als den Andersgläubigen. Der Maire von Algier hat sich daher vor allem entschlossen, mit aller Härte gegen die Ruhestörer von vergangenem Samstag und Sonntag vorzugchen und da, wie immer, es meistens Ausländer sind, deren sofortige Ausweisung zu beantragen. Antisemitische Unruhen werden in Frankreich absolut nicht tolerirt. Rußland. Petersburg, 30. Juni. Die Judenhetzen in Nishni-Nowgorod haben unsere politischeSommerstille in sehr unangenehmer Weise unterbrochen und geben den Journalen Veranlassung zu langen Auseinandersetzungen, wie solchen Krawallen vorzubeugen sei. Man kann diesmal mit Genugthung konstatiren, daß die Gefammtheit der angesehenen Presse sich mit Entrttstnng über die schmachvollen Vorgänge äußert, die allgemeine Gefahr derselben anerkennt und strenge Präventivmaßregeln fordert. Aber in letzterer Beziehung tappt man hier »noch im Dunkeln herum. Mit der Bestrafung der Schuldigen, wenn sie auch noch so strenge ansfällt, ist zunächst nur wenig gethan, denn erfahrungsmäßig wirkt dieselbe nicht lange abschreckend. Man muß endlich die Axt an me Wurzel legen und Muth und Energie genug zeigen, um an Stelle der halben ganze Maßregeln zu ergreifen. Mit den eingewurzelten Borurtheilen einer unwissenden und allznschnell fanatisirten Menge läßt sich nicht sofort ausräumen und es kann sich selbst unter den günstigsten Verhältnissen wiederholen, daß ein verrücktes Weib wegen eines angeblich geraubte«

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