Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1884-07-03 · Heft 53 (3.7.1884) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 53 (3.7.1884)
Date
1884-07-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2449406-2449456--20408-2509936
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

880 Ianber auf Erwerb von Grund und Boden auf den, fast mit allen europäischen Staaten, sowie mit den Vereinigten Staaten von Nord-Amerika abgeschloffenen Vertrage, welche von unserem gesetzgebenden Körper angenomnien worden sind und daher die Kraft von Landesgesetzen erhalten haben. Sie sind obligatorisch für die Gerichte, wie für alle andern Laudesbehörden. Wcnb diese Gesetze in Kollision mit den betreffenden alten Gesetzen sind, so ist es selbstverständlich, daß diese letzteren beseitigt erscheinen und die neuen gesetzlichen Bestimmungen zu gelten haben. Die Landesgerichte haben daher einzig und allein Rücksicht auf die neuere Gesetzgebung zu nehmen. Im Sinne dieser internationalen, zur Gesetzeskraft erwachsenen Akte müssen wir allen fremden Nnterthanen, also auch den Juden, das Recht gewähren, unbewegliches Eigcnthum in Serbien zu erwerben. Ist aber dem so, so existirt kein berechtigter Grund, unseren jüdischen Nnterthanen dieses Recht vorzuenthalten, und dies umsoweniger, als nach dem Berliner Vertrage das religiöse Bekenntniß die Gleichberechtigung der Staatsbürger nicht alterirt. Die Landesgerichte, bemerkte der Minister zum Schluffe, haben sich von diesem Gesichtspunkte leiten zu lassen und stets Rücksicht ans die Bestimmungen der neuen Verträge zu nehmen, welche, wie jedes andere Gesetz, obligatorisch sind. Rußland. Moskau. Herr Poliacoff dahier hat dem Montcsiore-Foud in London zum Zwecke der Colonisation Palästina's 2500 Rubel überschickt. Aus Odessa wird gemeldet, daß daselbst eine Anzahl jüdischer Flüchtlinge, welche wahrend der letzten Verfolgungen aus Rußland nach Cypern gestohen waren, fällig mittellos, aber als britische Unterthanen zurückgekehrt seien. Sie sollen nun unter dem Beistände des britischen Gcneral-Consnls inOdeffa nach ihren früheren Wohnorten im Inneren Rußland gesandt werden. Vishny, 30. Juni. Das „Börsenblatt" bringt den Tagesbefehl des Gouverneurs, den Arbeitern kundzugeben, daß jegliche Unordnungen mit aller Strenge unterdrückt würden. — Von den 112 wegen antijüdischer Ausschreitungen am 7. Juni Verhafteten wird Niemand vor der gerichtlichen Aburtheilung frcigelassen. Die Polizei ist beauftragt, innerhalb einer dreitägigen Frist ein Verzeichniß der Hebräer aufzustellen, welche ungesetzlicher Weise in Nishny wohnen. Palästina. Jerusalem. Unser Gouverneur, Raous Pascha, hat vor seiner Abreise nach Konstantinopel den Vorstehern der jüdischen Gemeinden die Versicherung gegeben, daß er in der Hauptstadt seinen Ein» fluß geltend machen wolle, daß hochbetagten Juden» die ihre letzten Tage in der heiligen Stadt verbringen und auf demOlivenberge begraben sein möchten, die Erlaubniß zur Niederlassung m Jerusalem wieder gegeben werde. Afrika. Auf einem Goldfelde in Süd-Afrika, das unter dem Namen „Spitzkop" bekannt ist, sowie in seiner Umgegend hat man alte Grubenhund sonstige Ein» richtungen angctroffen, die auf frühere Bearbeitungen der alten Volker-Raffen schließen lassen. Allenthalben "ist unter den Einwohnern der Glaube verbreitet, daß dieses das Ophir von König Salomon sei. Der in Cape Town erscheinende. „The Cape Argus" vom 23. Mai bringt über diese Hypothese emen spaltenlangen Artikel. Feuilleton. In Hagen der Prüfung.') Von Jda Barber. Es war am Vorabend des Versöhnungstages. Simon Stroßky kehrte soeben, nachdem er das Geschäft, in einer der Hauptstraßen Odessa's, geschloffen, zu den Seinigen zurück. Frau und Kinder, festlich gekleidet, faßen bereits am sauber gedeckten Tisch, auf dein die silbernen Armleuchter, die nur an besonderen Ehrentagen in Verwendung kamen, standen. „Hat man Nachricht über Sidonie?" fragte Frau Stroßky, eine trotz ihrer 35 Jahre noch blendend schöne Frau, ihren Gatten. „Keine!" sagte er tief bekümmert; doch, wie sich besinnend, setzte er hinzu: „Kind, stören wir MS den heutigen Festtag nicht durch trübe Gedanken! Laßt uns vielmehr zu Gott bitten, daß er das Räthsel löse! Gott, der Allmächtige, kann Alles, sieht Alles, weiß Alles! Er kennt auch unsere Unschuld und wird unseren Widersachern Beweise derselben bringen!" Die Frau seufzte; sie schien mehr bekümmert^ als sie es zeigen mochte. — Man aß eilig. Niemand schien rechten Appetit zu haben; nachdem das Tische gebet verrichtet, mahnte Stroßky, daß es Zeit sek, in den Tempel zu gehen. *) Nachdruck verboten; Uebersetzunagrecht Vorbehalten.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.