Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1884-07-03 · Heft 53 (3.7.1884) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 53 (3.7.1884)
Date
1884-07-03
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2449406-2449456--20410-2509938
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

bedkenstel gewesene Sidonie Etford bei Seite geschafft, um durch Drohung und Furcht das von ihr zu erlangen, was sie ihm im Gefühl ihrer Frauenwürde nicht gewähren konnte und wollte. Schon dachte sie daran, das ganze Getriebe dieses Elenden zu entschleiern, unverholen ihren Verdacht klar zu legen, doch würde er -sie dann nicht wegen Verleumdung anklagen, wohl gar in's Gefängnis; schleppen lassen, um sie sicher in seiner Gewalt zu haben? Um nickt von ihren Kindern getrennt zu werden, mußte sie schweigen; sie hatte ja jetzt doppelte Pflichten zu erfüllen und mußte als kluge Frau trachten, das Schicksal ihres Gatten günstig zu gestalten. Unfähig, am kommenden Versohnnngstaae nach dem Tempel zu gehen, betete sie daheim mit ihren Kindern. Ihre Augen waren geröthet, ihre Wangen eingefallen; sie war kaum der Schatten ihrer selbst. Um den stechenden Kopfschmerz zu verscheuchen, trat sie einen Augenblick an das halbgeöffnete Fenster. Wie von der Tarantel gestochen, prallte sie zurück. Draußen stand mit grinsend freundlichem Gesicht Oberst Metkof und flüsterte: „Nun, schöne Frau, hoffen wir, daß noch Alles gut wird! Ich erwarte Sie heute Abend 9 Uhr im Stadtwäldchen!" Keines Wortes mächtig, sankNebecka auf ihren Sessel zurück. „Elender Feigling!" wollte sie ihm zurnfen, doch ihre Zunge war gebannt. — „Diese Schmach!" rief es in ihr. „Ist der Elende, der es wagt, einer ehrbaren Frau solche Zumuthnnge» zu machen, nicht werth, daß mau ihm eine Kugel durch den Kopf jagt? — „Ja, ich werde gehen!" sagt sie sich nach einer Weile, „aber züchtigen werde ich ihn, daß er sein Lebtag an diese Stunde zu denken haben wird." Sie erhob sich, schloß den Secretär auf, in dem ihr Gatte den Revolver, den er stets auf Reisen mit sich zu führen pflegte, verwahrt hatte; doch die Mordwaffe entfiel ihrer Hand. Heute, am heiligen Versöhnungstage, der nur frommen Empfindungen geweiht sei, da Verzeihung und Versöhnung iit die leidenschaftlich aufgeregten Herzen einziehen sollten, heute wollte sie ihre Hände mit Blut beflecken? — Starren Blicks betrachtete sie daS todtbringende Instrument. „Verdient er nicht den Tod?" fragte sie sich wieder. „Soll ich es ruhig mitansehen, daß man meinen Gatten am heiligsten Tage in's Gefängniß schleppt? Soll ich es ruhig mit anhören, daß derselbe Mann, der die Jntrigue eingefädelt, mir entehrende Anträge stellt, als ob ich eine feile Dirne sei, die nur des Lockrufs wartet? — O Gott, Gott!" fuhr sie in Schluchzen ausbrechend fort, „was habe ich gesündigt, daß Du mich so schwer strafst?" Der Thränen erlösende Kraft milderte den herben Schmerz, der ihre Seele zu zerreißen schien. Allmählich wurde sie gefaßter, verschloß den Revolver wieder und griff nach dem Gebetbuch. — Sie betete lange und innig; ei» stiller Friede verklärte nach und nach die aufgeregten Züge; es schien, als ob ihr im Gebet Trost und Beruhigung kämen. Müde und abgespannt, lehnte sie nach einer Weile in ihrem Sessel zurück. „Ich werde ihm in's Gewissen reden!" dachte sie; „er ist ja ein Mensch und muß menschlich fühlen. Ich werde ihm meinen Schmerz schildern, von meinem Gatten getrennt zu sein, ihm zu verstehen geben, dass er die Beleidigung, die er mir angetha», nur damit sühnen könne, daß er Simons Freiheit erwirkt; er soll wissen, daß eine ehrbare jüdische Frau Anträge, wie die seinigen nie hören darf, daß sie lieber stirbt, ehe sie einen Schandfleck auf ihrem Name» duldet! Gibt er jetzt vor, mich zu lieben, so soll er mich achten lernen und einsehen, daß er mir schweres Unrecht zugefügt." (Fortsetzung folgt.) Räthsel. Weil es so gehalten Schon von unsren Alten, Heilig sei's für alle Zeit, Gleich der Thora Heiligkeit. Willst Du's rückwärts lesen, Martet's auf die Bösen; Zwar sollt' noch ein Jnd' drin fein. Sorgt, daß Keiner kömmt hinein^ Leny, Trier. Auflösung erfolgt in Nr. 55. Die Namen der richtig Losende» werde», wen» »ns solche bis längstens Dienstag Vormittag den 8. Juli zngegangcn, in der solgende» Nummer verojsentlichr. Auflösung des Räthsels aus Nr. 5t: IM Nichtige Lösungen sandten ein: David Schapir aus Memel. S. M. Bachrach aus ElmS» Horn. <5. N. Posen. Mar Millner auS Memel. Die Fortsetzung der Erzählung „Aus dem Leben eines orthodoxen Rabbiners" erscheint in der nächsten Nummer. Hierzu zwei SBettaftett» DerSNtrssrtltche Redaktion: Dr. Lehmann in Mainz. — Verlag und Expedition des ,ISra,Ut* groKe Bleiche 48» 3» Gottrieben'» Buchdrucker«» (Viainzer. Anzeigers

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.